Zukunftsweisende Ideen beim Innovation Day im Eurolab

Von: Verena Müller
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Einblicke ins Eurolab beim Innovation Day: Steuern in Kohlscheid, fahren in Stockholm: Ferngesteuertes Fahren könnte eine sinnvolle Ergänzung zum autonomen Fahren werden. Foto: Müller
Coco
Reseibegleiter „Coco“ könnte laut Tom Dinkelaker Eltern Ängste nehmen, wenn Kinder alleine reisen. Foto: Verena Müller

Herzogenrath. „Stellen Sie sich einmal vor“, setzt Tom Dinkelaker an, „Ihr sechsjähriges Kind wäre alleine mit der Bahn oder im Flugzeug unterwegs.“ An der Stelle möchte man schon sagen: „Lieber nicht.“ Aber wir befinden uns ja in einem Gedankenexperiment und in einem technischen Experiment in der sogenannten Garage von Ericsson.

Also dort, wo entwickelt und ausprobiert wird. Und der Impuls „lieber nicht“ knüpft eigentlich auch genau da an, wo die Software-Entwickler hinwollen: 70.000 unbegleitete Kinder zählt eine große Airline jährlich auf ihren Flügen.

Und so haben die Software-Entwickler von Ericsson dem Plüschaffen „Coco“, dem „Connected Travel Compagnon“ digitales Leben eingehaucht, so dass dieser als Reisebegleiter Eltern informiert, wo sich ihre Kinder gerade befinden, ob es Verspätungen gibt, und den Kindern die Zeit vertreibt. Größere Kinder können ebenfalls Reisedaten abfragen, die von Airlines oder Bahn über eine Cloud zur Verfügung gestellt werden. Kleinere sagen „Coco, sing a song“ und schon trällert der Affe los.

Bereits der achte Innovationstag

Das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die die Ideenschmiede im Eurolab von Ericsson hervorgebracht hat. Am Mittwoch und Donnerstag sind rund 200 Menschen in den Räumen in Kohlscheid zu Gast, um sich über diese zukunftsweisenden Möglichkeiten auszutauschen. Die meisten sind in der Mobilfunkbranche zu verorten und (potenzielle) Kunden. Zum achten Mal findet der „Innovation Day“ inzwischen schon statt, angefangen als Tag für die Mitarbeiter, inzwischen ein Info- und Austauschtag für Kunden aus zehn Ländern.

5G, also die fünfte Generation im Mobilfunknetz, ist das beherrschende und aller verbindende Thema (siehe Interview).

Neben „Coco“ etwa können sich die geladenen Gäste als „Remote Driver“ versuchen: Von einem Autositz in Kohlscheid aus steuert man ein echtes Fahrzeug auf einem Gelände in Stockholm. Auf Bildschirmen wird die Fahrt übertragen und nicht nur das: sogar das Ruckeln durch den unebenen Untergrund auf den Sitz.

Nicolas Schrammer, Forscher am Stockholmer Standort, erklärt die drei möglichen Szenarien: „Man stellt das Auto irgendwo ab, und ein Fahrer parkt es aus der Ferne. Denkbar wäre auch der Einsatz in einem Logistikcenter, etwa einem Hafen: Normalerweise müssen Fahrer zwischen unterschiedlichen Fahrzeugen – vom Gabelstapler bis zum Lkw – hin und her laufen. Mit ferngesteuertem Fahren könnte man viel Zeit sparen. Die dritte Möglichkeit wäre das autonome Fahren.“

Denn, wie Jan-Peter Meyer-Kahlen, Standortleiter in Kohlscheid meint, meint, ist das autonome Fahren zwar schon ausgereift, bislang aber nur eine „Schönwetter-Technik“. Bei Nebel, Schnee oder Hindernissen auf der Fahrbahn werde es schwierig. „Mit einem Remote Driver könnte man ein Fahrzeug aber auch um einen auf der Straße liegenden Baumstamm herumleiten.“ Dass die Technik alleine nicht entscheidend ist, um autonomes Fahren in gängige Praxis umzusetzen, weiß Meyer-Kahlen auch. Der Dialog mit dem Otto-Normalverbraucher und Aufklärungsarbeit im großen Stil seien unerlässlich.

„Aus der Ferne“ ist auch das Stichwort am nächsten Tisch in Kohlscheid. Über mit Sensoren ausgestatteten Handschuhen könnten in Zukunft Fern-OPs möglich sein. Ein Spezialist für Nieren-Transplantationen sitzt am einen Ende der Welt, der Patient liegt am anderen Ende auf dem OP-Tisch. Der Spezialist bewegt seine Hände, ein Roboter ahmt auch die kleinste Bewegung nach und führt die Operation aus.

Eher spielerisch setzt ein halb in Kohlscheid, halb in Budapest ansässiges Team an: Mehr Spaß versprechen sie sich beim Squash, wenn man auf die Wand Ziel projiziert. Etwa eine Mauer. Mit jedem getroffenen Ziegelstein fällt sie ein stück weit zusammen. Das ist aber nur ein Teil. Der andere ist, dass Sensoren im Schläger Schlagkraft, Vor- und Rückhand messen. Das ist bei der Analyse des eigenen Spiels hilfreich und vielleicht für Profis interessant, wie István Gódor und Lalit Kumar Gorg meinen.

Ob Sport, Reisen oder Gesundheitssektor – Anwendungsmöglichkeiten gibt es wohl unendlich viele. Wie der Standortleiter sagt, gehe der Trend derzeit dahin, viel schneller in die Implementierung zu gehen. Insofern ist der Innovation Day eine gute Plattform, mit Kunden gemeinsam Ideen voranzubringen.

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