Abschied vom Schaukelpferd: Wenn die Tochter reiten will

Von: Franziska Fiedler, dpa
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Reiten/ Pferd/ Sauerbraten
Erst an die Longe, dann zum Gruppenunterricht: Sind mehr Pferde in der Halle, kann das Kind auch einfach mal hinterher reiten. Foto: dpa

München/Zittau. Irgendwann im Leben der Eltern ist es so weit. Das Kind, meist die Tochter, bringt mit großen Kulleraugen mehr oder weniger zögerlich hervor: „Ich will ein Pony!”. Da ist er nun, dieser angsteinflößende Satz.

Während der Hausherr bereits sein hart verdientes Geld in Striegel, Pferdefutter und Reithose investiert sieht, machen sich unzählige Fragen breit. Ist Reiten für mein Kind gefährlich? Wie erkenne ich eine gute Reitschule? Und wie ist das eigentlich mit dem Reiterurlaub? Zur Beruhigung: Alles gar nicht so problematisch, wie es sich anhört.

„Im Prinzip können Kinder unter fachkundiger Anleitung schon mit drei bis vier Jahren reiten”, sagt Angelika Hoyer von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland in Zittau (Sachsen). Wichtig sei nur: Kleine Kinder brauchen kleine Pferde. Für den Einstieg sind daher Ponys gut geeignet. „Man sucht sich am besten einen Reiterhof in der Nähe aus und kann dort einen Probetag vereinbaren.”

Für die Auswahl der Reitschule gibt es klare Kriterien: Haltung der Pferde, Qualifikation des Ausbilders und Sauberkeit. „Die Tiere müssen ausgeglichen sein. Nur so kann ausgeschlossen werden, dass sie für die Kinder zur Gefahr werden”, sagt Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz in München. Ob sich die Pferde wohlfühlen, könne man an der Haltung erkennen. Dürfen sich die Vierbeiner mehrere Stunden am Tag frei bewegen? Sind sie mit anderen Pferden zusammen auf der Weide? Wenn nicht, sei das ein schlechtes Zeichen.

Auch an der Art, wie der Reitlehrer mit Tieren und Kindern umgeht, können Eltern einen guten Reiterhof erkennen. „Setzt er das Kind einfach auf ein gesatteltes Pferd und lässt es eine halbe Stunden reiten, reicht das nicht”, so die Tierschützerin. Nicht nur die Tierpflege, auch der Kontakt und die Kommunikation mit dem Pferd müsse das Kind lernen. „Wenn die Kleinen ihre Pferde erst einmal am Strick führen, lernen sie Respekt und Vertrauen im Umgang mit den Tieren.”

Eltern sollten zudem ein Auge auf den Pflegezustand der Pferde und der Ausrüstung werfen. „Daran können auch Laien erkennen, ob der Hof etwas taugt”, sagt Uta Helkenberg, Sprecherin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf (Nordrhein-Westfalen). Eltern sollten sich nie auf einen Prospekt verlassen, sondern die Begebenheiten vor Ort prüfen. Auch die Qualifikation des Ausbilders kann wichtig sein. „Einen Trainerschein sollte er schon vorzeigen können.”

Gleiches gilt für den Reiterurlaub. Der stelle zwar einen guten Einstieg für Anfänger dar, könne aber auch zum Reinfall werden. „Man muss einfach sichergehen, dass die Kinder in die Tierpflege mit eingebunden werden. Auf einigen Höfen reiten die Kinder eine Stunde und werden vor- und nachher nicht betreut”, erklärt Angelika Hoyer. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Ferienkinder alle etwa im gleichen Alter sind. So fühle sich niemand ausgeschlossen.

Ist der richtige Hof für die Reitstunden oder Ferien gefunden, müssen sich Eltern Gedanken um die Ausrüstung machen. Die Experten sind sich alle einig: Ein sturzfester Helm gehört in jedem Fall dazu. „Für den Anfang reicht da auch ein Fahrradhelm”, sagt Hoyer. „Zusätzlich braucht das Kind feste, knöchelhohe Schuhe, am besten ohne Schnürsenkel und mit einem kleinen Absatz. Und eine robuste Hose, die rutschfest ist und keine Innennähte hat.” Professionelle Reiterbekleidung brauche es für den Anfang nicht. Auch Putzutensilien werden meist vom Hof gestellt.

Bevor es mit den Kindern auf den Hof geht, sollten Eltern ihnen einige Grundkenntnisse vermitteln. „Zum Beispiel, dass Pferde Fluchttiere sind und sich erschrecken, wenn man von hinten an sie herantritt”, erläutert Elke Deininger vom Tierschutzbund. Pferde seien sensible Lebewesen, die konsequente und klare Befehle verlangen. „Schlagen ist aber absolut verboten!”

Am Anfang empfiehlt Uta Helkenberg, Stunden an der Laufleine - der Longe - zu nehmen. Danach seien Gruppenreitstunden ratsam. So müsse sich das Kind nicht die ganze Zeit vollkommen auf das Pferd konzentrieren, sondern könne auch einfach hinterherreiten. „Immerhin müssen die jungen Reiter auch erst einmal das Sitzen lernen und sich in die Bewegungen des Pferdes einfühlen”, sagt sie.

Auch das Voltigieren stelle eine gute Einstiegsmöglichkeit dar. „Gerade kleinere Kinder verlieren schnell die Konzentration. Beim Voltigieren sind sie nicht zu lang am Pferd”, so die Sprecherin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Außerdem schule das Turnen auf dem Pferderücken das Gleichgewicht. Und billiger sei es meist auch.

Was den Kauf eines eigenen Pferdes angeht, sollten Schnellschüsse vermieden werden. „Nur weil mein Kind dreimal fragt, sollte ich als Elternteil nicht schwach werden”, meint Helkenberg. Ein eigenes Pferd beanspruche nämlich viel Zeit und Geld. „Etwas, das viele Eltern unterschätzen. Einfach abgeben, geht dann nicht mehr.” Darum ist die goldene Regel für große Kinderaugen, die nach einem Pony verlangen: Erst einmal reinschnuppern in die große, weite Pferdewelt.
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