Aachen - Über 300 Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt: Der Nachwuchs fehlt!

Über 300 Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt: Der Nachwuchs fehlt!

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Nachwuchsarbeit: Der Aachener HWK-Hauptgeschäftsführer Peter Deckers packt an. Foto: Handwerkskammer Aachen/Elmar Brandt

Aachen. Nachwuchs gesucht! Das Handwerk hat es zunehmend schwer, Auszubildende zu gewinnen. Der Fachkräftemangel zeichnet sich immer deutlicher ab, da ist der Tag des Handwerks am Samstag eine gute Gelegenheit, für die Betriebe und Gewerke zu werben.

Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, erklärt unserem Redakteur Thorsten Karbach, wo das Handwerk gerade steht.

Am Freitag ist wieder Tag des Handwerks. Wie wir wissen, gehört Klappern zum Handwerk. Und am Freitag wird besonders laut geklappert.. Warum ist dies immer wieder aufs Neue notwendig?

Deckers: Zum einen geht es darum, immer wieder neue Menschen zu erreichen, die noch nicht so viel über das Handwerk wissen oder bisher kaum Berührung mit den spannenden Berufen in unserem Wirtschaftszweig hatten. Zum anderen wollen wir zeigen, wie viel Abwechslung im Handwerk steckt, wie sich die Tätigkeiten verändern und dass moderne Techniken eingesetzt werden. Die Menschen müssen Handwerk erleben, also riechen, schmecken, sehen – dann lassen sie sich auch davon begeistern. Mit rein theoretischen Informationen geht das nicht.

Was sind aktuell die zentralen Sorgen und Nöte des Handwerks?

Deckers: Das größte Problem ist der fehlende Nachwuchs und der zunehmende Fachkräftemangel. Ich weiß, dass der letztgenannte Begriff derzeit häufig verwendet und seine Berechtigung in Zweifel gezogen wird. Allerdings ist es im Kammerbezirk Aachen tatsächlich so, dass wir zum gerade begonnenen Ausbildungsjahr über 300 Lehrstellen im Handwerk nicht besetzen konnten. Für unsere Betriebe ist das sehr schwierig. Viele von ihnen suchen nach Lehrlingen, Gesellen und Meistern. Auf Dauer führt der personelle Engpass dazu, dass Aufträge nicht mehr angenommen werden können und die Wirtschaftsleistung sinkt. Deshalb trommeln wir fürs Handwerk.

Welche Folgen hat der Mindestlohn für das Handwerk – die ersten Erfahrungswerte sollten vorliegen?

Deckers: Die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns ist für den Großteil des Handwerks kein Problem. In vielen Berufen sind die Beschäftigten schon in der Vergangenheit entsprechend bezahlt worden. Bedenken hatten höchstens die Gewerke für den persönlichen Bedarf wie zum Beispiel die Friseure. Aber auch hier stellt der Mindestlohn kein so großes Problem dar. Viele Kunden sind sogar durchaus bereit, etwas mehr für Leistungen und Produkte zu bezahlen, damit die Handwerker angemessen entlohnt werden. Und letzten Endes setzen sich Qualität und Kundenzufriedenheit durch. Das Billigste ist nicht immer erste Wahl. Das ist gut so.

Der Mindestlohn hat also nicht die von einigen befürchteten negativen Auswirkungen auf die Belegschaft?

Deckers: Im Handwerk im Kammerbezirk gehen aktuell nur elf Prozent der Betriebe davon aus, dass sie Personal abbauen müssen – 89 Prozent prognostizieren Vergrößerungen ihrer Belegschaften. Dieses Ergebnis zeigt, dass der Mindestlohn sich im Handwerk nicht negativ auswirkt, allerdings sind wir auch sehr erleichtert, dass wir es geschafft haben, die Dokumentationspflichten für Unternehmen abzubauen. Denn dieser Aufwand kostet einfach Zeit und Geld. Das muss im Rahmen bleiben.

Welche politische Forderung würden Sie für das Handwerk darüber hinaus aktuell formulieren?

Deckers: Ganz aktuell beschäftigt natürlich auch uns das Thema Flüchtlinge. Die Politik muss hier zügig verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, damit junge Menschen, die hochmotiviert zu uns kommen, schnell in eine berufliche Ausbildung gelangen. Darüber hinaus muss deutlich mehr für die tatsächliche Gleichstellung von beruflicher und akademischer Ausbildung getan werden, damit die duale Ausbildung wieder attraktiver wird und die Zahl der Lehrlinge in gewerblich-technischen Berufen steigt.

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