Wo Autos zur Sicherheit gegen Leitplanken prallen

Von: Berthold Strauch
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Versuchsobjekt: Der über Fern
Versuchsobjekt: Der über Fernbedienung gesteuerte Wagen wird zum Crashtest benutzt. Foto: Berthold Strauch

Aldenhoven. Wie von Geisterhand bewegt, kommt der Wagen mit eher gemächlichem Tempo angerollt. Kein Fahrer in Sicht, der eingreifen könnte. Und dennoch hält das Auto an, kurz bevor das Hindernis erreicht ist: ein mächtiger Wall aus Beton, errichtet mitten auf der „Filmautobahn”, die insbesondere von RTL für Dreharbeiten zur heißen Actionserie „Alarm für Cobra 11” genutzt wird.

Die Anlage auf dem ehemaligen EBV-Zechengelände „Emil Mayrisch” im Ortsteil Siersdorf, die 2005 vom Kreis Düren und der Gemeinde Aldenhoven aus der Taufe gehoben worden war, hat einen hochkarätigen neuen Nutzer.

Der TÜV Rheinland TNO Automotive International (TTAI), ein Joint Venture der Kölner Prüfer mit einem niederländischen Partner, eröffnete ein neues Testareal für Crashversuche an Leitplanken und anderen Fahrzeug-Sicherheits-Schutzeinrichtungen.

Per Fernbedienung hat ein TTAI-Mitarbeiter den grellorange lackierten, nicht mehr ganz taufrischen Wagen, angetrieben vom eigenen Verbrennungsmotor, ins Rollen gebracht und wieder rechtzeitig gestoppt.

Auf dem Beifahrersitz liegt ein Laptop, Gas- und Bremsbewegungen übernehmen speziell montierte Gestänge. Und welchen Weg das Geisterauto zurücklegt, das signalisieren ihm elektromagnetische Induktionsdrähte, die eigens für die neue Testanlage in den Asphalt gefräst worden sind. Und die führen praktisch schnurstracks, in variablen Winkeln, auf das Hindernis zu.

Im regulären Prüfverfahren wäre der Pkw mit der vorderen linken Front auf das Betonbauwerk geprallt, sorgfältig und aus sicherer Entfernung überwacht von den Experten, dazu laufen Kameras mit, die den Ablauf der Crashtests aufzeichnen für die spätere Auswertung. Zudem sind einige Abschnitte mit den bekannten Leitplanken aus Stahl ausgestattet worden. Auch hier sollen die Analysen ergeben, wie standfest das Material bei einem Aufprall ist - und damit, wie sicher sich im Falle des Unfalles die Insassen des vom Kurs abgekommenen Autos fühlen können.

Aber auch Lastwagen sollen heftig in die Leitplanken gesteuert werden, mit einem Gewicht von bis zu 38 Tonnen und einer Geschwindigkeit von maximal 70 Kilometern pro Stunde. Testautos sollen bis zu 100 km/h schnell sein, ehe sie unsanft gestoppt werden.

Der besondere Aufwand ist auch eine Folge von Auflagen der EU-Kommission, die seit dem vergangenen Jahr entsprechende Zertifizierungen verlangt, bevor die Sicherheitsanlagen auf den Straßen montiert werden. Neben Leitplanken gehören Straßenlaternen, Signalbrücken und Baustellenabsicherungen zu den Objekten, die den neuen Aufprall-Standards genügen müssen.

Laut TTAI-Geschäftsführer Achim Schmitz hat das Gemeinschaftsunternehmen rund 300 000 Euro in die Ergänzung der Filmautobahn investiert. „Auf unsrem neuen Versuchsgelände leisten wir einen entscheidenden Beitrag für die Verkehrssicherheit - in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa und der Welt”, betonte Prof. Jürgen Braukmann, Bereichsleiter Mobilität beim TÜV Rheinland.

Ekhart Maatz vom NRW-Verkehrsministerium verwies darauf, dass die Wirksamkeit von „Rückhaltesystemen, die allen Anforderungen gerecht werden” müssten, strengen Kriterien unterlägen, bevor sie zum Einsatz kommen könnten. Dabei haben die Prüfer natürlich auch speziell Motorradfahrer im Blick.
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