Wie Kraftwerke, Flugzeuge und Autos effizienter werden

Von: Axel Borrenkott
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Aachen. Dass die Energiewende Wirtschaft und Gesellschaft nicht im revolutionären Sturm erneuern wird, dämmert mittlerweile allenthalben. Das Bestehende effizienter machen, also fossile Energieträger noch lange zu nutzen, ist die Botschaft der Pragmatiker.

 Gemeinsam mit namhaften Partnern aus der Automobil-, Flugzeug- und Energiebranche und gefördert vom Land NRW, entwickeln zwei Aachener Fraunhofer-Institute jetzt neue Antriebskonzepte, um Emissionen und Treibstoffverbrauch zu senken. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) relativiert derweil die Bedeutung der Elektromobilität.

„Adaptive (anpassende) Produktion für Ressourceneffizienz in Energie und Mobilität“, kurz Adam, nennt sich das „Innovationscluster“ der Fraunhofer-Gesellschaft, das in Aachen vorgestellt wurde. Es geht darum, Turbomaschinen technisch so zu optimieren, dass sie mehr leisten, der Wirkungsgrad der Energieumwandlung also gesteigert wird, und dabei die CO2-Emissionen messbar gesenkt werden. Wesentlich ist auch, dass sich die Verbesserung der Ressourceneffizienz auf die gesamte Lebensdauer erstreckt, Umbau und Reparatur von Turbinen sind nämlich enorm teuer.

Die Aachener Fraunhofer-Institute für Produktion (IPT) und für Lasertechnik (ILT) entwickeln mit 21 Partnern wie zum Beispiel dem Flugzeugturbinen-Produzenten MTU oder MAN Diesel &Turbo eine Reihe von anwendungsfähigen, neu designten Turbinenschaufeln. „Wir zeigen an relevanten Teilen, dass man das Konzept über die gesamte Wertschöpfungskette realisieren kann“, so Fritz Klocke, Leiter des IPT. Finanziert wird das Cluster über drei Jahre mit insgesamt zehn Millionen Euro. Die Hälfte zahlen die Unternehmen, je 2,5 Millionen Euro steuern die Fraunhofer-Gesellschaft sowie das Land NRW bei.

Dass die Aachener Forschung „hervorragend“ dafür geeignet sei, bestätigte der Vizepräsident von MTU, Erich Steinhardt. So sei die Technologie für ihren um 15 Prozent Kraftstoff-, Emissions- und auch Lärm mindernden Getriebefan weitgehend aus Aachen gekommen. Dank dieser„wirklichen Erfolgsgeschichte“ könne man jetzt in München mit der Produktion der innovativen Turbine beginnen und damit Arbeitsplätze schaffen. Auf den Hinweis eines Journalisten, dass in Aachen hingegen eher Arbeitsplätze abgebaut werden, reagierte Klocke mit der Bemerkung: „Wir haben das große Campus-Projekt“, während Reinhart Poprawe, Leiter des ILT, einräumte, dass die Schaffung von Sekundärarbeitsplätzen infolge der heute eigentlich wertschöpfenden High-Tech-Automatisierungen ein Problem sei: „Das könnte uns davon laufen.“

Minister Remmel stellte schließlich ausdrücklich in Frage, dass „morgen schon dass Elektrozeitalter“ anbreche. Im Verkehr seien „die meisten Effekte in der Verbesserung des Bestehenden“ zu erwarten und damit könne man „mehr erzielen kann als mit einer neuen Infrastruktur“.

In zehn Jahren eine Million Elektromobile auf die Straße zu bringen, „halte ich für unrealistisch. Es ist eine falsche Vorstellung, dass man die jetzige Mobilität einfach elektrisch ersetzen kann. Das wird ein Übergangsprozess von 20 bis 30 Jahren. Die nächsten zehn bis 15 sollten wir nutzen, die Potenziale zur Verbesserung des Bestehenden auszuschöpfen.“ Man müsse bei dieser epochalen Herausforderung Energiewende „auch Sackgassen zulassen“. Womit er aber nicht gesagt haben wolle, dass E-Mobilität eine Sackgasse sein müsse.

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