Berlin - DSL in Deutschland: günstiger, aber ausbaufähig

DSL in Deutschland: günstiger, aber ausbaufähig

Von: vo
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Berlin. Ein schneller Internetzugang via DSL ist in Deutschland günstiger geworden. Kunden, die sich für einen Tarif mit 100 MBit/s entscheiden, zahlen effektiv weniger - in manchen Regionen bis zu 31 Prozent.

Das hat die Studie eines großen Verbraucherportals im Sommer 2017 ergeben. Indes hinkt Deutschland bei den wirklich schnellen Glasfaseranschlüssen im internationalen Vergleich hinterher, doch das will die Bundesregierung ändern.

Schnelles DSL wird günstig

Doppel-Flatrates mit 100 MBit/s, welche den Telefon- und den Internetanschluss umfassen, kosten aktuell (August 2017) im Durchschnitt 10 Prozent, in der Spitze bis 31 Prozent weniger als dieselben Anschlüsse mit 50 MBit/s.

Das wirkt zunächst kurios, hat aber einen wirtschaftlichen Hintergrund: Provider, die Bandbreiten ab 100 MBit/s anbieten, sind in der Regel gleichzeitig Netzbetreiber und damit von der sonst fälligen Netzgebühr befreit, die kleinere Anbieter entrichten müssen.

Die vorliegenden Zahlen, die natürlich auch die Anbieter in Aachen betreffen, sind freilich Durchschnittswerte. So kann ein 50 MBit/s Anschluss eines großen Providers mit eigenem Netz wiederum weniger kosten als der 100 MBit/s Anschluss desselben Betreibers.

Die Entwicklung zu günstigen schnellen Internetanschlüssen setzte bereits im Herbst 2016 ein, damals fiel erstmals der Durchschnittspreis für 100 MBit/s Anschlüsse unter den für 50 MBit/s Tarife. Aktuell soll der auf Deutschland bezogene Gesamtdurchschnitt für die 100 MBit/s Doppelflat bei effektiv 26,72 Euro monatlich liegen.

Die größten Preissenkungen der letzten zwei Jahre gab es in Dresden, die geringsten in Berlin. Dieses an sich positive Bild trübt nur eine Tatsache: Der Breitbandausbau in Deutschland via Glasfaser lässt insgesamt zu wünschen übrig. Im europäischen Vergleich liegen wir auf Platz 8 mit mageren 1,6 % aller Haushalte, bei denen das Glasfaserkabel bis ins Haus führt.

Zum Vergleich: In der EU liegt dieser Wert bei 9,4 %, in Lettland (dem Spitzenreiter) bei 45,2 %. Rund 60 % dieser Anschlüsse liegen in lettischen Haushalten sogar direkt in der Wohnung an. Vor uns rangieren Staaten wie Russland, Italien und Spanien, während die Österreicher noch etwas schlechter als wir versorgt sind.

Breitbandausbau in Deutschland: Pläne der Regierung

Der Bund und in Deutschland tätige Telekommunikationsunternehmen wollen bis zum Jahr 2025 zusammen rund 80 Milliarden Euro investieren, um das Glasfasernetz auszubauen. Diese Ansage kam im Frühjahr 2017 von Alexander Dobrindt (CSU), der nicht nur Verkehrs-, sondern auch Infrastrukturminister ist.

Die entsprechende Zukunftsoffensive heißt "Gigabit Deutschland” und weist den Weg: Bis in den Gigabit-Bereich sollen die Netze ausgebaut werden, was aktuell zwar technisch möglich, aber wirtschaftlich nicht zu vertretbaren Kosten realisierbar ist. Daher setzt man sich zunächst kleinere Ziele, nämlich die Versorgung des größten Teils aller Haushalte und Unternehmen mit wenigstens 50 MBit/s.

Die Investitionen sollen zu einem größeren Teil von der Industrie kommen, die jährlich acht Milliarden Euro in die Hand nehmen wird, wenn sie ihre Versprechen hält. Dobrindt stellte zusätzlich vonseiten des Bundes drei Milliarden Euro jährliche Förderung ab 2018 in Aussicht.Eine gesetzlich garantierte Mindestgeschwindigkeit - und seien es 50 MBit/s - für jeden Haushalt wollte die Allianz aus Bund und Netzbetreibern aber nicht versprechen.

Dabei hält der Vodafone-Chef Ametsreiter selbst dieses Ziel für unterambitioniert. Andere europäische Staaten - Ametsreiter verwies unter anderem auf Spanien - hätten sich deutlich mehr vorgenommen. Es werde in Deutschland aktuell die überflüssige Diskussion geführt, ob Privathaushalte überhaupt mehr Geschwindigkeit benötigen würden, so Ametsreiter. In anderen Staaten stelle man sich diese Frage nicht.

Da ist etwas dran: Ein schnelles Internet führt zu ganz anderen Angeboten etwa im Video-on-demand-Bereich, an die viele Deutsche aktuell noch gar nicht richtig denken. Das ist verständlich, wenn bei Downloads unter 20 MBit/s seit Juli 2017 nicht einmal mehr die Streaming-Angebote der privaten Fernsehkanäle funktionieren.

Dabei wird der Unternehmensbereich noch gar nicht betrachtet: Firmen mit wirklich schnellem Internet können eine sagenhafte digitale Infrastruktur aufbauen und damit enorm expandieren. Daher, so Ametsreiter, frage man etwa im Silicon Valley niemals danach, wie schnell denn ein Internet sein müsse: Es kann gar nicht schnell genug sein.

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