Trauer um ehemaligen Kollegen: Ulrich Kölsch plötzlich gestorben

Von: Thomas Thelen
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Trauer um Uli Kölsch. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Die Nachricht kam am Montag völlig unerwartet: Im Alter von 66 Jahren ist unser ehemaliger Kollege Ulrich Kölsch gestorben. Noch am Samstag hatte er auf dem Verlagsgelände Dutzende Kisten voller Bücher von unseren Lesern entgegengenommen, um sie für die nächste Bücherbörse zu sortieren.

Er tat das aus Leidenschaft, ehrenamtlich seit vielen Jahren. Wenn man ihn sah, schenkte er einem sein gewinnendes, fast verschmitztes Lächeln. Ein Mann der großen Worte war er nie. Nun ist er tot. Wir sind sehr traurig.

36 Jahre gehörte der am 8. Juni 1949 in Siegen geborene Ulrich Kölsch dem Zeitungsverlag an. Nach seinem Abitur am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bad Godesberg studierte er von 1968 bis 1973 zunächst an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn und später an der Technischen Hochschule Aachen Deutsch und Geschichte. Seine Examensarbeit legte er zum Thema „Marxistische Literaturtheorie und Gottfried von Strassburg“ vor. Am 1. Februar 1974 folgte mit dem Volontariat bei der damaligen Aachener Volkszeitung der Einstieg in den Journalismus. Seinen Vertrag als Redakteur der Zentralredaktion in Aachen unterschrieb Uli Kölsch am 11. Juni 1976.

Von da an war er Mitglied der Wirtschaftsredaktion – rasch eine feste Größe und nicht mehr wegzudenken. Uli Kölsch war ein scharfer Beobachter, der nicht zu Schnellschüssen neigte, sondern die Dinge gerne abwägte. Wenn er am Ende eines langen Arbeitstages aus dem Büro kam, um seinen Leitartikel abzuliefern, dann sah man ihm an, dass er sich aufgerieben hatte. Er nahm die Dinge nicht leicht. In seinen Texten war er schnörkellos und klar. Seine Kommentierungen waren auf den Punkt. Er war ein exzellenter Kenner seines Faches. Ein kompetenter Journalist und vertrauensvoller Gesprächspartner für viele Repräsentanten aus Industrie und Wirtschaft, von Gewerkschaften und Arbeitgebern in unserer Region.

Als er am 31. Dezember 2010 in den Ruhestand ging, tat er das so, wie es seine Art war. Er ging leise, mochte nicht viel Aufhebens machen. Dass da einer ging, der überaus geschätzt und respektiert war bei den Kollegen, das konnte man spüren. Mit ihm ging auch ein Vertreter einer Zeit, den es so in diesem Beruf kaum noch gibt. Ein Mann, der das Papier liebte und sich mit dem digitalen Schnickschnack eher schwertat. Das papierlose Büro war für diesen aufrechten Mann eine Horrorvision, der er sich mit aller Konsequenz verweigerte. Wenn einer die Drucker am Laufen hielt, dann er!

Aber gerade das machte ihn so sympathisch: sein stures Festhalten am Alten. Dabei war er von seiner Einstellung und seiner Lebenshaltung ein sehr offener und moderner Mensch, dem sich auch die jungen Kolleginnen und Kollegen verbunden fühlten. Uli Kölsch konnte auch ein Charmeur sein. Und manchmal kam der kleine Junge in ihm durch.

Ganz weg von diesem Verlag war Uli Kölsch nie. Nach seinem Ausscheiden aus dem Redaktionsdienst sah man ihn noch häufig auf dem Verlagsgelände – meistens dort, wo er gemeinsam mit unserem Sportredakteur Wilhelm Peters die Bücher für die nächste Bücherbörse sichtete und sortierte. Über viele Jahre war er unermüdlich im Einsatz für diese Börse, deren Erlös der Aktion „Menschen helfen Menschen“ zugute kommt. Noch vor wenigen Tagen hat er Bücher gesichtet; da ging es ihm schon nicht so gut. Nun ist er tot. Plötzlich aus dem Leben gerissen. Es fällt schwer, das zu akzeptieren.

Uli Kölsch war das, was man eine gute Seele nennt, einer, der den anderen nichts Böses will. Ein guter Mensch. Hoch geachtet im Kollegenkreis – nicht zuletzt auch wegen seiner fachlichen Kompetenz. Kölsch hatte eine feste Meinung zu den Dingen, war aber weit entfernt davon, anderen seine Meinung aufzudrücken. Ein leiser Mensch, einer, der den Glanz lieber anderen überließ.

Uli Kölsch war ein Fliegenträger aus Überzeugung. Und ebenso gerne trug er Plastiktüten mit sich herum – meistens zum Bersten gefüllt mit Büchern und Zeitungen. Was auch sonst? Nicht weniger überzeugend war er darin, in dem Chaos aus Papier, das überall auf seinem Schreibtisch herumlag, am Ende doch noch die richtige Unterlage zu finden. Er war ein bisschen zerstreut, doch stets wachsam. Wir werden ihn vermissen – ihn und seine liebenswerte Art.

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