Berlin - Auf Baby-Verhalten älterer Kinder nur in Maßen eingehen

Auf Baby-Verhalten älterer Kinder nur in Maßen eingehen

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:

Berlin. Kleine Kinder machen in ihrer Entwicklung oft schnelle Fortschritte. Wenn sie sich dann aber plötzlich wieder wie ein Baby verhalten, brabbeln, einnässen und nach dem Schnuller verlangen, machen sich Eltern oft Sorgen.

„So ein Rückfall in ein früheres Entwicklungsstadium kann vielfältige Gründe haben”, sagt Matthias Müller-Guth vom SOS-Familienzentrum Berlin-Hellersdorf. Entsprechend individuell müssen die Reaktionen ausfallen.

Es könne sein, dass sich das Kind gerade einfach intensiv mit dem Thema Baby beschäftige. „Wenn beispielsweise jemand im Umfeld des Kindes ein Baby bekommen hat oder das Kind ein neues Geschwisterchen, wird das Babysein wieder interessant. Die Kinder spielen und experimentieren dann damit”, erklärt der Diplom-Psychologe.

Das Baby-Verhalten könne aber auch durch einen anstehenden Entwicklungsschub ausgelöst werden. „Bevor Kinder eine neue Stufe in ihrer Entwicklung und damit auch mehr Selbstständigkeit erreichen, werden sie manchmal noch einmal besonders anhänglich”, erklärt Müller-Guth. So eine Zeit könne für Kinder sehr verunsichernd sein. Indem sie sich noch einmal ganz klein machten, versicherten sie sich des Schutzes ihrer Eltern.

„Man kann ruhig auch ein größeres Kind mal wieder auf den Schoß nehmen und füttern, wenn es sich das wünscht”, sagt Müller-Guth. Wichtig sei aber, dass dieses Spiel seinen Rahmen habe und das Kind auch altersgerechte Aufmerksamkeit bekomme. „Besonders kleinere Kinder helfen auch gerne mit. So kann man sie beispielsweise bei der Betreuung des Geschwisterchens einbeziehen”, sagt Müller-Guth.

Ein Rückfall in die Babyphase könne aber auch ein ernstzunehmendes Signal sein, dass das Kind Aufmerksamkeit brauche. „Dann sollte man sich fragen, ob das Kind vielleicht überfordert ist oder ob es sich vernachlässigt fühlt”, sagt Müller-Guth. Möglicherweise spüre das Kind die Konkurrenz eines kleineren Geschwisterchens und versuche daher, mit denselben Mitteln mehr Aufmerksamkeit von Mama und Papa zu ergattern. Möglich sei auch, dass das es durch sein Verhalten von anderen Konflikten in der Familie ablenken wolle, beispielsweise von Streit zwischen den Eltern oder der Trauer um einen Todesfall. „Hier hilft es manchmal auch schon, dem Kind zu erklären, weshalb es gerade weniger Aufmerksamkeit bekommt und dass es nichts falsch gemacht hat.”

Haben Eltern Schwierigkeiten, mit dem babyhaften Verhalten ihres Kindes umzugehen, empfiehlt Müller-Guth, eine Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen. „Im Gespräch mit einem Experten bekommt man oft eine andere Sicht auf die Dinge, und er kann einem helfen, individuelle Lösungswege zu finden.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert