Wechselhafte Stimmung in der NRW-Autobranche

Von: ddp-nrw
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Düsseldorf. Die Autobranche legt weltweit einen Gang zu - in Nordrhein-Westfalen, einem der wichtigsten Automobilstandorte in Deutschland, wird das Geschäft aber noch durch etliche Schlaglöcher gebremst.

Wagenbauer konzentrieren sich auf die ausländischen Märkte, während Autohändlern die fehlende Nachfrage hierzulande zu schaffen macht. Gewerkschafter sehen derweil die Zulieferer wirtschaftlich bedrängt durch einen wachsenden Druck zur Preissenkung.

Laut Experten brummt das Pkw-Geschäft, zumindest außerhalb Deutschlands, vor allem in den großen Automärkten Nordamerika und China. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise verlaufe der Aufwärtstrend sogar besser als erwartet, analysierte die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Davon profitiere auch die deutsche Autoindustrie dank ihres seit jeher starken Exportgeschäfts, ergänzte Christian Aust, Analyst der Unikredit-Bank. Die nordrhrein-westfälischen Fahrzeugbauer setzen nach Angaben der Landesregierung zwei Drittel ihrer Produktion außerhalb der deutschen Grenzen ab. „Der Exportmotor ist angesprungen, die Stimmung ist gut”, sagte Ferdinand Dudenhöfer von der Uni Duisburg-Essen.

Bei aller positiven Stimmung über die Zuwächse im Ausland stellte Dudenhöfer jedoch fest: „Der deutsche Automarkt ist gesättigt.” Der Handel stecke „mitten im Loch nach der Abwrackprämie”. Stellvertretend für die Konsequenzen stehe die jüngste Insolvenz der Röchling-Autohäuser in Duisburg. „Das wird noch ein schweres Thema in diesem Jahr”, prognostizierte der Branchenexperte. Branchenanalyst Aust von der Unikredit-Bank sieht den Handel ebenfalls in einer schwierigen Lage. Der Absatz gehe Monat für Monat zurück, im Mai um 32 Prozent. Eine „Belebung” nach Auslauf der Abwrackprämie verzeichne dagegen die Zulieferindustrie. Denn viele Autohersteller füllten derzeit ihre Lager wieder auf, nachdem die Bestände im vergangenen Jahr aufgebraucht worden seien.

Von einer „leichten Erholung” spricht auch der Manager des Autocluster.NRW, Lothar Schneider. Denn den Kaufrückgängen bei Klein- und Mittelklassewagen stehe eine leichte Zunahme bei den Premium-Modellen gegenüber. Dem Aufwärtstrend drohe aber ein herber Rückschlag, sollte das Bochumer Opelwerk schließen, befürchtete Schneider. Rund 27.000 der 200.000 Arbeitsplätze innerhalb der Fahrzeugbranchen seien dann gefährdet.

Nicht länger verkraften könne die Branche aber die derzeitigen Tiefpreise für Neuwagen, sagte Schneider weiter. „Ohne Kosteneinsparungen sind die auf Dauer nicht zu halten”, erläuterte er. Hier bestehe durchaus die - wenn auch nicht akute - Gefahr eines Arbeitsplatzabbaus. Er rechne aber auch damit, dass die Kaufpreise bald wieder anziehen werden.

Die Gewerkschaften zeigen sich bereits alarmiert. Die günstigen Neuwagenangebote erfreuten zwar Verbraucher, sagte Bernd Schildknecht, Bevollmächtigter der IG Metall. Die Zuliefererfirmen sähen sich aber dem Druck der Autobauer ausgesetzt, ihr Preise zu senken. Eine Umfrage unter Betriebsräten in NRW habe ergeben, dass jeder zweite Betrieb momentan kaum Erträge erwirtschafte. Die Folge: Es fehle an Geld für Investitionen, um die Branchentrends mitgehen zu können. „Die Frage, ob die Zulieferer in NRW bei Antriebstechnik, neuen Werkstoffen oder Batterietechnik vorne mit dabei sind, entscheidet sich nicht durch Naturgesetze”, sagte Schildknecht. Unikredit-Branchenanalyst Christian Aust sieht die wirtschaftliche Lage der Zulieferer hingegen weniger dramatisch. „Der Kostensenkungsdruck ist kein neues Phänomen”, erläuterte er.

Bisher hätten sich die Zuliefererfirmen stets schnell darauf einstellen können. Das grundlegende Problem der Branche blieben die seit Jahrzehnten vorhandenen Überkapazitäten.
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