Von der RWTH in die Vorstandsetage bei der Bahn

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
15036537.jpg
Bahn statt RWTH: Prof. Sabina Jeschke soll Vorstand für Digitalisierung und Technik werden. Foto: P. Winandy

Aachen/Berlin. Die RWTH Aachen verliert mit großer Wahrscheinlichkeit eine profilierte Wissenschaftlerin und Lehrerin im Bereich Maschinenbau und Digitalisierung. Prof. Sabina Jeschke, Direktorin des Cybernetics Lab IMA/ZLW & IfU an der Fakultät für Maschinenwesen, ist heiße Favoritin auf einen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn.

Gesetzt den Fall, der Aufsichtsrat stimmt ihrer Ernennung zu (wovon eingeweihte Kreise ausgehen), wird sie sich bei der Bahn federführend um die Themen Digitalisierung und Technik kümmern. Genügend Expertise bringt die 48-jährige Wissenschaftlerin zweifellos mit: Jeschke beschäftigt sich mit Informationsmanagement, Robotik und Automatisierung, mit dem Internet der Dinge, Industrie 4.0, autonomen Verkehrssystemen und künstlicher Intelligenz. Themen also, die auch bei der Bahn ganz oben auf der Agenda stehen.

RWTH und Bahn hielten sich am Dienstag mit Kommentaren zurück. Die Grund ist einleuchtend: Die Sitzung des Kontrollgremiums, auf der die Personalie abschließend abgesegnet werden sollte, ist kurzfristig abgesagt worden; ein neuer Termin steht noch nicht fest. Hinter den Kulissen gibt es nämlich Streit um die Besetzung eines weiteren Vorstandspostens – den für Güterverkehr. Favorit war der bisherige Cargo-Chef Jürgen Wilder, doch es gibt Stimmen, die lieber einen weiteren Neuzugung hätten, am besten eine Frau.

Gehandelt wird hier die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta. Offensichtlich besteht hier noch intensiver Beratungsbedarf. Vielleicht gibt es aber heute schon mehr Klarheit, denn Bahnchef Richard Lutz legt heute in Berlin die Halbjahresbilanz des Konzerns vor. Dabei könnte auch die Besetzung von zwei Vorstandsposten eine Rolle spielen.

Mehrfach ausgezeichnet

Auch Sabina Jeschke selbst war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie hält sich in Schweden auf, wo sie auch geboren wurde. Im Rahmen eines Sabbaticals hat sie sich im Sommersemester 2017 der Weiterentwicklung ihrer Forschung im Bereich des künstlichen Bewusstseins gewidmet und beteiligte sich bei der Volvo Car Corporation in Göteborg am Aufbau eines Think Tanks „Starke künstliche Intelligenz“.

Jeschke ist seit Juni 2009 als Professorin an der RWTH Aachen, wo sie von 2011 bis September 2016 auch Prodekanin der Fakultät für Maschinenwesen war. Sie hat Physik, Informatik und Mathematik an der TU Berlin studiert und anschließend in der USA unter anderem bei der Nasa geforscht. 2005 wurde sie Juniorprofessorin für Neue Medien an der TU Berlin und trat 2007 eine Professur am Institut für IT Service Technologien der Universität Stuttgart in der Fachgruppe Elektrotechnik an. Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin ist auch Vorstandvorsitzende des Bezirksvereins Aachen im Verein Deutscher Ingenieure.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert