Berlin - Erfolg statt Status: Was Frauen im Beruf motiviert

Erfolg statt Status: Was Frauen im Beruf motiviert

Von: vo
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Berlin. Die Frauenquote kommt! - schien über Monate das wichtigste Schockerthema der deutschen Wirtschaftsnachrichten, nachdem man trotz Ukraine-Krise, griechischer Tragödie und Kalifenherrschaft über Erdölfelder kein größeres Wölkchen am Konjunkturhimmel fand. Wie aber sieht es wirklich aus mit Anteil und Rolle der Frauen in der deutschen Wirtschaft?

Im Schneckentempo zum Gleichstand

Die gute Nachricht: Seit Anfang des Jahrhunderts sinkt die Zahl der deutschen Top-100 und -200 Unternehmen ohne eine einzige Frau im Vorstand kontinuierlich. Die schlechte Nachricht: Angekommen sind wir lt. Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung DIW 2014 bei mageren 17,5 bzw. 21,8 %. Damit lag der Gesamtanteil von Frauen 2014 in den Top-200 Vorständen bei 5,4 %;

Rund 80 % der Top-Unternehmen werden von reinen Männerteams geführt. Wenn man sich dagegen die Zahlen für Aufsichtsräte anschaut (2014 kamen nur noch 10,6 bzw. 14,2 % ohne eine einzige Frau aus; Gesamtanteil 18,4 %), dämmert die Vermutung, dass die so heiß diskutierte Frauenquote für Aufsichtsräte vielleicht von vornherein der falsche Aufreger war. So bezeichnet DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst das Wachstum des Frauenanteils in Deutschland als "Ritt auf der Schnecke": Gehe es im Tempo der vergangenen Jahre weiter, seien Männer und Frauen in Aufsichtsräten erst in 15 Jahren gleich vertreten, in Vorständen in 56 Jahren.

Selbst(ständig) ist die Frau

Auch eine weitere Kennzahl gibt zu denken (KfW-Daten 2013): Frauen als Gründerinnen eigener Vollerwerbs-Betriebe haben im gleichen Zeitraum einen prinzipiell gleich bleibenden Anteil von knapp über 30 %. Nur wenn man Nebenerwerbs-Betriebe einbezieht, ergibt sich eine leichte Steigerung. Bei den Gründungen von Nebenerwerbs-Betrieben allerdings liegt der Frauenanteil heute immerhin fast bei 50 %. Interessant wird es, daneben die Motivationsfaktoren von Gründerinnen zu betrachten. Die hat die GfK 2014 am Beispiel der Gastronomie/Hotellerie untersucht:

Zuerst kommt der Wunsch nach beruflichem Erfolg (88 %), dicht dahinter Unabhängigkeit (87 %) und, etwas Eigenes aufzubauen (82 %). Gerade hier zeigt sich symptomatisch, dass Frauen sehr wohl beruflich nach vorn wollen. Doch offenbar ist dieses "Vorn" - heute jedenfalls - für die überwiegende Mehrzahl der Frauen viel eher der Bereich des Persönlichen und Selbstbestimmten und kaum das mühsame Emporhangeln in den Karrierepyramiden großer Unternehmen.

Zauberwort Anerkennung

Schaut man hinter all diese Zahlen, wollen Frauen definitiv auch den beruflichen Erfolg. Doch es sollte echter, persönlicher Erfolg sein, kein mühsames Vorrücken auf den Brettchen von Statusspielen. Dazu gehört unbedingt auch die Möglichkeit, Privat- und Berufsleben im Einklang zu halten, die sogenannte Work-Life-Balance - vor allem aber eine greifbare Anerkennung.

Einer der massivsten Gründe für Frauen, den eigenen Kleinstbetrieb größeren Unternehmen vorzuziehen, ist wohl auch die - tatsächlich oder vermeintlich - schlechtere Bezahlung. Neben "echter" Ungleichbehandlung (30,4 %) listet das Statistische Bundesamt aktuell die im Durchschnitt niedrigeren Positionen (26,6%), schlechter bezahlte Berufe (22,7 %) und einen geringeren Beschäftigungsumfang (9,3 %) als Gründe auf, dass Frauen weniger verdienen - oder dies vielleicht oft erwarten, ohne je gefragt zu haben.

Andererseits verzichten viele Frauen auf höheren oder jedenfalls gesicherten Verdienst, wenn sie die eigene Unternehmertätigkeit wählen. Dieser Widerspruch ist jedoch nur ein scheinbarer: Schlechte Lohnzahlung ist die Verweigerung von Anerkennung per se. Selbstständiges Arbeiten dagegen schafft Anerkennung nicht aus dem Verdienst, sondern - wie die GfK-Studie zeigt - aus dem Aufbau von etwas Eigenem.

Damit ergibt sich ein Bild, das ganz wesentlich von den Vorstellungen abweicht, die zu dem Gesetz über eine Frauenquote geführt haben. Wer Frauen im Beruf fördern und ihren Anteil erhöhen will, muss zunächst über die Strukturen nachdenken, in denen dies stattfinden könnte. Nicht einsame Chefsessel sind die Verlockung, sondern flache Hierarchien mit Gestaltungsmöglichkeiten und Entscheidungsbefugnissen für jeden Mitarbeiter.

Anerkennung von Leistung sollte sich zuerst, aber nicht nur in einer fairen Bezahlung ausdrücken. Auch andere greifbare Bestätigungen wie zum Beispiel ein individualisiertes Motivations- und Prämienprogramm können als Baustein helfen, engagierte und kompetente Frauen anzusprechen. Der Nebeneffekt einer solchen Frauenförderung aber wird eines Tages sein, dass in frauenfreundlichen Strukturen auch mehr Männer mit mehr Motivation bessere Leistungen erbringen.

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