Berlin/Hamburg - Auswandern mit Kindern ist eine besondere Herausforderung

Auswandern mit Kindern ist eine besondere Herausforderung

Von: Maria da Silva, dapd
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Berlin/Hamburg. Viele Familien träumen von einem Leben im Ausland - von angenehmerem Klima, besseren Arbeitsbedingungen, einem entspannteren Lebensstil. Mit Kindern auszuwandern, bedeutet allerdings eine besondere Herausforderung.

„Die Reaktion von Kindern auf diesen Schritt ist sehr individuell”, sagt Christina Busch, Auswandererberaterin beim Raphaels-Werk Berlin: Manche freuen sich auf das Abenteuer und kommen im neuen Land gut zurecht - andere Kinder tun sich schwer mit der Situation und brauchen intensivere Unterstützung durch ihre Eltern.

Wichtig sei, dass man die Kinder schon während der Vorbereitungen einbeziehe. „Man sollte sie auf keinen Fall erst knapp vor der Abreise über die Pläne informieren”, betont Busch. Denn Kinder merkten meist sehr schnell, dass sich etwas bewegt, dass ihre Eltern sich anders verhalten als sonst. „Gut ist immer, wenn man schon mal Urlaub in dem Zielland gemacht hat”, sagt die Theologin. Dann könne man gemeinsam Fotos von dieser Reise anschauen und den Kindern erklären, dass man dieses Mal für längere Zeit dorthin fährt.

„Ich würde Kindern nie sagen: Wir verlassen Deutschland für immer”, betont Uta Witte von der Evangelischen Auslandsberatung in Hamburg. Zum einen sei dies eine Zeitspanne, die ein Kind überfordere. Zum anderen könne man auch selbst nie wissen, wie gut man in der Fremde zurechtkommt und ob man nicht doch eines Tages wieder zurückkehrt. „Am besten bespricht man mit den Kindern, dass man das Leben in dem anderen Land jetzt ein Jahr lang testet und dann noch einmal gemeinsam entscheidet, ob man dort bleibt oder wieder zurückkommt”, sagt die Auswandererberaterin.

Eltern sollten sich darauf einstellen, dass ihre Kinder auf ihre Pläne erst mal ablehnend reagieren. „Da können durchaus Tränen fließen”, sagt Christina Busch. Oft seien die Kleinen traurig, weil sie ihre Freunde verlassen, das Fußballtraining aufgeben müssen und auch nicht mehr beim jährlichen Herbstkonzert des Schulorchesters dabei sind.

„Es ist wichtig, dass man seinem Kind in dieser Situation Perspektiven aufzeigt und ihm beispielsweise erklärt, dass es auch in dem neuen Land einen Kindergarten oder eine Schule gibt und dass es auch dort Freunde finden wird.” Gut sei auch, wenn man seinen Kindern die Hintergründe für den Umzug erklärt, um ihnen das Verständnis zu erleichtern.

Uta Witte empfiehlt Auswanderern, sich gemeinsam mit ihren Kindern auf die neue Heimat vorzubereiten. Beispielsweise könnte man abends gemeinsam Bücher über das Land anschauen. „Gut ist auch, wenn man mit den Kindern Lieder in der Landessprache anhört. So gewöhnen sie sich schon ein bisschen daran”, sagt Witte. Manche Familien organisierten auch einen Lehrer, der Eltern und Kinder gemeinsam in der neuen Sprache unterrichte.

„Man kann dann auch in der ganzen Wohnung Zettel anbringen, auf denen Begriffe in der Fremdsprache stehen”, schlägt Witte vor. Mit eventuellen kulturellen Unterschieden sollte man die Kinder ebenfalls vertraut machen, damit sie sich darauf einstellen können. „Ideal ist es, wenn man das Land vor dem Umzug ein paar Mal besucht”, sagt Witte.

Im neuen Land müsse man den Kindern Zeit geben, richtig anzukommen. „Nach Möglichkeit sollte ein Elternteil erst einmal nicht arbeiten, damit er sich auf die Kinder konzentrieren kann”, sagt Uta Witte. Denn auch für die Erwachsenen bedeute die ungewohnte Umgebung eine Umstellung. Wenn sich beide Eltern dann auch noch in einen neuen Job hineinfinden müssten, bleibe für die Kinder oft nicht mehr viel Aufmerksamkeit übrig. „Auf die Kinder stürzt in dieser Zeit viel Neues ein”, betont auch Christina Busch. Man sollte ihnen daher sehr gut zuhören, um auf Probleme und Missverständnisse eingehen zu können.

Mit dem Abschied aus Deutschland verlieren Kinder oft auch wichtige Bezugspersonen. „Kleine Kinder sind noch sehr auf ihre Eltern fixiert, aber für Jugendliche sind die sozialen Kontakte ungemein wichtig”, sagt Uta Witte. E-Mails und Telefongespräche nach Deutschland können die Treffen mit Freunden und Verwandten nicht ersetzen.

„Die Eltern müssen diese Lücke daher erst einmal füllen und so viel wie möglich mit den Kindern unternehmen”, sagt Christina Busch. Außerdem sei es wichtig, dass man ihnen dabei helfe, Kontakt zu anderen Kindern aufzubauen. „Kinder können in einem neuen Land Türöffner sein”, sagt Busch: Oft ergeben sich über sie auch für die Eltern neue Bekanntschaften zu Einheimischen.
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