Aachen/Düsseldorf - Trianel fürchtet um die Versorgungssicherheit der Zukunft

Trianel fürchtet um die Versorgungssicherheit der Zukunft

Von: Anja Clemens-Smicek
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Das effizienteste und sauberste Steinkohlekraftwerk Europas: Dennoch mach das Trianel-Kraftwerk in Lünen Verluste.

Aachen/Düsseldorf. „Die Unsicherheit ist groß. Es gibt kein klares Bild, wie wir künftig die Versorgungssicherheit herstellen wollen.“ Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung des Aachener Stadtwerkeverbundes Trianel, sieht die Politik in der Pflicht, tätig zu werden.

Die Rahmendbedingungen des Marktes würden derzeit keine Investitionen in die Zukunft begründen, sagte Becker am Montag bei der Vorlage des Jahresergebnisses 2013 in Düsseldorf. Mit konventionell erzeugtem Strom, so sein Resümee, ist nur noch schwer Geld zu verdienen.

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Rursee? Nach Beckers Worten „abgeblasen wegen des fehlenden politischen Rückhalts“. Der Bau eines Gas- und Dampfkraftwerks in Krefeld-Uerdingen? Verschoben, bis die Politik ein „klares Signal“ sende. „Das Projekt in Krefeld packen wir erst wieder an, wenn sich die Märkte beruhigt haben“, betonte der Trianel-Sprecher. Doch die Zeit dränge: Spätestens 2016/2017 müssten Investitionen eingeleitet werden, wenn man 2022 mit neuen Werken ans Netz gehen wolle. Sven Becker sprach von einem „dramatischen Verfall der Stromhandelspreise“, der die Trianel und ihre Gesellschafter – unter anderem die Stadtwerke Aachen mit einem Anteil von mehr als zwölf Prozent – hart trifft. Dadurch wurde dem Stadtwerkeverbund die Bilanz 2013 verhagelt und Trianel zu hohen Rückstellungen gezwungen.

Pessimistische Marktaussichten

„Mit einem Jahresüberschuss von 2,1 Millionen Euro und einem Ergebnis vor Steuern in Höhe von 5,1 Millionen Euro haben wir ein stabiles Ergebnis auf Vorjahresniveau erreicht“, sprach der kaufmännische Geschäftsführer Jörg Vogt zwar von einem zufriedenstellenden Jahr. Ohne Rückstellungen hätte jedoch ein Ergebnis von 19 Millionen Euro vor Steuern erzielt werden können. Doch wegen der pessimistischen Marktaussichten sei eine Risikovorsorge für die Trianel-Anteile an den beiden konventionellen Kraftwerken in Lünen (Kohle) und Hamm (Gas) sowie an einem Gasspeicher in Gronau-Epe nötig geworden.

Der Vorsteuergewinn des Energiedienstleisters lag am Ende des vergangenen Jahres bei 5,1 Millionen Euro (Vorjahr: 5,2). Der Umsatz betrug wie 2012 rund zwei Milliarden Euro. In diesem Jahr erwartet das Unternehmen einen Vorsteuergewinn von sechs Millionen Euro.

„Seit 2011 werden Tag für Tag erhebliche Verluste produziert. Das ist aber weder ein Trianel- noch ein Stadtwerkeproblem“, sagte Becker. Als Beispiel nannte er das Steinkohlekraftwerk in Lünen, das im Dezember in den Dauerbetrieb gegangen ist und als eines der effizientesten und saubersten in Europa gilt. „Ungeachtet dieser hervorragenden Marktpositionierung sind moderne konventionelle Kraftwerke auf Kohle- und Gasbasis allerdings aktuell nicht in der Lage, vollkostendeckend zu arbeiten.“

Wichtige Meilensteine erreichte der Aachener Energiedienstleister im vergangenen Jahr mit der Fertigstellung des ersten Trianel On-shore Windparks in Sachsen-Anhalt sowie mit der Errichtung der ersten Windkraftanlagen vor Borkum. Der Park soll nach Angaben Vogts im Spätsommer an den Start gehen.

Die Trianel-Verantwortlichen kritisierten die „Stagnation der Energiepolitik in den vergangenen zwei Jahren“. Die schwarz-rote Bundesregierung habe zwar mit der zügigen Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) Handlungswillen gezeigt, letztlich sei aber nur ein „Reförmchen“ dabei herausgekommen, betonte Sprecher Becker. Trianel habe ihre Unternehmensstruktur den veränderten Bedingungen angepasst. Dabei seien Investitionen in erneuerbare Energien nur die eine Seite der Energiewende.

„Die zentrale Herausforderung wird in der Synchronisation zwischen der immer volatileren Einspeisung und dem Verbrauch bestehen“, sagte Becker. Photovoltaik und Windkraft gelten als volatile Energieträger, weil diese Energieformen schwer planbar auftreten. Sehr positiv wurde nach Angaben des Sprechers 2013 das Trianel-Netzwerk „Neue Technologien“ von den Stadtwerken angenommen. Dazu zählt unter anderem das Photovoltaik-Produkt „EnergieDach“.

Zur Trianel-Familie gehören 56 Stadtwerke in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Sie versorgen nach eigenen Angaben insgesamt rund sechs Millionen Menschen.

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