Unternehmen in der Region: Krisen? Welche Krisen? Es läuft!

Von: Thorsten Karbach
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IT-Branche
Und von den 21 Prozent der befragten Unternehmen, die in der Konjunkturumfrage äußerten, weiteres Personal einstellen zu wollen, käme ein Großteil aus dem Dienstleistungssektor, speziell der IT-Branche – der es freilich nicht leicht fällt, passendes Personal zu finden. Foto: Archiv/dpa

Aachen. 2015 war das Jahr der Griechenland-Pleite. Es war das Jahr des Ukraine-Russland-Konflikts und stand im Zeichen des VW-Abgas-Skandals. Es gab reihenweise Krisen, die der Wirtschaft in der Region auf den ersten Blick hätten schaden können.

Doch die Situation ist eine andere – wie die turnusgemäße Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen zeigt: 44 Prozent aller befragten 282 Unternehmen (mit insgesamt rund 28.000 Beschäftigten) bewerten ihre gegenwärtige Lage als „gut“ – so viele wie seit 2012 nicht mehr. „Dass die Geschäftslage erneut so gut ausfällt, hatten wir so nicht erwartet“, kommentiert dies Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. Wer mag angesichts eines solchen Ergebnisses von Krisen sprechen. Es läuft für eine Vielzahl der Unternehmen in der Region!

Die Situation: Bei allen Konjunkturumfragen des vergangenen Jahres werteten mehr als 40 Prozent der Unternehmen die Situation als „Gut“. Zum Abschluss waren es 44 Prozent, bei lediglich elf Prozent „schlechten“ Einschätzungen. Dafür gibt es gute Gründe: Weil Unternehmen nur in Einzelfällen in großem Stil mit Russland Geschäfte machen und die „krisensicheren“ Beneluxländer wichtigster Exportpartner sind, läuft der Außenhandel weiter sehr gut.

Geschmiert wird diese Entwicklung von den niedrigen Öl- und Gaspreisen, die in den letzten drei Jahren deutlich eingebrochen sind. Neben den Beneluxländern hat sich die USA als verlässlicher Außenhandelspartner mit anziehender Konjunktur und für die Region günstigem Wechselkurs etabliert. Zumindest vorerst.

Die Branchen: Sorgten im Laufe des vergangenen Jahres zunächst die Baubranche und dann der Handel für auffallend positive Nachrichten ist es zum Jahresabschluss der Dienstleistungssektor. 57 Prozent der Befragten bewertet die aktuelle Geschäftslage als „gut“, nur elf Prozent als „schlecht“, im Herbst waren es 44 Prozent „gute“ und elf Prozent „schlechte“ Rückmeldungen. Michael F. Bayer spricht von einem Rekordniveau der Branche, insbesondere die IT-Wirtschaft wachse spürbar.

Fast die Hälfte der Firmen gab an, in den vergangenen sechs Monaten wachsende Umsätze erzielt zu haben. Es gebe viele kleine, hochspezialisierte Unternehmen mit besten Entwicklungschancen. „Dienstleistungen haben eine starke Zukunftsperspektive“, erklärt Bayer. Schon jetzt würden rund 10.000 beschäftigte in dieser Branche gezählt.

Und von den 21 Prozent der befragten Unternehmen, die in der Konjunkturumfrage äußerten, weiteres Personal einstellen zu wollen, käme ein Großteil aus dem Dienstleistungssektor, speziell der IT-Branche – der es freilich nicht leicht fällt, passendes Personal zu finden. Positive Rückmeldungen gab es auch seitens der Industrie und aus dem weiter wachsenden Baugewerbe. Nur im Handel sei die Einschätzung etwas verhaltener, aber so Bayer, „nach wie vor positiv“ ausgefallen. 28 Prozent melden hier gute Geschäfte, im Herbst waren es hier noch 38 Prozent.

Die Aussichten: Aller Wachstum hat Grenzen. IHK-Hauptgeschäftsführer Bayer weiß das. Denn je höher das Niveau ist, umso schwieriger wird es, noch bessere Ergebnisse zu erzielen. 20 Prozent der befragten Unternehmen haben dennoch eine gute Geschäftserwartung, nur 16 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften. Im Herbst waren es 22 beziehungsweise 14 Prozent. An diesen Zahlen eine Tendenz abzulesen, wäre übertrieben.

Zumal die Einschätzung der Risiken für die weitere Entwicklung seitens der Unternehmen bemerkenswert ausfällt. Zwar nennen immer noch 45,5 Prozent der Befragten die Inlandsnachfrage und 44 Prozent die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als größten Risikofaktor. Doch liegen diese Werte ebenso wie die zu Arbeitskosten und Fachkräftemangel auf Allzeittiefstwerten. Und so bleibt: Optimismus! Insbesondere im Baugewerbe sei laut Bayer angesichts des Wohnungsbaus auf absehbare Zeit kein großer Einbruch zu erwarten. Und auch in Sachen Export herrscht noch mehr Zuversicht.

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