ZAB: Das Werben um Nachwuchskräfte

Von: Sebastian Maassen
Letzte Aktualisierung:
10149793.jpg
Auf der ZAB versuchen viele Aussteller, die Aufmerksamkeit der Schüler mit Hilfe interaktiver Angebote zu gewinnen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Besucht man die diesjährige ZAB, wähnt man sich zunächst am falschen Ort. Alles wirkt wie ein Spielparadies für Heranwachsende. Dass man tatsächlich auf der größten Berufs- und Studienmesse der Region gelandet ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick.

Die zahlreichen Aussteller, die um die Gunst der anwesenden Schülermassen buhlen, überbieten sich geradezu mit Aufmerksamkeit heischenden Gimmicks und Giveaways. Hier steht ein DJ-Pult, dort ein Kickertisch, Popcorn-Maschine reiht sich an Schokobrunnen – kurzum: Alles hat Eventcharakter.

Dass es auch anders geht, weiß Justin Heinen, Auszubildender bei der Sparkasse Aachen. „Wir verzichten bewusst auf solche Dinge. Schließlich wollen wir junge Leute erreichen, die sich wirklich für unser Unternehmen interessieren.“ Und das scheint zu funktionieren. Immer wieder werde in Bewerbungen darauf hingewiesen, dass der erste Kontakt zum Betrieb auf der ZAB zustande kam, sagt Heinen. Vor allem mit Vorurteilen könne auf der Messe gut aufgeräumt werden. „Im direkten Gespräch merken die Schüler, dass wir nicht nur trockene Finanzprodukte verkaufen, sondern eine äußerst facettenreiche Ausbildung anbieten.“

Auf der Suche nach interessierten Nachwuchskräften sind auch Simon Philippen und Andre Fuchs. Beide arbeiten bei der Stawag, Fuchs als Ausbilder, Philippen als Auszubildender im dritten Lehrjahr. „Wir wenden uns in erster Linie an zielorientierte Schüler, die eine klare Perspektive vor Augen haben“, sagt Fuchs. „Leider ist das aber eher die Minderheit.“ Gerade morgens sei es schwierig, die Messebesucher zu erreichen. Viele kämen im Klassenverband und erhielten einen Fragebogen von ihren Lehrern, den es an den verschiedenen Infoständen zu beantworten gelte. „Für die Aussteller selbst interessieren die sich aber eigentlich kaum“, sagt Philippen.

Bei ihm war das damals anders. Schon immer habe er sich für den Energieversorgungsbereich interessiert, allerdings habe er aus dem Überangebot an Möglichkeiten nicht das Richtige für sich herausfiltern können. 2010 besuchte er schließlich die ZAB, zwei Jahre später begann er seine Ausbildung bei der Stawag. „Ich finde die Messe absolut empfehlenswert“, sagt er. „Hier trifft man Azubis aus allen Lehrjahren, die von ihren Erfahrungen im Unternehmen berichten können. Solche Informationen aus erster Hand sind wichtig, damit man später keine böse Überraschung erlebt.“

Auch Chantal Paulzen hat mit dem Hilfswerk Misereor einen passenden Arbeitgeber auf der ZAB gefunden. 2014 lernte sie ihren heutigen Chef Rolf Giesen beim Azubi-Speed-Dating kennen – die „Beziehung“ hielt. Ohnehin scheint Giesen Glück zu haben, denn auch in diesem Jahr hat er schon einen vielversprechenden Bewerber aufgetan. Dies sei, so sagt er, keine Selbstverständlichkeit, vor allem da das Hilfswerk seine Ausbildung umstrukturieren wolle und nicht nur sozial engagierte, sondern auch sehr leistungsbereite Schüler suche.

Gute Noten seien nicht das entscheidende Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung, sagt Giesen. „Meiner Meinung nach gibt es in Deutschland ein großes Problem: Jungen Menschen mit vermeintlich geringerer Qualifikation wird zu wenig Wertschätzung entgegengebracht. Dabei haben gerade diejenigen, von denen man es vielleicht nicht unbedingt erwarten würde, oft ganz besondere Fähigkeiten.“ Es sei allerdings nicht leicht, diese Zielgruppe zu erreichen. „Viele begreifen ihre Möglichkeiten einfach nicht. Denen müssen wir den Weg nach oben zeigen. Schließlich sind wir als Hilfswerk nicht nur theoretisch präsent, sondern auch tatsächlich für die Schüler da.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert