Babys erstes Zimmer: Sicherheit vor Optik

Von: Julia Kirchner
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Wichtiger als die Optik eines Babyzimmers ist die Sicherheit. So fühlt sich das Neugeborene am wohlsten. Foto: dpa

Hamburg. Bunt soll es sein, mit passenden Möbeln: Auf die Einrichtung des Babyzimmers verwenden Eltern viel Mühe. Wichtiger als die Optik ist aber die Sicherheit. Dabei sollte man auf geprüfte Materialien, die richtige Matratze und bruchsicheres Glas achten.

Bei einigen wird ein rosa Prinzessinnen-Traum entworfen. Bei anderen die halbe Tierwelt an die Wand gepinselt, mit passenden Möbeln und Bettwäsche in Dschungeloptik. Bei der Ausstattung des Babyzimmers leben viele Eltern ihre kreative Ader aus. Neben ästhetischen Gesichtspunkten sollte der Raum für die ersten Lebensjahre aber vor allem die wichtigsten Sicherheitsstandards erfüllen. Während offene Steckdosen und scharfe Kanten offensichtlich ins Auge fallen, gibt es unter anderem vermeintlich harmlose Deko-Elemente, die gefährlich werden können.

Bevor Eltern Details wie die Wandfarbe oder die Vorhänge aussuchen, sollten sie sich Gedanken zur Lage des Raums machen. Praktisch ist es, wenn Kinder- und Elternschlafzimmer auf einer Ebene liegen: „Kinder schlüpfen oft jahrelang gern nachts ins Bett der Eltern. Ist das Kinderzimmer oben und das Elternschlafzimmer unten, können die Kinder auf der Treppe stolpern, ausrutschen oder stürzen”, sagt Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion Das Sichere Haus (DSH).

In den ersten Wochen nach der Geburt wird das Babyzimmer vermutlich noch nicht so ausgiebig genutzt. Idealerweise schläft das Kind in seinem eigenen Bett im Elternschlafzimmer. So hören die Eltern schneller, wenn das Kind wach wird und können es stillen.

Genutzt wird das Babyzimmer anfangs vor allem zum Wickeln. Die Wickelkommode ist dabei eine der größten Unfallquellen, da Babys leicht herunterfallen können. Deshalb sollten Eltern die Kommode am besten in einer Zimmerecke an die Wand rücken, so dass das Möbelstück von zwei Seiten begrenzt ist. Eine Auflage mit hohem Rand verhindere ebenfalls, dass die Kinder herunterrollen, erläutert Silvia Höfer, Hebamme in Berlin.

Decke auf dem Boden

Auf Nummer sicher gehen Eltern, wenn sie ihr Kind auf einer Decke auf dem Boden wickeln. „Am besten wählt man eine Unterlage, die waschbar ist”, sagt Höfer. Wird auf dem Boden gewickelt, sollten Eltern alle Pflegeprodukte außer Griffweite des Kindes räumen. Nachteil der ebenerdigen Wickelstation: Das Knien oder Sitzen auf dem Boden kann leicht auf den Rücken gehen.

Bei der Auswahl der Babymöbel sollten Eltern auf hochwertiges und geprüftes Material achten. Dabei können sie sich an Prüfzeichen wie dem GS-Symbol (Geprüfte Sicherheit) orientieren, erklärt Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. Beschichtetes oder lackiertes Holz gase stärker Formaldehyd aus als Massivholz, sei dafür aber unempfindlicher und leichter zu reinigen. „Allerdings können Lacke Schadstoffe enthalten, die das Baby zum Beispiel aufnehmen kann, wenn es daran leckt”, sagt Diekmann. Bei Textilien seien Prüfzeichen wie „toxproof” oder das Label „Textiles Vertrauen” gute Orientierungspunkte.

Grundsätzlich sollten sich Eltern beim Kauf der Möbel im Geschäft Zeit zum Anfassen und Ausprobieren nehmen. Von Schnäppchen im Internet rät der TÜV-Experte ab: „Sie können die Sachen nicht in die Hand nehmen und kriegen unter Umständen Probleme, wenn sie etwas reklamieren müssen.”

Härtegrad wichtig

Beim Kauf einer Babymatratze sollten Eltern vor allem darauf achten, dass die Unterlage richtig ins Bett passt und keine Schlitze entstehen. Wichtig ist der Härtegrad: „Die Matratze muss eine gewisse Festigkeit haben. Das Kind darf nicht tiefer als zwei, drei Zentimeter einsinken”, erklärt Höfer. Ralf Diekmann vom TÜV empfiehlt, auf eine atmungsaktive Matratze zu achten. In jedem Fall sollte ein Modell speziell für Kinder gewählt werden: „Schlecht ist eine Konstruktion aus Erwachsenenmatratze mit Decken links und rechts als Begrenzung.”

Fatal können beim Babybett Dekoelemente wie ein Himmel, Moskitonetz oder Zierkissen sein: Denn diese Dinge können sich Kinder über das Gesicht ziehen und daran ersticken oder als Schlinge um den Hals legen, warnt Diekmann.

Kommen Kinder ins Krabbelalter, sollten die Eltern den gesamten Raum in den Blick nehmen: Glas in Türen muss bruchsicher sein, Steckdosen sollten mit sogenannten Shuttern verschlossen werden. Wichtiger als jede Ecke und Kante abzusichern, sei es, auf die Verarbeitung zu achten: „Große Spalten zwischen den Dielen oder tiefe Bohrlöcher sind problematisch. Auch Holzspäne können schnell im Finger stecken”, erklärt Hebamme Höfer.

Für überflüssig hält Diekmann Pflanzen im Kinderzimmer. „Ganz gefährlich kann Granulat werden.” Wegräumen sollten Eltern auch lange Schnüre und Plastiktüten, etwa von Windelverpackungen, rät Woelk vom DSH. Damit könnten sich Kinder leicht strangulieren.

Platz sollte auch vor den Fenstern geschaffen werden: Tische oder Stühle können kleine Kinder sonst ans Fensterbrett schieben und rausklettern, warnt Höfer.

Für Entlastung sorgen

Bei der Einrichtung des Babyzimmers stürzen sich Eltern schnell in Unkosten. Stärker als von den richtigen Utensilien profitieren Kinder aber von der Zeit und der Ruhe, die sich Eltern für sie nehmen: „Die Bindung zu den Eltern ist wichtig. Das Kind braucht viel mehr von dem, was nicht zu kaufen ist”, erklärt Silvia Höfer, Hebamme in Berlin. Um genug Zeit für das Kind zu haben, sollten Eltern deshalb lieber Geld in eine Haushaltshilfe investieren und so für Entlastung sorgen.

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