Armutsstudie: Kinder wünschen sich mehr Liebe und Spielräume

Letzte Aktualisierung:
Kinder Eltern Mütter
Drei junge Mütter schieben ihre Babys im Kinderwagen bei einem gemeinsamen Spaziergang. Foto: dpa

Berlin/Bielefeld. Kinder, die in Deutschland in Armut aufwachsen, wünschen sich vor allem mehr Zuwendung und Unterstützung. Das geht aus einer Studie hervor, in die Forscher der Universität Bielefeld erstmals rund 200 Kinder auf Ferienfreizeiten des Kinderhilfswerks „Die Arche” einbezogen.

Befragt nach ihren Wünschen für ein „gutes Leben” nennen die 6- bis 13-Jährigen vor allem „von den Eltern geliebt zu werden”, „genug zu essen zu bekommen”, „gute Freunde” und „immer jemanden zu haben, der sich kümmert”. Die von Bayer Vital finanzierte Studie zur Kinderarmut, die am Montag in Berlin vorab vorgestellt wurde, ist nicht repräsentativ. Der detaillierte Abschlussbericht wird erst in drei Monaten veröffentlicht.

„Soziale Benachteiligung von Kindern hat viele Gesichter und wirkt sich auf alle Spielräume von Kindern aus”, sagte die Bielefelder Erziehungswissenschaftlerin Prof. Sabine Andresen. So nannten die Kinder außer Liebe und Zuwendung vor allem das Recht auf Schulbildung und Gewaltfreiheit, Freizeit und medizinische Versorgung als wichtig für ein „gutes Leben”, wie aus den Tiefeninterviews, Fragebögen und teilnehmender Beobachtung hervorging.

Große Angst hingegen haben viele Kinder vor Ausgrenzung. „Auch wir haben deshalb unseren früheren Slogan Wir holen die Kinder von der Straße von unseren Fahrzeugen entfernt. Viele Kinder haben sich darüber beschwert”, berichtet Pfarrer Bernd Siggelkow, der 1995 in Berlin „Die Arche” ins Leben rief.

Dass die Arbeit des Kinderhilfswerks an mittlerweile fünf Standorten bundesweit positive Früchte trägt, zeigen für den Pfarrer nicht nur die Hilferufe aus anderen Städten, sondern vor allem das wachsende Vertrauen der betreuten Kinder. „Die erste Frage an uns lautet oft: Wie lange bleibst du? Kinder brauchen Beziehungspartner, die dauerhaft für sie da sind.” Deshalb sei es fatal, an diesen außerschulischen Bildungsangeboten zu sparen. Denn gerade dort erführen viele Kinder eine verlässliche emotionale Begleitung, die sie zu Hause oder in der Schule nicht hätten.

Von den Ferienfreizeit-Kindern zeigten fast 90 Prozent ein erfreuliches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und bejahten die Aussage: „Ich glaube, mein Leben wird richtig schön.” Wie diese Antwort bei nicht-betreuten benachteiligten Kindern ausfallen würde, weiß man nicht. „Eine bundesweite Studie aus Sicht der Kinder gibt es bisher nicht”, sagt Andresen.

Etwa jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen - nach Zahlen des Deutschen Kinderschutzbundes sind es insgesamt rund drei Millionen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert