Freizeittipps

Leistung ist nicht alles: Im ersten Job nach dem Studium punkten

Von: Maria Fiedler, dpa
Letzte Aktualisierung:
Job nach Studium
Weniger ist anfangs mehr: Kollegen finden meist jene Berufseinsteiger gut, die zurückhaltend auftreten. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Sie kauen im Meeting Kaugummi oder bieten dem älteren Kollegen am ersten Tag das „Du” an: Nicht selten treten Hochschulabsolventen beim Berufsstart von einem Fettnäpfchen ins andere. Dabei liegt es häufig nicht am Fachwissen. „Ob man die Hierarchien nicht beachtet oder zu forsch auftritt - die meisten Einstiegsfehler lauern im Bereich der Soft Skills”, sagt Anke Quittschau.

Und die sind gefährlich: Fachliche Fehler würden am Anfang verziehen, sagt die Karriereberaterin aus Frankfurt am Main. Doch mit mangelnder Sozialkompetenz könnten sich die Anfänger Chancen im Unternehmen schnell erst einmal verbauen. Am eigenen Auftritt feilen - das ist beim Berufseinstieg nach der Uni deshalb Pflicht.

„Das größte Fettnäpfchen besteht darin, dass sich einige zu sehr darin sonnen, aufgrund des Fachkräftemangels dringend benötigt zu werden”, erklärt die Etikette-Trainerin Nandine Meyden aus Berlin. Diese Berufseinsteiger seien stark von sich eingenommen und der Meinung, sich alles erlauben zu können. „Dabei übersehen sie aber, dass es nicht nur um Leistung geht, sondern auch um Persönlichkeit.”

Viele wenden sich laut Meyden gezielt nur Leuten zu, die ihnen wichtig erscheinen. Praktikanten oder Sekretärinnen würden geflissentlich ignoriert. Dabei sei jemand, der wirklich Stil hat, zur Putzfrau genauso freundlich wie zum Vorgesetzten. „Das ist nicht nur gut für die Verdrahtung innerhalb der Firma, sondern zeigt auch Sozialkompetenz”, bestätigt Susanne Reinker, Ratgeber-Autorin zum Thema.

Reinker beobachtet bei sehr gut ausgebildeten Berufseinsteigern außerdem etwas, das sie das „Neue Besen”-Syndrom nennt. „Es ist eine unangenehme Eigenschaft von Hochschulabsolventen, dass sie am Anfang die Abteilung am liebsten neu organisieren möchten”, sagt Reinker. Doch so mancher, der mit seinem Universitätswissen glänzen wolle, habe das Räderwerk der Firma noch gar nicht durchschaut. Vor allem bei den Kollegen mache man sich unbeliebt, wenn man unmittelbar nach Jobbeginn mit fachlicher Kritik daherkäme. „Während der Probezeit ist deshalb Zurückhaltung angesagt”, rät Reinker.

Oft bekämen die jungen Überflieger in den ersten Wochen im neuen Job auch Routine-Aufgaben aufs Auge gedrückt, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen. „Dafür darf man sich am Anfang aber auf keinen Fall zu fein sein”, warnt Reinker. Häufig sei es ein Test von Kollegen oder Vorgesetzten, um zu sehen, wie der oder die Neue sich einfügt. Hier ohne Murren fehlerlose Arbeit zu leisten, sei die beste Voraussetzung, um später anspruchsvollere Aufgaben zu bekommen.

Karriereberaterin Quittschau hat festgestellt, dass sich Hochschulabsolventen zunächst tendenziell übernehmen. „Mangelnde Berufserfahrung kann man einfach nicht mit Hochschulwissen kompensieren”, sagt sie. Daher fielen einige anfangs auf die Nase, weil sie sich für zu viele oder zu umfangreiche Aufgaben melden. Sie empfiehlt deshalb, bei jeder neuen Aufgabe immer erst zu kalkulieren, wie groß der zeitliche Aufwand ist.

Laut Karriereberaterin Nadja Henrich aus Füssen ist es außerdem wichtig, die Kollegen für sich zu gewinnen. Dazu gehöre, zuverlässig zu arbeiten, immer wieder seine Hilfe anzubieten und auch über die Arbeitszeit hinaus ab und an etwas länger da zu sein. Wer Aufgaben von Kollegen bekommt, aber keinen Hinweis auf eine Deadline, sollte nachfragen.

Auch sei es unumgänglich, die Spielregeln der Hierarchie innerhalb des Unternehmens zu beachten, sagt Etikette-Expertin Meyden. „An der Uni gab es einen lockeren Umgangston. Man hat vielleicht berühmte Professoren ohne akademischen Grad und mit „Hallo” angeschrieben”, erklärt Meyden. Im Job sei das problematisch. Hier müsse man darauf achten, in einer E-Mail erst den Chef und dann die ihm in der Hierarchie folgenden Mitarbeiter anzuschreiben.

Doch neben diesen formalen Regeln existieren in jeder Firma auch ungeschriebene Gesetze. Vor allem in flachen Hierarchien sind diese nicht immer einfach zu durchschauen. „Wer schlau ist, orientiert sich am Verhalten der Kollegen”, empfiehlt Meyden. Im Zweifelsfall könne man auch nachfragen, welche Gepflogenheiten im Unternehmen herrschen: Gibt man morgens allen die Hand? Wer räumt den Geschirrspüler in der Teeküche aus? „Wenn man sich an diese Dinge nicht hält, kann es sein, dass man von den Kollegen kritisch beäugt wird”, erzählt Meyden.

Karriereberaterin Henrich warnt aber auch davor, zu früh Allianzen mit anderen Kollegen zu bilden. „Es ist ja gar nicht klar, welches Standing ein Mitarbeiter im Haus hat”, sagt sie. Berufsanfänger sollten sich auch mit persönlichen Äußerungen zurückhalten. Über Hobbys und Wochenendunternehmungen könne man sprechen, private Probleme blieben besser außen vor. „Junge Menschen erzählen von sich aus alles Mögliche und wahren zuweilen nicht die nötige Distanz”, kritisiert Etikette-Expertin Meyden.

Dabei gelte hier wie bei so vielem: Weniger ist mehr. Schließlich wisse man am Anfang nie, wer einem wohlgesonnen sei und wer nicht.

Die Homepage wurde aktualisiert