Was „Focus“-Herausgeber Markwort über die Macht der Medien sagt

Von: red
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Distanz zwischen Journalisten und Politikern tut gut: „Focus“-Herausgeber Helmut Markwort (links) beim EWV-Unternehmerforum im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung. Foto: Andreas Steindl
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Stolberg. Über die tatsächliche oder angebliche Macht der Medien wird immer wieder spekuliert, geredet, sondiert. Da fallen Begriffe wie „Manipulation“, „Kampagnenjournalismus“ und – Unwort des Jahres – „Lügenpresse“. Kurzum: Sind die Medien glaubwürdig oder verzerren sie teilweise vorsätzlich die Realität? Welchen Einfluss haben Politik, Wirtschaft und andere Akteure auf die Medien? Welche Abhängigkeiten gibt es?

Die Energie- und Wasserversorgung GmbH veranstaltet seit über zehn Jahren jährlich ein Unternehmerforum, das jetzt, in der elften Auflage, dem Thema Medien intensiv nachging. Vor einer stattlichen Zahl von Unternehmern, Wissenschaftlern und Kommunalpolitikern befasste sich in der Stolberger EWV-Niederlassung mit dem ehemaligen Chefredakteur und jetzigen Herausgeber des Magazins „Focus“, Helmut Markwort, ein besonders prominenter Medienvertreter mit der aktuellen Medienlandschaft.

Auswahl beeinflußt Inhalte

An die erste Stelle setzt Markwort die Themenauswahl. „Mit ihr entscheiden die Redaktionen, wer überhaupt stattfindet; denn: ohne Veröffentlichung kein Thema, keine Verlautbarung und kein Einfluss auf irgendeine Agenda.“ Er verdeutlicht das am Beispiel der ARD-„Tagesschau“, die hier exemplarisch für andere Nachrichtensendungen stehe: „Die ,Tagesschau‘ hat im Durchschnitt etwa 16 Meldungen. Das reicht gerade für eine Zeitungsseite.“ Daran könne man erkennen, wie die Auswahl von Themen Inhalte beeinflusse. Das habe gewiss mit Macht der Medien zu tun.

Andere Thesen aus dem Vortrag von Helmut Markwort lauten dann unter anderem:

„Immer weniger Leute haben immer mehr Macht.“ Damit spricht er die Konzentration von Verlagen und die Einstellung von Zeitungen an, jüngstes Beispiel ist da die Insolvenz der Münchner „Abendzeitung“.

„Der zunehmende Druck, auch durch die Konkurrenz des Internets, hat Einfluss auf die Qualität von Teilen der Medien.“ Es werde dann nicht mehr gründlich recherchiert, das gelte vor allem für Online-Journalismus.

„Unternehmer finden in Talkshows und in den meisten Medien nicht statt.“ Helmut Markwort sieht Vorurteile von vielen Journalisten gegenüber Unternehmern. Die Mehrheit der Medienleute sei kaum oder gar nicht unternehmerfreundlich und, so seine These, eher in Richtung Grüne orientiert. Unternehmer scheuten Talkshows und ähnliche Formate, da sie sich nicht vorführen lassen wollten. Sie seien zu oft von vornherein die „Bösen“.

„50 Prozent der Bevölkerung interessieren sich nicht für Politik.“ Das sei gleichermaßen ein Pro-blem für Parteien wie Medien. Medien müssten wieder stärker die Verantwortung für politische Berichterstattung wahrnehmen. Es gebe zu viele banale Übertreibungen, etwa im „Fall Brüderle“.

In diesem Zusammenhang mahnt er Distanz von Journalisten gegenüber Politikern an. Die gehe zuweilen verloren. Als Beispiel nennt er Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich mit zahlreichen Journalisten geduzt habe. Das sei in dieser Kumpelhaftigkeit eine zu große Nähe gewesen.

Weitere Fragen zum Thema diskutierte Helmut Markwort dann im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung.

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