Aktion Kindertraum erfüllt 1.000 Wünsche

Von: Martina Schwager, epd
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Hannover. Christophers Traum war ein Elfmeter-Schießen mit Hannovers Bundesliga-Torwart Robert Enke. Lisas Wunsch liegt vor ihr auf dem Tisch: eine große, rechteckige Tafel mit einer hellerleuchteten Milchglasscheibe.

Darauf schiebt die Vierjährige bunte Quadrate, Kreise und Dreiecke zu Männchen, Häusern und Mustern zusammen. Das Gesicht beugt sie dabei ganz nah über die Tafel. Sonst könnte sie die Formen und Farben gar nicht sehen. Denn Lisa ist fast blind. Durch einen Tumor im Kopf hat sie schon als Säugling ein Auge und fast die gesamte Sehkraft des anderen Auges verloren.

„Die Tafel schult ihr Restsehvermögen”, sagt Mutter Antonia Wohlfarth aus Osnabrück. Lisa kann darauf auch mit speziellen Stiften malen und später vielleicht sogar richtig schreiben lernen. Die Eltern sind froh, dass die „Aktion Kindertraum” aus Hannover sie bei der Anschaffung finanziell unterstützt hat. Denn die Tafel und zwei Spielesets haben 1.000 Euro gekostet. „Aktion Kindertraum” ist eine vor elf Jahren gegründete gemeinnützige GmbH, die kranken, behinderten und benachteiligten Kindern in ganz Deutschland Wünsche erfüllt.

An diesem Dienstag soll im Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst in Bremen der 1.000. Wunsch in Erfüllung gehen: Mit einem Kinderfest möchte sich der neunjährige Dominik aus Wittmund, der nach einem Unfall viele Wochen in der Klinik verbrachte, von den anderen kleinen Patienten verabschieden.

Die „Aktion Kindertraum” mache bei der Wunscherfüllung keine Einschränkungen auf bestimmte Krankheitsbilder oder Wünsche, erläutert Ute Friese, Initiatorin und Geschäftsführerin: „Es muss nur wirklich der Wunsch des Kindes sein.”

So kam der herz- und nierenkranke Christopher zum Elfmeterschießen mit seinem Idol, und auch die unheilbar kranke Andrea bekam ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt: Bereits als Zwölfjährige hatte sie sich ein Treffen mit den „Back Street Boys” gewünscht, die sich jedoch kurz darauf trennten. Nach der Wiedervereinigung der Pop-Gruppe fünf Jahre später durfte sie beim Sound-Check dabei sein. „Das war besonders schön, weil wir immer gehofft haben, dass sie das noch erleben kann”, sagte Friese.

Angefangen hat die 48-Jährige ganz unspektakulär. Sie suchte eine sinnvolle Beschäftigung, die sich mit der Betreuung ihrer damals zweijährigen Tochter vereinbaren ließ. Ein Beispiel aus Schweden machte ihr Mut. Im ersten Jahr erfüllte sie drei Wünsche. Mittlerweile ist „Aktion Kindertraum” für sie fast zum Vollzeitjob geworden. Sie beschäftigt vier Teilzeitmitarbeiter in ihrem Büro in Hannover und etwa 40 Ehrenamtliche. 6.000 Dauerspender sind registriert. Eine Viehzahl von Sonderspenden etwa anlässlich von Jubiläen, Geburtstagen und Konfirmationen kommen hinzu.

Damit werden jedoch nicht nur Wünsche, sondern auch notwendige Therapien und Operationen finanziert. Manchmal werden Kinder eigens dafür eingeflogen, wenn fehlende Medizintechnik in ihren Ländern komplizierte Behandlungen unmöglich macht. So kam in diesem Sommer der vierjährige Mwaura mit seiner Mutter aus Kenia nach Stuttgart. Nach einer lebensrettenden Speiseröhren-Operation vor drei Jahren waren dringende Nachuntersuchungen erforderlich.

Lisa tobt inzwischen durch die Wohnung. „Die Brille trägt sie mehr zum Schutz für die Augenprothese und das Auge mit der Restsehkraft”, sagt Antonia Wohlfahrt. Sie ist glücklich und stolz, dass ihre Tochter sich so toll entwickelt. Sprache und Gedächtnis sind bei ihr aufgrund der Sehbehinderung viel weiter als bei Gleichaltrigen. Und Fahrrad fahren kann sie auch schon. Aber die Mutter weiß auch: „Im Straßenverkehr wird sie sich mit dem Fahrrad nie alleine fortbewegen können.”
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