Ziel2-Programm: 76 Siegerprojekte aus der Region

Von: Hermann-Josef Delonge
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Starke Forschung aus der Region Aachen: Das „Admitter”-Programm will den Wirkungsgrad von Solarzellen steigern. Dafür gibt es Geld aus den Ziel2-Fördertöpfen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Forschungsverbund „Admitter” zum Beispiel: Nicht weniger als die „Quadratur des Stromkreises” wird angestrebt. Der Wirkungsgrad von Solarzellen soll wesentlich gesteigert werden - was auch Auswirkungen auf die Qualität der Massenproduktion haben soll.

Es würde hier zu weit führen zu erklären, wie das technisch funktionieren soll. Wichtig aber ist, dass an diesem Projekt drei Partner aus der Region (Solland Solar Cells GmbH, Institut für Halbleitertechnik der RWTH, AMO GmbH) beteiligt sind und dass es Grundlagenforschung mit praktischer Umsetzung verbindet.

„Admitter” ist eines der Projekte, die im Rahmen des Ziel 2-Programms von NRW und Europäischer Union kräftig gefördert werden. Dabei geht es um beträchtliche Fördersummen (konkret: 1,283 Milliarden Euro an EU-Mitteln und noch ein fast gleich hoher Betrag vom Land und den verschiedenen Projektträgern), und die Region Aachen zählt in NRW zu den erfolgreichsten. Warum das so ist, davon konnten sich am Montag Gäste aus ganz NRW im Technologiezentrum am Aachener Europaplatz überzeugen. „Zukunft aus Aachen” war die Veranstaltung überschrieben - die Region als Musterbeispiel für eine innovationsorientierte Strukturpolitik.

Signale nach Brüssel und Berlin

Dass dies tatsächlich so ist, untermauerte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben mit Zahlen. Im laufenden Ziel2-Programm 2007 bis 2013 wurden in NRW 36 Wettbewerbe (denn genau darüber werden die Gelder in NRW seit zweieinhalb Jahren vergeben) in 16 Clustern ausgeschrieben. Aus den bislang 2000 eingereichten Projektskizzen wurden bislang über 500 Siegerprojekte ausgewählt. Allein 76 davon mit über 250 Kooperationspartnern kommen aus der Region Aachen. „Keine Region in NRW war und ist so erfolgreich”, betonte Thoben. „Hier ist der Technologietransfer von der Forschung in die Wirtschaft besonders gut gelungen.”

Dass die Veranstaltung gerade jetzt stattfand, hat einen guten Grund. Denn in Brüssel laufen bereits die Vorgespräche darüber, ob und wie die Gelder für ein neues Förderprogramm über 2013 hinaus verteilt werden sollen. Da gibt es Stimmen, die vor allem die schwachen EU-Länder bevorzugt sehen wollen. Klar, dass sich NRW dagegen stemmt und sich durch den gerade in Kraft getretenen Lissabon-Vertrag gestärkt sieht. Aber auch nach Berlin soll ein Signal gehen, die Verteilung der Fördergelder nicht zentral zu organisieren, sondern die föderalen Kompetenzen beizubehalten

Unterstützung erfuhr sie dabei aus der Region, wobei Städteregionsrat Helmut Etschenberg vor allem die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft - und damit in die Wertschöpfung - hervorhob. Gerade darin sei die Region stark. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp lobte die Eigendynamik, die sich durch den Wettbewerbscharakter entwickelt habe, und legte besonderen Wert auf eine nachhaltige Auswirkung der Förderung auf die Beschäftigungssituation.

Auch Prof. Rolf Rossaint, Prorektor für Forschung und Struktur der RWTH, schwärmte davon, wie gut es gelungen sei, die Lücken zwischen Grundlagenforschung und technischer Umsetzungen zu schließen. „Die TH ist jetzt gezwungen, sich Partner aus der Region zu suchen. Es funktioniert”, sagte Rossaint. Der Mittelstand steht dabei im Fokus - und auch der profitiere allein dadurch, dass erfahrene Professoren die lästige und durchweg schwierige Arbeit de Antragstellung übernähmen.

Es funktioniert auch, weil sich Netzwerke gebildet haben, die intensiv gepflegt werden. Federführend in diesem Bereich ist neben der Industrie- und Handelskammer und der Regina (Regionaler Industrieclub Informatik Aachen) natürlich die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer Agit. Deren Geschäftsführer Ulrich Schirowski sieht die Region derzeit in einem neuen Strukturwandel - nach der Montanindustrie nun im Bereich Hightech.

„Die Region Aachen hat noch viel Potenzial, das noch nicht gehoben ist”, bilanzierte Städteregionsrat Etschenberg. „Es gibt noch so viele Ideen, gerade an den Hochschulen. Die müssen umgesetzt und nachhaltig in die Wertschöpfung gebracht werden.” Das sind die Pfunde, mit denen die Region bei der nächsten Ziel2-Förderrunde wuchern kann - und muss.
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