Viele Rentner mit „Notgroschen” müssen nachzahlen

Von: Berthold Strauch
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Würselen/Aachen. Von wegen, „das sind nicht so viele”: Egbert Dahley ist überzeugt, dass sogar rund 50 Prozent aller Steuerpflichtigen, die eine Steuererklärung abgeben müssen, von der aktuellen Softwarepanne der Finanzverwaltung betroffen seien.

Damit relativiert der Vorsitzende des Steuerberater-Verbandes der Städteregion die aus seiner Sicht allzu optimistische Darstellung von Stephanie Hagelüken, Sprecherin des nordrhein-westfälischen Finanzministers Helmut Linssen (CDU).

Dahley, der seine Kanzlei in Würselen führt, spricht für rund 370 Kollegen von Monschau bis Baesweiler, von Aachen bis Eschweiler. Damit erreicht sein Bezirksverband einen Organisationsgrad von etwa 50 Prozent.

Die jüngste Schlappe der staatlichen Geldeintreiber ist für Dahley nichts Neues, wie er sagt. „So etwas passiert nicht zum ersten Mal”, bekräftigt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „das kommt immer wieder mal vor.”

Beispielhaft nennt der Steuerberater die ab 2009 geltende neue Erbschafts- und Schenkungssteuer-Regelung. „Da hatten wir die gleiche Problematik, dass die Programme der Finanzämter anfangs nicht liefen. Und von uns verlangt man, alle Unterlagen zügig und zeitnah abzugeben!”

Im Moment müsse sich die Finanzverwaltung mehr mit Anträgen von Steuerbürgern befassen, die selbst ihre Erklärungen ausfüllen und keinen Berater einschalten, meint Dahley. Die neu eingeführte Abgeltungssteuer für Zinseinkünfte, die für die akuten Bearbeitungsprobleme sorgt, werfe „eine Fülle von Fragen und Ungereimtheiten auf, die einen normalen Steuerbürger überfordern”, ist er überzeugt. „Wer weiß das schon, dass Zinseinkünfte auch der Kirchensteuer unterworfen sind?” Die meisten Kunden, die von ihren Banken nach ihrer Konfession gefragt wurden, hätten wohl kaum darauf reagiert.

Deswegen sieht Dahley insbesondere auf zahlreiche Rentner, „die öfters einen Notgroschen” hätten, entsprechende „Nachveranlagungen” zukommen. Konkret: Der Fiskus wird trotz deren „Freistellungsaufträgen” bei vielen von ihnen nochmals die Hand aufhalten. Das Fazit des Steuerberaters. „Da steigt doch keiner mehr durch!”

Übrigens: Die Beratungszunft hat keine Probleme mit der entsprechenden Software, etwa dem Genossenschaftsmodell „Datev”, womit die Steuererklärungen der Mandanten berechnet werden, während die IT-Spezialisten der Finanzämter noch immer an ihren Programmen „knabbern”. Für deren Probleme „habe ich wenig Verständnis”, sagt Dahley und ergänzt: „Politische Entscheidungen im Steuerrecht sind grundsätzlich schlecht - viel zu kompliziert und nicht nachvollziehbar.”
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