Unternehmerinnenpreis: Drei Frauen, drei Konzepte, drei Erfolge

Von: Jan Mönch
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Preisträgerinnen aus verschie
Astrid Siemens bietet Tagespflege für Demenzkranke. Foto: Harald Krömer

Aachen. Selbstverständlich selbstständig? Das geht, und zwar auch als Frau. Davon ist man bei der Gründerregion Aachen überzeugt und um den Beweis anzutreten, wird am 19. September zum siebten Mal der Visionplus Unternehmerinnenpreis verliehen.

Er soll noch mehr Frauen dazu bewegen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, denn „das regionalwirtschaftliche Potenzial an Unternehmensgründungen durch Frauen ist qualitativ wie quantitativ riesig”, stellt Geschäftsführer Michael F. Bayer fest.

Und das Potenzial kann gehoben werden, ist Petra Grossmann sicher. „Frauen können sich unternehmerisch verwirklichen, ohne auf Familie zu verzichten”, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin der Averto GmbH und diesjährige Schirmherrin von Visionplus.

Der Preis wird seit 2000 alle zwei Jahre an je drei Unternehmerinnen verliehen - macht zusammen bislang 18 Auszeichnungen. Doch wie ergeht es den Preisträgerinnen nach der Ehrung? Drei erfolgreiche Teilnehmerinnen erzählen.

Dorothea Lennartz,Erstplatzierte 2002, hat sich in einer Männerdomäne durchgesetzt: Ihr Unternehmen Ditel e.K. ist auf das Reparieren von Pumpen spezialisiert. Die 60-Jährige bezeichnet sich selbst als Quereinsteigerin. Bevor sie ihr eigenes Unternehmen gründete, war sie Geschäftsführerin bei einem anderen Pumpentechniker.

Dieser musste Insolvenz anmelden, aber Dorothea Lennartz Interesse an der Branche war geweckt. 1999 gründete sie Ditel. Drei Jahre später folgte der Preis, den sie auch ihrem selbstsicheren Auftreten vor der Jury zuschreibt. „Da saß ein Maschinenbauer von der RWTH, und der hat mich natürlich mit Fragen gelöchert”, erinnert sich Dorothea Lennartz. Ganz offensichtlich hatte sie die richtigen Antworten parat.

Nach der Auszeichnung lief es allerdings nicht immer glatt. 2008 traf die Wirtschaftskrise das Unternehmen mit ihrer ganzen Wucht. Als der Umsatzrückgang die 50-Prozent-Marke erreicht hatte, war die gebürtige Mönchengladbacherin schon kurz davor, die Brocken hinzuschmeißen - doch sie hielt durch und rettete Ditel in bessere Zeiten. Was die Bilanzen betrifft, sind diese nun sogar noch besser als vor der Krise. Und vielleicht noch wichtiger: „Das Arbeiten macht jetzt auch wieder Spaß.”

Ihr Rat an Frauen, die mit dem Schritt in die Selbstständigkeit liebäugeln? „Eine gute Vorbereitung ist das Allerwichtigste.”

Anke Vander-Vreken, Zweitplatzierte 2004, ist sich sicher: Es war vor allen Dingen das Gesamtkonzept von „Farbe Licht Raum”, das die Visionplus-Jury beeindruckt hat. „Im Prinzip”, sagt die 48-Jährige, „machen wir Innenarchitektur.” Neben der Einrichtung, die auf Wunsch angefertigt wird, schließt das Lichtplanung, Grafikgestaltung und Farbkonzepte ein.

Das Gesamtpaket macht dann Friseursalons, Büroräume und Galerien, aber auch Wohnungen zu Orten, an denen man sich einfach gerne aufhält. „Wir sind keine Elektriker, arbeiten aber trotzdem mit Licht, wir sind keine Architekten, machen aber trotzdem Innenarchitektur”, erklärt die Maler- und-Lackierer-Meisterin und Designmeisterin. Die Jury hob den Daumen.

Die Teilnahme hat Anke Vander-Vreken zu keinem Zeitpunkt bereut, ganz im Gegenteil: „Unser Bekanntheitsgrad ist damals sehr gestiegen”, sagt sie. So ein Preis schafft eben Öffentlichkeit.

Und in den acht Jahren seit der erfolgreichen Wettbewerbsteilnahme hat sich eine Menge getan. Da wäre etwa der Umzug von Würselen in den neuen, geräumigeren Firmensitz in Eschweiler. Ach ja, und ein zweites Unternehmen gibt es mittlerweile auch noch: „Vander Vreken Malerwerkstätte” heißt es. Und warum der Aufwand? „?Farbe Licht Raum hatte einen Nachteil: Wer einfach nur seine Wohnung gestrichen haben wollte, hat gedacht, dass wir nicht die Richtigen sind”, sagt die doppelte Unternehmerin. Nun gibt es in dieser Hinsicht keine Missverständnisse mehr.

Ihr Rat: „Man muss seiner Idee treu bleiben und gleichzeitig offen für Neues sein.”

Astrid Siemens, Drittplatzierte 2008, war von ihrer Auszeichnung selbst ein wenig überrascht. Nicht, weil sie am Konzept ihrer Visitatis GmbH gezweifelt hätte. Sondern weil es sich bei dieser um einen Pflegedienst handelt. „Pflegen kann nicht jeder, Pflegen ist eine Profession”, sagt die 56-Jährige - ein Selbstverständnis, dass Siemens auch ihren Mitarbeitern vermitteln möchte. Denn anerkannt werde der hohe Anspruch ihrer Branche im Allgemeinen noch immer viel zu selten.

Heute hat Astrid Siemens 80 Angestellte, gemeinsam mit ihrer Chefin leisten sie in Aachen Tagespflege und ambulanten Dienst für Demenzkranke. Jeden Angestellten versucht Siemens, die Lehrerin für Alten- und Krankenpflege ist, so stark wie möglich zu beteiligen, denn „das schafft Identifikation mit der Firma”. Das bedeutet natürlich auch eine höhere Verantwortung, belohnt wird diese bei Visitatis mit Unternehmensbeteiligungen und möglichst familienfreundlichen Arbeitszeiten.

Was hat die Auszeichnung ihr gebracht? „Ein gutes Image und einen Zuwachs an Patienten. Und zwar an guten Patienten.” Und was bedeutet in diesem Zusammenhang gut? „Herausfordernd!”

Der Visionplus Unternehmerinnenpreis richtet sich an Unternehmerinnen aus Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg, die ein Unternehmen aufgebaut oder übernommen haben.

Die Unternehmensgründung oder -übernahme muss zwischen Januar 2001 und Dezember 2010 erfolgt sein. Branche und Betriebsgröße sind für eine Teilnahme unerheblich.

Auch Teams können sich bewerben. Bei Bewerbungen von Gesellschaften muss die Bewerberin mindestens 50 Prozent der Anteile halten.

Die Bewerbung muss bis zum 1. August eingereicht werden. Die sechs besten werden nominiert. Am 19. September präsentieren die Nominierten sich der Hauptjury.

Die Siegerehrung findet noch am selben Tag bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Theaterstraße 6-10 in Aachen statt. Beginn ist um 18 Uhr.

Die sechs nominierten Teilnehmerinnen erhalten einen Beratungsgutschein über 1500 Euro. Für die drei Erstplatzierten gibt es zusätzlich 3000, 1500 und 750 Euro Preisgeld.

Weitere Informationen erteilt die Gründerregion telefonisch unter der Rufnummer 0241/44 60-350 oder per E-Mail an info@gruenderregion.de

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