Deutsche Investitionen für irakische Universitäten

Von: vo
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Das deutsche Unternehmen Karl Kolb GmbH & Co. KG lieferte Laborausrüstung für die zahnmedizinische Fakultät in Bagdad. Foto: pixabay / PublicDomainPictures / CC0 Public Domain
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Strukturaufbaumaßnahmen deutscher Unternehmen wie für den internationalen Flughafen in Bagdad sind wichtig, um die Wirtschaft im Irak zu stärken und weltweit konkurrenzfähig zu halten. Foto: pixabay / tpsdave / CC0 Public Domain

Berlin. Der Irak ist neben den internationalen Hilfsfonds für den Wiederaufbau von Infrastruktur und Wirtschaft auch auf Unterstützung von Unternehmen bei der Ausbildung von Fachkräften angewiesen.

Neben der Schulung von Polizei und Militär benötigt auch die breite Bevölkerung Zugang zu Bildung, um für die zukünftigen Herausforderungen einer sich stark verändernden Wirtschaft gerüstet zu sein. Deutsche Firmen wie die Karl Kolb GmbH & Co. KG liefern dafür notwendige Ausrüstungsgegenstände, um die Bildungsinstitute technisch wieder auf den neuesten Stand zu bringen. 

Deutsche Unternehmen können profitieren

Für viele deutsche Unternehmen ist eine Ausdehnung ihrer Geschäfte im Irak trotz der angespannten Situation lohnenswert. Zahlreiche Anlaufstellen stehen unterstützend und beratend zur Verfügung. Außerdem kann so ein Teil zur Beilegung des Konflikts im Land beigetragen werden.

Das krisengeschüttelte Land ist von internationaler Bedeutung beim Kampf gegen den Terror der IS. Deshalb wird von vielen Seiten in einen stabilen und nachhaltigen Aufbau investiert. Frank Walter Steinmeier kündigte bei der letzten Geberkonferenz eine Erhöhung der deutschen Hilfen als Beitrag zum Wiederaufbau um zusätzliche 160 Millionen Euro an.

"Der militärische Erfolg wird nur von Dauer sein, wenn die irakische Regierung das Vertrauen der Bevölkerung in den befreiten Gebieten hat.", sagte der Außenminister in der Wirtschafts Woche. Deshalb will das Land weiter in gute Bildungsmöglichkeiten investieren.

Investitionen im Bildungssektor

Die Hälfte der etwas über 380 Millionen Einwohner des Landes ist heute unter 25 Jahre alt. Auf ihnen ruhen große Erwartungen, das Land in der Zukunft wieder aufzubauen und wirtschaftlich auf sichere Beine zu stellen. Doch der Stand des irakischen Bildungssystems liegt durch die lange Zeit im Krieg um einige Jahre zurück. Drei Universitäten des Landes befinden sich in der Hauptstadt Bagdad. Zahlreiche Fakultäten unterstützen die Weiterentwicklung des Landes und sind direkt am Wiederaufbau beteiligt.

Unterstützung aus dem Ausland wird hier dringend benötigt, um die Universitäten in den zukunftsrelevanten Studiengängen angemessen auszurüsten. Der deutsche Laborausstatter Karl Kolb hat dazu den Lehrstuhl für Zahnmedizin mit entsprechenden Geräten beliefert. Zusätzlich werden die zukünftigen Anwender von Fachkräfte der Firma im Umgang mit der Technik geschult.

Auch das Unternehmen Knauf, deutscher Produzent von Baustoffen, investiert in die Ausbildung im Irak. Dort wurde mit finanzieller Unterstützung der KFW jüngst ein Trainingscenter eröffnet. In Zukunft werden hier irakische Handwerker und Architekten im Bereich Trockenbau ausgebildet. Das Center befindet sich auf dem Gelände der Bagdad Universität. Es wurde ein Kooperationsvertrag über 25 Jahre abgeschlossen.

Hochschulkooperationen ermöglichen Wissenstransfer

Studierenden und zukünftigen Fach- und Führungskräfte können auch im Rahmen einer Hochschulkooperation einen genaueren Einblick bekommen. Neben der Förderung durch deutsche Unternehmen sind verschiedene Bildungsträger an einem Wissenstransfer beteiligt.

Das Zentrum für Irakstudien der Friedrich-Alexander Universität (FAU) in Erlangen hat dazu ein Austauschnetzwerk gegründet. Das Iraqui-German Academic Cooperation Network (IG-CON) stärkt seither die Kooperation zwischen den Universitäten beider Länder. In diesem Jahr besuchten 14 irakische Delegationen der beteiligten Hochschulen die FAU in Deutschland.

Bereits seit Ende des Krieges 2003 und dem Sturz Saddam Husseins sind immer wieder Delegationen aus dem Irak an deutsche Universitäten gekommen, um sich hier über die international hoch angesehenen Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Immer noch sind vor allem die Ingenieursstudiengänge im Ausland besonders gefragt.

Deutsche Firmen verhelfen Wirtschaft zum Umbruch

Das Geld aus den internationalen Fonds fließt neben der humanitären Hilfe und der Beseitigung von Minen in den ehemals belagerten Regionen insbesondere auch in den Aufbau der Wirtschaft. Zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen sollen in den von der IS befreiten Gebieten angestoßen werden.

Die Staatseinnahmen des Landes basieren derzeit noch zu 90 Prozent auf Geldern aus dem Handel mit Öl. Wegen der fallenden Ölpreise ist die Regierung bestrebt, hier in einen umfangreichen Strukturwandel zu investieren und langfristig Arbeitsplätze in anderen Bereichen zu schaffen.

Auch hier ist der Staat an einem Wissenstransfer mit ausländischen Investoren interessiert. Das Know‑How internationaler Unternehmen soll dazu beitragen, das Land in bisher wenig vertretenen Disziplinen wirtschaftlich voranzubringen.

Der Irak hat vor allem mit vielen Binnenflüchtlingen zu kämpfen. Für sie soll es in der Zukunft möglich gemacht werden, in ihre Heimat zurückkehren zu können und dort auch wieder Arbeit zu finden. "Kein Land möchte seine Mittelschicht und seine Bürger verlieren. Wir möchten sie in ihre Heimatregionen zurückbringen", sagte der irakische Premierminister Haidar AL-Abadi in einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel im Februar 2016.

Ghorfa als zentrale Anlaufstelle für deutsche und arabische Interessenten

Deutsche Unternehmen, die an einer Kooperation oder an wirtschaftlichen Beziehungen interessiert sind, können sich zunächst an die Ghorfa wenden. Die arabisch-deutsche Industrie- und Handelskammer wurde bereits im Jahr 1976 gegründet. Interessen beider Seiten werden von dem Verein, der als Dachverband aller arabischen Industrie- und Handelskammern fungiert, vertreten.

Die Ghorfa veranstaltet Konferenzen, Kontaktbörsen oder interkulturelle Seminare um die Kooperation zwischen der westlichen Welt und den Ländern des Nahen Ostens zu stärken. Über 600 Mitglieder, darunter zahlreiche deutsche und arabische Unternehmen, aber auch Hochschulen und Institutionen aus dem Gesundheitswesen, zählt die Ghorfa heute.

Gewinn für beide Seiten

Die arabischen Staaten investieren in den letzten Jahren intensiv in den Ausbau ihrer Bildungssysteme. Sie haben erkannt, dass sie sich langfristig nicht auf die Einnahmen aus der Ölindustrie verlassen können. "Die Länder investieren massiv in den Sektor, weil sie erkannt haben, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich von dem Ausbildungsstand ihrer Bevölkerung abhängt", so der Generalsektretär der Ghorfa, Abdulaziz Al-Mikhlafi.

Davon profitieren deutsche Unternehmen wie Karl Kolb oder Knauf. Durch die Ausbildung von einheimischen Fachkräften werden die gegenseitigen Handelsbeziehungen gefestigt. Rund zwei Millionen investierte der Baustoffhersteller selbst in sein Bildungscenter. Im Zuge des Aufbaus des Landes erwarten sie beim Neubau von Wohnungen dagegen Millionengeschäft.

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