Testgebiete bringen Galileo jetzt schon auf die Erde

Von: disch
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Bei der Eröffnung der Galileo-Testgebiete am Freitag: RWTH-Professoren Malte Brettel (r.) und Dirk Abel mit einem Buggy samt Satellitenempfänger und Laptop. Foto: Koenigs

Aachen/Wegberg/Aldenhoven. Von einem „schwarzen Tag“ für die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sprach scherzhaft der RWTH-Prorektor für Wirtschaft und Industrie, Professor Malte Brettel: Im Bundestag wurde am Freitag das Tarifeinheitsgesetz beschlossen – und die Aachener Hochschule feierte die offizielle ­Eröffnung ihrer Galileo-Testgebiete, mit denen unter anderem das autonome Fahren von Zügen vorangebracht werden soll.

Fünf Testgebiete in Deutschland

Rail-Gate im Siemens-Bahnprüfcenter Wegberg-Wildenrath (Kreis Heinsberg) und Automotive-Gate im ­Aldenhoven Testing Center (Kreis Düren) stehen in einer Reihe mit den drei anderen Test- und Entwicklungsumgebungen, die unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstanden sind: mit dem ersten Gate in Berchtesgaden sowie mit Sea-Gate in Rostock und Aviation-Gate in Braunschweig.

„Die Testgebiete bringen uns Galileo jetzt schon auf die Erde“, sagteProfessor Dirk Abel vom RWTH-­Institut für Regelungstechnik. Vor allem seinem Engagement und dem seiner Mitstreiter, den Fördermitteln von Bundeswirtschaftsministerium, DLR und Land Nordrhein-Westfalen sowie der Unterstützung von Industrie- und Handelskammer, Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer, Siemens und den beiden Kommunalkreisen ist es zu verdanken, dass auch für die Verkehrsträger Schiene und Straße ­eigenständige Testgebiete geschaffen worden sind.

Sie ermöglichen es schon jetzt mit Hilfe von Sendestationen auf ­Masten, sogenannten Pseudoliten, Galileo-Signale für Forschung und Entwicklung, aber auch praktische Tests zu nutzen – schätzungsweise fünf Jahre, bevor alle geplanten 30 Satelliten des ­europäischen globalen Navigations- und Zeitgebungssystems Galileo funktionstüchtig im All im Einsatz sein werden.

Prorektor Brettel sprach von einem wichtigen und spannenden Projekt, das die RWTH in die Zukunft bringen werde. Die Hochschule suche ständig nach Lücken, „um weltweit wahrgenommen werden zu können“. Gerade Fragen und Probleme der Mobilität ließen sich von Forschern nur noch in interdisziplinären Verbünden lösen. Und mit den GalileoTestgebieten werde auch die Verbindung in den Markt perfekt hergestellt, um Entwicklungen für die Industrie und damit für die Gesellschaft nutzbar zu machen.

Mit den europaweit einzigartigen Testgebieten nehme die RWTH in der Forschung eine „Pole-Position“ ein, freute sich Professor Abel, der allerdings bedauerte, dass dieses Thema in der großen Industrie noch nicht angekommen sei.

Appell an die Industrie

Sein Appell lautete daher, die ­Infrastruktur zur Entwicklung zukunftssichernder, innovativer Produkte und Dienstleistungen auf Galileo-Basis für den Automobil- und Bahnbereich zu nutzen. „In und für Deutschland wurde eine unbestreitbare Vorreiterrolle in der Galileo-Infrastruktur geschaffen“, erklärte Abel. Bei der mit einem symbolischen Mausklick in Wegberg-Wildenrath und einer Demonstrationsfahrt in Aldenhoven-Siersdorf verbundenen Eröffnungsfeier nannte er zwei Beispiele, wo Galileo-Signale zukünftig eine bedeutende Rolle spielen könnten: beim automatischen Rangieren auf der Schiene ebenso wie bei der Kollisionsvermeidung auf der Straße.

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