Aachen - Wirtschaft läuft auf Hochtouren, nur die Fachkräfte fehlen überall

Whatsapp Freisteller

Wirtschaft läuft auf Hochtouren, nur die Fachkräfte fehlen überall

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
16845971.jpg
Quelle: IHK Aachen, Foto: dpa

Aachen. Während führende Wirtschaftsforscher in den vergangenen Wochen von Dämpfern für das deutsche Konjunkturwunder sprachen, läuft es bei den Unternehmen in der Region rund. „Die sehr positive Konjunktur hat sich seit Jahresbeginn sogar noch einmal verbessert“, sagte Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen am Donnerstag, als er die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage vorstellte.

Mit 56 Prozent bezeichnet mehr als die Hälfte der rund 260 befragten Unternehmen mit insgesamt etwa 25.500 Mitarbeitern die gegenwärtige Geschäftslage als gut. Nur sechs Prozent und damit jeder 16. Betrieb nennt seine Geschäftslage schlecht. „Damit erreicht der Geschäftslageindex den zweithöchsten Wert seit der Wiedervereinigung“, erklärte Bayer.

Auch bei der Geschäftserwartung bleiben die Unternehmen in der Region überwiegend optimistisch: 61 Prozent rechnen damit, dass ihre geschäftliche Lage unverändert gut bleibt, 30 Prozent gehen sogar davon aus, dass sich ihre Lage noch positiver entwickeln wird. 38 Prozent und damit zwei von drei Unternehmen sehen für sich allerdings im Fachkräftemangel das größte konjunkturelle Risiko.

Weltpolitische Themen wie mögliche US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium oder drohende Sanktionen von Seiten der USA bei Geschäften mit dem Iran bereiten den Unternehmen im Kammerbezirk derzeit wenig Sorgen. „Unsere Region ist zwar sehr exportorientiert, aber mit 65 Prozent geht der überwiegende Teil der Exporte in die EU und damit in den Binnenmarkt“, erklärte Bayer. Exporte in die USA lägen bei 6,5 Prozent, in den Iran lediglich bei 0,3 Prozent. Gleichwohl gelte es, die politischen Entwicklungen im Auge zu behalten. „Wenn sich globale Handelsbeziehungen verändern, wirkt sich das natürlich immer wirtschaftlich aus. Das gilt dann auch für unsere Region.“

Die Befragten sehen vielmehr den immer stärker um sich greifenden Fachkräftemangel als drängendstes Problem. Der IHK-Hauptgeschäftsführer zeichnet dies an einem Beispiel nach: „Zum Jahresbeginn 2010 sahen die Unternehmen im Kammerbezirk in der Inlandsnachfrage mit 74,2 Prozent das größte konjunkturelle Risiko. Nur 17 Prozent nannten den Fachkräftemangel.“ Inzwischen habe sich dies umgekehrt: Mit 64 Prozent führe der Fachkräftemangel die Liste der Risiken an, während die Inlandsnachfrage nur noch bei 38 Prozent liegt. „Wichtig ist jetzt, sich nicht auf der guten Konjunktur auszuruhen, sondern die anstehenden Veränderungen durch Digitalisierung und Fachkräftemangel zu analysieren und sich strategisch daran auszurichten“, sagte Bayer.

Baugewerbe auf Rekordniveau

Geschäfte auf Rekordniveau meldet nach wie vor das Baugewerbe. Zwei Drittel aller Bauunternehmen (67 Prozent) sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, kein Betrieb ist unzufrieden. „Dies ist zum vierten Mal in Folge die beste Bewertung aller Wirtschaftssektoren im Kammerbezirk“, sagte Bayer. Viele Bauunternehmen müssten inzwischen Aufträge ablehnen – die Kapazitäten reichten schlicht nicht aus.

Zufrieden mit seiner Lage ist auch jeder zweite Industriebetrieb (57 Prozent) – sieben Prozent der Betriebe nennen die Lage schlecht. Bei einem Drittel der Befragten sind die Umsätze in den vergangenen sechs Monaten gestiegen, bei jedem Fünften sind sie gesunken.

Im Dienstleistungssektor hat sich die sehr gute Geschäftslage seit Jahresbeginn kaum verändert. Sechs von zehn Unternehmen berichten von einer positiven Entwicklung der Geschäfte, bei nur fünf Prozent war sie rückläufig. Der gute Wert erkläre sich unter anderem aus der positiven Umsatzentwicklung in den vergangenen Monaten, erklärte Bayer. Fast die Hälfte der Befragten meldet gestiegene Umsätze, bei jedem siebten Unternehmen sind sie gesunken.

Im Handel insgesamt hat sich die Situation seit Jahresbeginn verbessert: Vier von zehn Unternehmen (43 Prozent) berichten aktuell von guten Geschäften, nur drei Prozent sind unzufrieden. Fast die Hälfte der Großhändler bewertet ihre Lage als positiv, nicht zufrieden sind nur zwei Prozent. Im Einzelhandel hat sich die Stimmung deutlich verbessert. Vier von zehn Betrieben bezeichnen ihre Geschäfte als gut, nur neun Prozent sehen das genau gegenteilig.

 

Die Homepage wurde aktualisiert