Volkwin Marg: Immer das große Ganze im Blick

Von: Hermann-Josef Delonge
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Mit Aachen eng verbunden: gmp-
Mit Aachen eng verbunden: gmp-Gründungspartner Volkwin Marg. Foto: Timmo Schreiber

Aachen. Der Kontakt zu der Stadt, in der er bis 2003 als Hochschullehrer fast eine ganze Generation von Architekten geprägt hat, ist nie abgebrochen.

Und das nicht nur, weil Volkwin Marg nach Beendigung seiner akademischen Karriere in Aachen eine Niederlassung des Architektenbüros gmp (Gerkan, Marg und Partner) gründete, das er 1965 mit seinem Studienkollegen Meinhard von Gerkan ins Leben gerufen hatte.

Marg ist sehr interessiert an der Entwicklung der Stadt, und er hat dazu eine dezidierte Meinung. Zu dem spektakulär gescheiterten Bauhaus-Projekt am Katschhof etwa: „Die Aachener können froh sein, dass es nicht realisiert wurde. Dieser architektonisch exhibitionistische Entwurf hätte überhaupt nicht gepasst in das Ensemble zwischen Dom und Rathaus.”

Oder zu der Tatsache, dass sein Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung und Werklehre, den er 1986 als Nachfolger von Prof. Gottfried Böhm übernommen hatte, nach seinem Ausscheiden schrittweise bis zum völligen Verschwinden abgebaut wurde: „Eine verlorene Chance.”

Volkwin Marg scheint die Arbeit mit seinen Studenten sehr genossen zu haben. Und das nicht nur, weil sie in die gmp-Dependance an der Rennbahn in der Innenstadt mündete. Die gibt es jetzt seit 25 Jahren, entstanden aus einem Atelier, in dem er anfangs mit Assistenten und „Hiwis” von der Hochschule Theorie und Praxis verband. Das Jubiläum wird mit einer Ausstellung gefeiert.

Die gmp-Büros gehören zur Architekturelite, in Deutschland und weltweit. Städtebau, Stadien, Flughäfen, Messen, Bahnhöfe: gmp setzt Akzente, und der 75-jährige Marg ist noch immer mittendrin. Man sagt ihm eine „Lust am Technischen” und an der Konstruktion nach. Das spiegelt sich in seiner Philosophie: Form und Ästhetik folgen der Funktion und den Gegebenheiten, sie ergeben sich aus den Notwendigkeiten der Konstruktion.

Eine vor allem sich selbst feiernde, eitle Architektur ist seine Sache nicht. Und er versteht seine Arbeit immer als Teil eines großen Ganzen, zu dem gesellschaftliche, kulturelle, städtebauliche und politische Zusammenhänge gehören.

Heute ist gmp sehr stark in Asien und in Osteuropa aktiv, und Marg verliert nie aus den Ausen, für wen er da baut. Sein Partner von Gerkan hat vor kurzem mit seiner Kritik an der Überregulierung in Deutschland und dem Lob der fast unbegrenzten Möglichkeiten für einen Architekten in China polarisiert. Marg versteht, was er damit meint, setzt die Akzente aber etwas anders.

Alle Kritik an den Verhältnissen in Mitteleuropa geschehe auf allerhöchstem Niveau, man lebe hier auf einer „Insel der Glückseligkeit”. Aber auch er registriert hier einen hohen Sättigungsgrad mit vielen Architekten, einem perfekten Baurecht und optimal geregelter Bürgerbeteiligung, was allerdings dazu führe, dass schnelles Agieren und Entscheiden mehr und mehr schwierig würden. Dies sei etwa in China anders. Dort herrsche Aufbruchstimmung; für einen Architekten seien dies ideale Voraussetzungen.

Marg ist ein politisch denkender Kopf, der nicht vergisst, dass diese Freiheiten mit Unfreiheiten für das Individuum und einem strikten Zentralismus verbunden sind. Das eigentliche Problem in Deutschland sieht er nicht in der Überregulierung, sondern in der Tatsache, dass ein Architekt nicht für Wagemut belohnt, sondern eher bestraft werde. Für einen Architekten, den einzelne Baukörper weniger interessieren als „das Ganze”, keine attraktive Konstellation.

Ausstellung im Foyer des Reiffmuseums an der TH

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des gmp-Architekturbüros in Aachen ist im Foyer des Reiffmuseums der RWTH-Fakultät für Architektur an der Schinkelstraße in Aachen eine Ausstellung zu sehen, die chronologisch einen Einblick in das Programm des Lehrstuhls für Stadtbereichsplanung und Werklehre vermittelt und beispielhaft anhand von Fotos, Plänen und großmaßstäblichen Modellen Projekte des Aachener gmp-Standorts erläutert. Die Schau ist dort bis zum 11. November zu sehen.

In der Aachener gmp-Niederlassung arbeiten derzeit 35 Mitarbeiter unter Leitung von Christian Hoffmann. Alle Architekten haben in Aachen studiert - auch Hoffmann selbst, ein Schüler von Margs Vorgänger Böhm.

Die Architektensozietät gmp ist derzeit mit über 500 Mitarbeitern, die sich auf zehn Bürs verteilen, im In- und Ausland aktiv.

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