Aufmerksamkeits-Defizit-Störung fällt bei Mädchen seltener auf

Von: dpa
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Hannover. Die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) ist bei Mädchen oft schwerer zu diagnostizieren als bei Jungen. Insgesamt sei die Diagnosewahrscheinlichkeit bei der hyperaktiven Variante der dann ADHS genannten Störung höher.

Mädchen seien aber seltener hyperaktiv, sagte Gerhild Drüe aus dem Landesvorstand Niedersachsen/Bremen der Selbsthilfevereinigung ADHS Deutschland in einem Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Wenn die Kinder nicht durch eine motorische Hyperaktivität auffallen, bleibe ADS häufiger unbemerkt. „Aber auch diese Kinder können innerlich sehr unruhig sein”, sagte Drüe auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover.

Diese sogenannten hypoaktiven Kinder fallen manchmal schon im Kindergartenalter auf: „Sie sind zum Teil schon Einzelgänger, sind nicht gruppenangepasst, machen vieles nicht mit”, sagte Drüe.

Insbesondere in der Schule werde ADS dann oft ein großes Problem, weil die Kinder wegen ihrer in der Regel kurzen Aufmerksamkeitsspanne oft Lernschwierigkeiten haben.

Die oft als „verträumte Mädchen” beschriebenen nicht hyperaktiven ADS-Kinder sind meist unkonzentriert und zeigen zum Teil, aber nicht zwangsläufig, ein auffälliges Sozialverhalten. Häufig orientierten sie sich stark an der Lehrerin oder dem Lehrer und weniger an Gleichaltrigen.

Die soziale Integration in Gruppen sei bei diesen Kindern oft schwierig. ADS-Kinder würden von Mitschülern zum Teil abgelehnt, weil sie sich nicht gruppenkonform verhalten, sagte Drüe.

Manche zeichneten sich durch überdurchschnittliche Schüchternheit aus, andere fielen eher durch Distanzlosigkeit gegenüber Erwachsenen aus.

Wenn Lehrern das auffällt, sollten sie die Eltern darauf ansprechen. „Es ist wichtig, ADS früh zu erkennen”, sagte Drüe. Eltern seien gut beraten, sich mit Hilfe von Literatur über ADS zu informieren. Es gebe außerdem ein bundesweites Netz an Selbsthilfegruppen.

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung ist keine Frage der Intelligenz. „Es gibt auch Hochbegabte mit ADS”, sagte Drüe. Auch die Spannbreite, wie stark ADS ausgeprägt ist, ist groß: „Das ist nicht wie schwanger, da gibt es nicht ja oder nein”, sagte Drüe.

„Es kann sich nur wenig bemerkbar machen, aber auch sehr deutlich.” Und es habe auch nichts mit Erziehungsversagen zu tun: „Die Störung ist genetisch bedingt.”

Es sei deshalb durchaus denkbar, dass es in einer Familie mehrere ADS-Kinder gebe oder dass ein Eltern- oder Großelternteil ebenfalls von ADS betroffen ist.

Wichtig sei, bei allen ADS-Kindern nach ihren Talenten zu schauen, ihre Stärken zu fördern und ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln, so die Expertin.

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