Trianel-Verbund startet virtuelles Brennstoffzellen-Kraftwerk

Von: Christian Rein
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Ideen für eine dezentrale Ene
Ideen für eine dezentrale Energieversorgung: Trianel-Projektleiter Michel Nicolai. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es kommt nicht besonders oft vor, dass Bundesumweltminister Peter Altmaier und NRW-Umweltminister Johannes Remmel zusammen einen Termin wahrnehmen. Das mag auch daran liegen, dass Altmaier als CDU-Mann und Remmel als Grüner oftmals eher Konkurrenten als Partner in der gemeinsamen Sache sind - etwa beim Thema Energiewende.

Umso bemerkenswerter ist es, dass es dem Stadtwerke-Netzwerk Trianel nun gelungen ist, beide für einen gemeinsamen Auftritt in Aachen zu gewinnen. Am kommenden Dienstag werden die Minister zum Start eines virtuellen Brennstoffzellen-Kraftwerks im Eurogress sein.

Virtuelles Brennstoffzellen-Kraftwerk, das klingt zunächst sperrig. Dahinter verbirgt sich - die Vortragsthemen der Herren Minister deuten es an - jedoch nicht weniger als ein großer Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Remmel wird zum Thema „NRW - Land für Zukunftsenergien” sprechen, Altmaiers Rede hat den Titel „Innovationsprojekt Energiewende - Chance für die Stadtwerke”. Worum es tatsächlich geht, das erklärt Trianel-Projektleiter Michel Nicolai vorab im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Die Energieversorgung der Zukunft”, sagt Nicolai, „wird eine deutlich dezentralere Struktur haben als heute.” Heutzutage produzieren relativ wenige große Atom- oder Kohlekraftwerke den Strom, der dann über lange Leitungstrassen zum Verbraucher gebracht wird. Vor allen Dingen mit der Solar-, aber auch mit der Windenergie wird das zunehmend anders. Zwar gibt es auch große Solar- oder (Offshore-)Windparks, aber immer häufiger setzen sich Menschen eine Photovoltaikanlage auf ihr Dach oder werden Landwirte mit einzelnen Windkraftanlagen zu Energiewirten. Der Energieverbraucher wird also immer mehr selbst zum Produzenten.

Vor diesem Hintergrund rückt Trianel nun eine zwar altbekannte Technik in den Mittelpunkt, die aber bislang immer noch ein Randdasein in der Energieversorgung fristet: das Blockheizkraftwerk. Das Prinzip ist einfach, aber effektiv: Die Abwärme aus der Stromerzeugung wird zum Heizen genutzt. Blockheizkraftwerke haben deshalb einen besonders hohen Wirkungsgrad.

Trianel hat nun Geschäftsmodelle für den Einsatz von Blockheizkraftwerken im Kleinen entwickelt, für Mini- und Mikro-Blockheizkraftwerke. Das sind letztlich stromerzeugende Heizungen, die sich Privatkunden, aber auch kleine und mittelständische Betriebe in ihre Häuser stellen können. Vermarktet werden sie unter dem Namen Energieblock.

Als virtuelles Kraftwerk funktionieren solche kleinen Einheiten dann, wenn sie zusammengeschaltet und zentral über Computer gesteuert werden. Auch diese Idee ist nicht völlig neu. Der Energieverbraucher ist zwar auch hier selbst Produzent, aber er wird zum Teil eines größeren Ganzen. „Man muss es sich so vorstellen: Im Keller meines Hauses steht zwar ein Blockheizkraftwerk, aber es gehört nicht mir, sondern meinem Versorger, und ich habe mit dem Betrieb oder der Wartung nichts mehr zu tun”, erklärt Nicolai. „Das Blockheizkraftwerk erzeugt Wärme und Strom. Überschüssiger Strom wird als Teil des virtuellen Kraftwerks in die Netze eingespeist.” Der Clou an der Sache ist, dass dieses Modell - Nicolai spricht von „Contracting” - für den Verbraucher und den Energieversorger gleichermaßen finanziell lukrativ ist.

Das ist schon etwas ausgesprochen Besonderes, wenngleich Nicolai einräumt, dass Trianel nicht das einzige Unternehmen mit einem solchen Modell ist. Völlig neu ist allerdings die Einführung der Brennstoffzelle. Trianel hat mit der Ceramic Fuel Cells GmbH (CFCL) einen Partner gefunden, der nach Angaben von Nicolai das erste Unternehmen weltweit ist, das eine serienreife Brennstoffzelle als Mikro-Blockheizkraftwerk anbietet.

Und einen regionalen Bezug gibt es obendrein, denn CFCL, ein deutsch-australisches Unternehmen, produziert in Heinsberg-Oberbruch. Die Brennstoffzelle hat zwei entscheidende Vorteile: Sie gewinnt zum einen ihre Energie aus einer chemischen Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff und hat deshalb - zumindest theoretisch - keinen Ausstoß von umweltschädlichen Klimagasen.

Da der Wasserstoff in diesem speziellen Fall allerdings in einer Vorstufe aus Erdgas gewonnen wird, entstehen auch hier Emissionen - jedoch in nur sehr geringem Ausmaß. Zum anderen erhöht die Brennstoffzelle den in der Regel ohnehin hohen elektrischen Wirkungsgrad eines Blockheizkraftwerks auf über 60 Prozent. „Damit liegt man gleichauf mit den modernsten und effizientesten Großkraftwerken”, sagt Nicolai.

Dezentral, effizient, schadstoffarm, finanziell lukrativ: Wenn man so will, ist das virtuelle Brennstoffzellen-Kraftwerk also eine Art eierlegende Wollmilchsau der Energieversorgung, die Antwort auf alle Herausforderungen des Ausstiegs aus der Kernenergie. Das ist mit Sicherheit eine unzulässige Vereinfachung und hoffnungslos übertrieben. Aber immerhin bringt das Projekt zwei Minister nach Aachen, die nicht besonders häufig gemeinsam Termine wahrnehmen. Und das will was heißen.

Das Unternehmen Trianel bezeichnet sich selbst auch als Stadtwerke-Netzwerk. Inzwischen über 100 Stadtwerke und kommunale Versorger aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz gehören zu den Gesellschaftern und Partnern. In unterschiedlicher Konstellation schließen sie sich für einzelne Projekte zusammen und beauftragen Trianel damit, diese zu entwickeln und umzusetzen.

Das Konzept für das Blockheizkraftwerk-Projekt Energieblock und das virtuelle Brennstoffzellen-Kraftwerk hat Trianel seit Dezember 2011 zusammen mit 45 Stadtwerken entwickelt. Kunden können sich ab sofort über die Angebote informieren.

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