Umsatzeinbruch: RWE will Kosten senken

Von: Berthold Strauch
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Die Energiewende hat das Unternehmen RWE unter wirtschaftlichen Druck gesetzt. Foto: Archiv

Bergheim. Die Folgen der Energiewende haben den Stromriesen RWE unter „gewaltigen wirtschaftlichen Druck“ gesetzt. Die aktuellen Probleme listete Matthias Hartung, Vorstandsvorsitzender von RWE Power, am Montag vor der Presse auf Schloss Paffendorf bei Bergheim auf.

Nach diesen Angaben ist im ersten Halbjahr 2013 das Ergebnis des Unternehmens um 62 Prozent von 1,8 Milliarden auf 690 Millionen Euro gesunken. Der Gesamtumsatz reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Als Hauptgründe für die akuten Schwierigkeiten nannte Hartung die weiter sinkenden Großhandelspreise für Strom und der Wegfall der kostenlosen Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte. Als Folge dieser Entwicklung, die noch schärfer zu werden drohe, setzt RWE auf massive Sparanstrengungen im gesamten Konzern. „Wir stehen vor dramatischen Einschnitten“, fasste Hartung diese Entwicklung zusammen. Der Konzern will Kraftwerkskapazitäten von 4200 Megawatt langfristig oder saisonal vom Netz nehmen.

Dies sei das Ergebnis einer intensiven Wirtschaftlichkeitsprüfung. Konsequenzen hat diese Strategie zum Beispiel auch für das Braunkohlekraftwerk Weisweiler. Hier werden sogenannte Vorschalt-Gasturbinen „konserviert“ - und damit außer Betrieb genommen, da diese Anlagen, die zur Abdeckung von Spitzenbedarf beim Strom vorgehalten werden, in den vergangenen Monaten „so gut wie gar nicht zum Einsatz gekommen“ seien, da die erneuerbaren Energien zunehmend Strom ins Netz drückten. Damit stünden sie planmäßig für den Strommarkt nicht mehr zur Verfügung.

Die betroffenen zehn Mitarbeiter sollen anderweitig weiterbeschäftigt werden. RWE prüft zudem, diese relativ neuen Turbinen abzubauen und anderweitig einzusetzen. „Intensiv beobachtet“ würde zudem die Entwicklung in den Kraftwerken Frimmersdorf und Goldenbergwerk. Denn auch hier sei festzustellen, dass die Anlagen ihre „Vollkosten“, also die Ausgaben für Personal, Infrastruktur, Brennstoff und CO2-Zertifikate, „nicht verdienen“. Hartung: „Für uns hat diese Entwicklung die Konsequenz: Wir müssen runter mit den Kosten, sehr deutlich, sehr konsequent, um so viele Anlagen wie möglich im Rennen zu halten.“

Alle Unternehmensbereiche würden mit Hochdruck an solchen Verbesserungsprogrammen arbeiten - „kein Standort bleibt außen vor“. Man wolle so Beiträge in dreistelliger Millionenhöhe in allen Bereichen erwirtschaften, wobei allein der Anteil der Braunkohle mit 150 Millionen Euro beziffert wurde.

Notwendige personelle Einsparungen sollten „sozialverträglich“ und in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern erfolgen. Hartung: „Wir müssen handeln, und zwar jetzt.“ Dabei erinnerte er daran, dass noch bis Ende 2014 eine mit den Tarifpartnern vereinbarte „Beschäftigungssicherung“ gültig sei. Mit Nachdruck unterstrich Hartung, dass der heimische Energieträge Braunkohle „auch in Zukunft unverzichtbar für die deutsche Stromerzeugung“ sei.

Er stellte Überlegungen in Abrede, wonach angesichts sinkenden Absatzes etwa der Tagebau Inden vorzeitig aufgegeben werden solle. Hartung setzt zudem auf ein neues „Strommarktdesign“ nach der Bundestagswahl. Dabei sollte es „einen Preis für die Bereitstellung gesicherter Leistung“ geben - also Geld für Kraftwerksreserven, die für die Zeit des Ausfalls von Strom aus Wind- und Sonnenenergie bereitgehalten werden - wobei die Erneuerbaren „Systemverantwortung“ übernehmen und den Windstrom selbst vermarkten sollten, wie er forderte.

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