Ausstrahlung zählt mehr als Makellosigkeit

Von: Maria Hilt, dapd
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Gesicht verunstaltet, hässliche Narben, Schmerzen - schlimm, was manche Patienten nach einer sogenannten Schönheitsoperation berichten. Foto: ddp

Hamburg/Krefeld. Manche Leute machen ihr Glück vom Umfang ihrer Hüften abhängig. Andere glauben, ihr Leben erst dann genießen zu können, wenn ihre krumme Nase operativ begradigt wurde. - Das eigene Äußere so zu akzeptieren, wie es ist, fällt vielen Menschen schwer.

„Wie andere auf einen reagieren, ist sehr wichtig für das Selbstwertgefühl”, erklärt die Hamburger Diplom-Psychologin Eva Wlodarek den hohen Stellenwert, den Äußerlichkeiten in der Gesellschaft einnehmen. Jeder wünsche sich, dass andere ihn attraktiv finden.

Attraktivität werde jedoch nicht nur von einer schönen Hülle erzeugt, sondern hänge stark mit der Ausstrahlung einer Person zusammen. „Die optische Schönheit ist im ersten Augenblick natürlich wirkungsvoll - aber ohne eine attraktive Ausstrahlung hält dieser Effekt nicht lange an”, sagt Wlodarek. Charme, eine gute Körperhaltung, ein strahlendes Lächeln und ein selbstbewusstes Auftreten sorgten beim Umfeld für einen bleibenderen Eindruck als äußere Merkmale.

„Nicht jeder Mensch ist im klassischen Sinne schön - aber eine attraktive Ausstrahlung kann sich jeder erarbeiten”, ist sich die Psychologin sicher.

„Der erste Schritt, um ein negatives Selbstbild zu ändern, ist, sein eigentliches Problem zu identifizieren”, sagt Jenny Latz. Die Krefelderin verlor mit 19 Jahren durch kreisrunden Haarausfall für immer all ihre Haare. Sie lernte, ihr neues Aussehen anzunehmen und hilft inzwischen als Haircoach anderen Menschen bei diesem Prozess. „Wichtig ist, erst einmal genau zu definieren: Der allgemeine Satz Ich bin hässlich hilft nicht weiter - sondern man empfindet sich als hässlich, weil man beispielsweise eine krumme Nase oder einen dicken Bauch hat”, sagt Latz.

Den Fokus auf die schönen Seiten des Körpers richten

Es ist ein Teufelskreis: Je mehr man sich auf einen vermeintlichen Schönheitsfehler konzentriere, desto stärker nehme man ihn war, erklärt Latz. Um von dieser übertriebenen Fokussierung loszukommen, empfiehlt sie, das eigene Spiegelbild einmal von Kopf bis Fuß eingehend zu analysieren. „Dabei macht man eine Liste mit Positiv- und Negativ-Punkten”, sagt Latz. Oft stelle man durch diese Übung schnell fest, dass der vermeintlichen Problemzone auf der Negativ-Seite jede Menge schöne Facetten auf der Positiv-Seite gegenüberstünden.

„Nun kann man damit anfangen, seine positiven Seiten in den Vordergrund zu stellen”, sagt Latz. Eine gute Übung sei beispielsweise, mit sich selbst zu sprechen. Dabei sollte man genau benennen, weshalb man bestimmte Aspekte seines Aussehens schön findet. „Ein einfaches Ich finde meine Augen schön. reicht also nicht, sondern man sollte genau benennen: Ich habe schöne Augen, weil...”, sagt Latz.

Gleichzeitig gilt es, der Selbstkritik das Wasser abzugraben. „Negativen Gedanken über das eigene Aussehen sollte man sofort Paroli bieten”, empfiehlt Eva Wlodarek. Wer sich also gerade mal wieder über seine kurzen Finger ärgere, sollte dieser Grübelei den Gedanken an die schönen blauen Augen entgegensetzen. „Im Grunde geht man dabei so liebevoll mit sich um, wie man mit einem guten Freund umgehen würde”, sagt Wlodarek. Ab und zu hat außerdem jeder Körperteil - ob hübsch oder schrumplig - ein Lächeln verdient. „Setzen sie sich hin, schließen sie die Augen und schicken Sie in jeden Winkel ihres Körpers ein Lächeln - in die Beine, in den Bauch, in die Ohren”, erklärt Wlodarek die Übung.

Oft helfe es auch, wenn man sich mal auf die Funktion dieser unbeliebten Körperteile konzentriert. Zwar habe man vielleicht eng zusammenstehende Augen mit Schlupflidern - aber man könne mit diesen Augen wunderbare Filme sehen, Bücher lesen und Kunst bewundern. „Wenn man sich das verdeutlicht, steht die Dankbarkeit im Vordergrund”, sagt Wlodarek.

Die Blicke der anderen deuten lernen

Wer sich hässlich findet, spürt sein Problem am stärksten im Kontakt mit anderen. „Daher ist es wichtig, die Selbstakzeptanz im Alltag zu üben”, betont Jenny Latz. Warte man beispielsweise am Bahnsteig auf den Zug, sollte man sich mal die Blicke der Umstehenden anschauen. Dabei stelle man fest, dass diese einen zwar ebenfalls musterten - aber vielleicht gar nicht auf die Stelle starrten, die man persönlich als furchtbar unansehnlich empfindet. „Auch andere Menschen einfach mal freundlich zu grüßen, hilft. Man macht die Erfahrung, dass die gar nicht so negativ auf einen reagieren.”

Um die eigenen Schokoladenseiten besonders gut zur Geltung zu bringen, empfiehlt Eva Wlodarek ganz praktisch, die Hilfe von Schönheits-Experten in Anspruch zu nehmen. „Ein guter Friseur, eine Kosmetikerin, ein ordentlicher Berater im Kleidungsgeschäft sind ganz viel wert”, sagt Wlodarek. Jenny Latz empfiehlt außerdem, sich selbst auch immer wieder etwas Gutes zu tun, seinen Körper zu pflegen und ihm auch mal etwas Luxus zu gönnen. „Auch Auszeiten, in denen man sich um seine innere Ruhe kümmert, helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen”, sagt Latz.
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