Viele Brücken in NRW „marode“

Von: Kö
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Nur ein Beispiel für einen generellen Missstand: die Rheinbrücke der A 1 vor dem Leverkusener Kreuz. Die Bauindustrie bemängelt, dass zahlreiche Brücken im Land marode sind. Foto: dpa

Aachen. Die Bauindustrie der Region ist über den Berg und nimmt teil an der gesamtwirtschaftlichen Belebung. Die wichtigsten Indikatoren der Branche zeigen inzwischen nach oben.

2013 konnte beim Auftragseingang ein Plus von 11,9 Prozent auf 824 Millionen Euro verzeichnet werden, der Umsatz stieg um 4,1 Prozent auf 892,4 Millionen Euro und auch die Beschäftigtenzahl legte noch, wenn auch minimal, um 0,2 Prozent auf 5009 zu. „Diese Zahlen lassen auf ein gutes Baujahr 2014 hoffen“, erklärten übereinstimmend Karl-Peter Arnolds, Vorsitzender des Verbandsbezirks Aachen der Bauindustrie NRW, und sein Stellvertreter Uwe Thamm am Mittwoch.

Probleme beim Landesbetrieb

Getragen wurde die positive Entwicklung im letzten Jahr vom Wirtschafts- und Straßenbau, die um 18 und 27 Prozent zulegen konnten. Dagegen verzeichnete der Wohnungsbau nur ein geringes Plus von 1,3 Prozent, basierend auf einem hohen Vorjahreswert. Als „Stiefkinder“ der Branche erwiesen sich der öffentliche Hochbau mit einem Rückgang um 24 Prozent und der staatliche Tiefbau mit einem Minus von vier Prozent.

Trotz dieser insgesamt positiven Zahlen zeigt sich die Branche mit der staatlichen Infrastrukturpolitik in Nordrhein-Westfalen unzufrieden. Die Verkehrsinfrastruktur sei „marode“. Das gelte vor allem für die Brückenbauten in NRW. „Viele Bauwerke sind aus den 60er und 70er Jahren und halten den heutigen Anforderungen nicht mehr stand“, kritisierte Arnolds. Der Zustand der Leverkusener Rheinbrücke sei kein Einzelfall. Von den über 12 000 kommunalen Brücken in NRW müssten 1800 Bauwerke ersetzt werden. Dabei gehe es bis 2030 um einen Betrag von 2,5 Milliarden Euro.

Verschärfend komme hinzu, dass es in den vergangenen Jahren „eine politisch gewollte Ausdünnung“ des Personals im Landesbetrieb Straßenbau gegeben habe. „Es kann doch nicht sein, dass NRW 2013 mehr als 41 Millionen Euro an Bundesfernstraßenmitteln zurückgegeben hat, nur weil der Landesbetrieb Straßenbau nicht mehr über genügend Planungskapazitäten verfügt“, ärgern sich die Aachener Branchenvertreter.

Impulsgeber für die Bauindustrie in der Region bleiben die Ausbauvorhaben der RWTH Aachen, insbesondere das Campus-Projekt. Von dort gingen auch wichtige Signale für den Wohnungsbau in der Region aus, registriert Arnolds. Die Firmen profitierten aber auch vom Trend vieler Hausbesitzer, ihren Wohnsitz vom Land wieder in die Stadt zu verlagern. Das „urbane Wohnen“ dürfte angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft weiter an Attraktivität gewinnen.

Immer weniger junge Menschen können sich mit einer beruflichen Karriere in der Bauindustrie anfreunden. Bei Jugendlichen ist das Image der Branche schlecht. So verringerte sich die Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse 2013 um 3,8 Prozent auf 6400. Mit einer Vielzahl von Aktivitäten versucht die Branche, diesem Trend gegenzusteuern und auf die Möglichkeiten in den Bauberufen hinzuweisen. Dazu zählt auch das Angebot, berufsbegleitend ohne (Fach-)Abitur zu studieren. Voraussetzung zu diesem achtsemestrigen Studiengang an einer Fachhochschule ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem Bauberuf und eine dreijährige Berufserfahrung. Am Ende steht der Bachelor of Engineering Baustellenmanagement. „Das ist deutschlandweit einmalig“, betonte Thamm.

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