Tiefe Kluft in Bankenbranche: Die Krise ist nicht vorbei

Von: Marion Trimborn und Roland Freund, dpa
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Wenn die Bank pleite geht, erhält der Kunde jetzt eine höhere Entschädigung. Foto: ddp

Frankfurt/New York. Während sich für die Weltkonjunktur erst allmählich ein Leben nach der Krise abzeichnet, scheffeln einige internationale Finanzkonzerne bereits wieder Milliarden. So auch die Deutsche Bank.

Doch der Blick in die Quartalsbilanzen der Institute hierzulande wird in den kommenden Wochen zeigen: Beileibe nicht alle Banken stehen so gut da. Durch die Branche geht ein tiefer Riss. Für viele Häuser ist die Krise noch längst nicht ausgestanden.

Allen voran fuhren gerade die US-Giganten Goldman Sachs und JP Morgan Chase unerwartet fette Gewinne ein. An der Wall Street freuen sich viele Banker trotz der von Präsident Barack Obama angedrohten Einschnitte schon wieder auf Boni wie vor der Krise. Die Deutsche Bank überraschte noch vor dem offiziellen Bilanztermin an diesem Donnerstag (29. Oktober) ebenfalls mit glänzenden vorläufigen Zahlen: Im dritten Quartal gab es ein sattes Plus von 1,4 Milliarden Euro.

Weltweit hat die Bankenbranche inzwischen die Hälfte ihres Marktwertes zurückgewonnen, den sie seit Ausbruch der Finanzkrise eingebüßt hatte. Dabei stand sie erst vor gut einem Jahr nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kollektiv am Abgrund.

Doch viele mittelgroße Institute und besonders die Landesbanken gelten immer noch als „Zombie-Banken”: Untote, die nur Staatsgeld am Leben hält. Beim Abbau ihrer Schrottpapiere sind die Häuser kaum vorangekommen. Nach einer Studie der US-Bank Merrill Lynch schlummern noch toxische Papiere im Wert von 650 Milliarden Euro in den Bilanzen heimischer Banken - das entspricht einem Viertel des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Nun drohen zudem die Folgen der Rezession: Wenn die Firmenpleiten wie erwartet zunehmen und die Arbeitslosigkeit steigt, werden viele Schuldner ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Das reißt neue Löcher in die Bankbilanzen. „Es ist keineswegs gesagt, dass es bei den Großbanken bis Jahresende so erfolgreich weitergeht”, warnt Bankenexperte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management.

Wer besonders im Mittelstand, bei Privatkunden und Immobilien engagiert ist, der leidet. Bestes Beispiel ist die teilverstaatlichte Commerzbank, die im ersten Halbjahr immer noch Verluste schrieb. Die Bank hat so viele Kredite an deutsche Unternehmen vergeben wie kein anderes Institut. Der Staat half ihr mit 18,2 Milliarden Euro, damit sie die Übernahme der Dresdner Bank stemme konnte. Am 5. November legt die Commerzbank ihre Zahlen für das dritte Quartal vor - die Lage dürfte schwierig bleiben.

Auch in den USA gibt es im Schatten der strahlenden Gewinner nach der Krise noch unzählige Sorgenkinder. Finanzriesen wie die Citigroup und die Bank of America ächzen schwer unter den nach wie vor hohen Kreditausfällen. Beide schrieben gerade erneut Milliardenverluste.

Daneben trifft es Hunderte von kleinen und mittleren Banken quer durch die Vereinigten Staaten. Gerade erst gingen wieder sieben Regionalbanken pleite - damit sind es nun mehr als 100 in diesem Jahr. Offiziell auf der „roten Liste” stehen noch 416 der fast 8200 US-Institute. „Da draußen gibt es Hunderte und Aberhunderte "Zombie- Banken"”, sagte Finanzmarktanalyst Gerard Cassidy (RBC Capital) dem Wirtschaftsdienst Bloomberg.

Dagegen sorgt bei „Global Playern” wie Goldman Sachs und Deutscher Bank ausgerechnet jenes Investmentbanking für Gewinne, das mit riskanten Geschäften die Mega-Krise auslöste. Wenn sich Länder für Konjunkturpakete verschulden, blüht der Handel mit Staatsanleihen. Auch viele Firmen brauchen frisches Kapital. „Die Spieler, die am Markt übriggeblieben sind, verdienen jetzt besonders gut”, sagt Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.

So kann auch die Deutsche Bank ihre Führungsrolle gerade wegen der Finanzkrise ausbauen. Steuerrückzahlungen und Sondererträge schönten zwar das Ergebnis im dritten Quartal. Doch der hiesige Branchenprimus ist für die geplanten Übernahmen - darunter die Vermögensverwaltung der angesehenen Privatbank Sal. Oppenheim - gut gerüstet.

Doch selbst die großen Häuser würden nicht verschont bleiben, wenn eine Welle von Firmenpleiten durch Deutschland rollt. Denn dies könnte eine zweite Runde der Bankenkrise auslösen. Der Engpass bei frischem Geld dürfte sich durch die strengeren Eigenkapitalregeln noch verschärfen, die der G20-Regierungsgipfel kürzlich beschloss.

Die Forderungen der Experten an die Banken sind daher eindeutig: Schrottpapiere schneller abschreiben, ein neues Geschäftsmodell für die Landesbanken entwickeln sowie Bonuszahlungen deckeln und sie nicht mehr an riskante Geschäfte knüpfen. „Sonst bekommen wir garantiert die nächste Krise”, warnt Bankenprofessor Burghof.
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