Düren - Wieder Land in Sicht bei Isola in Düren

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Wieder Land in Sicht bei Isola in Düren

Von: Ulrich Kölsch
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Wirtschaft und Wissenschaft unter einem Dach: Mit Hilfe der Fachhochschule Aachen will die Isola GmbH neue Geschäftsfelder erschließen. Unser Bild zeigt die Isola-Manager Manfred Cygon und Karl Stollenwerk zusammen mit Prof. Johannes Gartzen (von links). Foto: Jörg Abels

Düren. Die Isola in Düren meldet sich zurück. Nachdem Personalabbau, Restrukturierung und Management-Wechsel die letzten Jahre bestimmten, hatte das 1912 gegründete Unternehmen, das Basismaterial für Leiterplatten herstellt, die Schotten dicht gemacht.

Über die Fabrikmauern drangen höchstens Hiobsbotschaften - zuletzt ging es um Kurzarbeit. Jetzt sieht das Management für die Isola GmbH wieder Land in Sicht und auch neue Chancen für den geschrumpften Dürener Standort.

Grund ist eine Neuorientierung des Unternehmens, das sich mit vorhandenem Wissen bei Leiterplatten, auch Laminate genannt, auf ertragreiche und zukunftsträchtigere Märkte wagen will.

Das ist die Konsequenz aus dem Umbruch des Elektronik-Marktes, in dem die Musik inzwischen fast nur noch in Asien spielt. In einem Gespräch mit unserer Zeitung wirft Geschäftsführer Karl Stollenwerk einen Blick zurück: Die Isola gehörte seit den 50er Jahren zu einem Tochterunternehmen der Ruhrkohle und erlebte in den 80er und 90er Jahren eine beispiellose Expansion.

Leiterplatten, ein Vorprodukt für die Elektronik-Industrie, waren in Computern, TV-Geräten, DVD-Playern und in Handys unerlässlich. Die Nachfrage wuchs, bei Isola verdoppelten sich oft binnen eines Jahres die Umsätze, und das Unternehmen kaufte internationale Standorte hinzu. Bald waren die Dürener mit ihrem Produkt Weltmarktführer.

Im Spitzenjahr 2000 beschäftigte Isola rund 1500 Mitarbeiter. Doch dann kamen die Einschläge, berichtete Stollenwerk. Ab 2001 fertigten immer mehr europäische Handy-Hersteller in Asien, und auch Großteile der übrigen Elektronik-Industrie zogen dorthin.

2004 verkaufte die Ruhrkohle Isola an den amerikanischen Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG). Düren verlor seine Holding-Funktion und wurde innerhalb der übrigen Leiterplattenwerke von TPG ein einfacher Produktionsstandort.

Das geschah vor dem Hintergrund eines riesigen Marktumbruchs: Der europäische Leiterplattenmarkt hatte 2005 ein Volumen von 4,1 Milliarden Euro. 2009 waren es noch 3,5 Milliarden Euro. Wichtiger noch: Während die Produktion in Europa 2005 noch 2,7 Milliarden ausmachte, sank sie bis 2009 auf 1,3 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum stiegen aber die Importe von 1,3 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro.

Auf diese Entwicklung reagierte TPG mit Werksschließungen in Europa, die meist dem Dürener Standort zugute kamen. Doch auch hier sank die Beschäftigtenzahl auf jetzt rund 360 Mitarbeiter.

Deren Produktivität hat sich allerdings enorm erhöht: Stellten 2004 rund 1000 Mitarbeiter sieben Millionen Quadratmeter Laminate her, so fertigten drei Jahre später 400 Mitarbeiter eine Menge von 6,2 Millionen Quadratmetern.

Doch auf Dauer konnte auch die Produktivitätssteigerung kein Garant für das Überleben des Standorts Düren sein, zumal die Margen bei Laminaten äußerst gering sind. Für Stollenwerk war klar: „Wir sind auf einem Markt unterwegs, der in Europa schrumpft.”

Als Ausweg definierte das Management einen neuen Geschäftsbereich, bei dem es um neue Anwendungen der Laminate außerhalb der Elektronik gehen sollte. Der Impuls ging dabei von einer Konferenz der Zukunftsinitiative Eifel im Jahr 2007 in Mechernich aus.

Das Isola-Management traf dort auf Vertreter der Fachhochschule Aachen, und aus den ersten Kontakten wurde schließlich ein Kooperationsvertrag zwischen dem Unternehmen und der Hochschule. Dazu gehört eine intensive Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik unter der Leitung von Prof. Johannes Gartzen.

Manfred Cygon, bei Isola für „neue Anwendungen” zuständig, charakterisiert die Kooperation: „Unser technisches Know-how gibt uns das Rüstzeug, in neuen Märkten Fuß zu fassen, in denen es auf Innovationen und außergewöhnliche Ideen ankommt”. Schließlich eignen sich die faserverstärkten Kunststoffe der Isola ebenso für Computer wie zur Stabilisierung von Windrädern. Cygon ergänzt: „Die Fachhochschule hilft uns dabei, völlig neue Werkstoffe zu schaffen, die etwa bei der Fahrzeugleichtbauweise oder in der Energietechnik Maßstäbe setzen.” Auch Gartzen ist zufrieden: „Die Kooperation läuft vorzüglich.”

Neue Anwendungsgebiete

Fünf Projekte wurden auf den Weg gebracht, mehrere Chemiker und ein Maschinenbauer der Fachhochschule gingen zur Isola, und Studenten absolvieren dort Praktika und finden Themen für Diplomarbeiten.

Neue Anwendungsgebiete ergeben sich für Isola auch bei Sicherheits-Laminaten, die schusssicheren Stahl ersetzen können. Im Geschäftsfeld „Smart Cards” setzt Isola auf den zunehmenden Bedarf an Kredit-, Bonus- oder Krankenkassenkarten. Grundlage hierfür sind spezielle Laminate.

Auch bei Elektroautos mischt Isola inzwischen mit. „Die Fahrzeuge brauchen extrem leistungsfähige Batterien. Hier haben wir mit unserem Platinen-Wissen eine Trumpfkarte in der Hand”, weiß Cygon.

Für die Zukunft gibt sich Stollenwerk optimistisch. Zwar macht der Bereich „neue Anwendungen” erst zehn Prozent vom Jahresumsatz von 85 Millionen aus. Mittelfristig soll es einmal ein Drittel sein. Die Suche nach neuen Anwendungen geht weiter, versichert Stollenwerk und zitiert dabei einen seiner Vor-Vorgänger, Rainer Tillessen. „Man muss viele Frösche küssen, bevor man auf einen Prinzen trifft.”
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