Aachen - „Switch”: In anderthalb Jahren zum Fachinformatiker

„Switch”: In anderthalb Jahren zum Fachinformatiker

Von: Jan Mönch
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Das Informatikstudium war nich
Das Informatikstudium war nicht seine Sache, aber der Branche bleibt er treu: Benjamin Schlechter, ab September Azubi. Foto: Harald Krömer

Aachen. Für Benjamin Schlechter war es eine logische Entscheidung. Seine Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten hatte er in der Tasche. Vom Berufskolleg ging er dann an die RWTH Aachen, um Informatik zu studieren. Viel zu theoretisch war ihm dort jedoch die Lehre.

„Nach drei Semestern habe ich dann eingesehen, dass mich das so nicht weiter bringt”, sagt der 21-Jährige. Die Konsequenz: Er brach sein Studium ab.

Für Fälle wie Benjamin ist das Projekt „Switch” gedacht, das Stadt, Hochschulen, IHK und weitere Partner ersonnen haben: In nur anderthalb Jahren anstatt der üblichen drei wird er bei der Unternehmensberatung „Innoventure Business Consulting” eine Ausbildung zum Fachinformatiker antreten. Am Donnerstag hat er den Vertrag unterschrieben.

Das Pilotprojekt, nach Auskunft seiner Macher bundesweit einzigartig, ist eine Reaktion auf den wachsenden Fachkräftemangel in Deutschland. Bewährt es sich, kann Dieter Begaß sich gut vorstellen, es auf weitere Berufsbilder auszubauen. „Man findet kaum ein Unternehmen, das nicht über fehlende Fachkräfte klagt. Das geht durch sämtliche Branchen”, weiß der Leiter der Aachener Wirtschaftsförderung. Womit die Region nicht allein dasteht: Bundesweit fehlen im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) laut Begaß jährlich 20.000 Fachkräfte - rein rechnerisch.

Weil praktisch aber nicht jeder Absolvent auf Anhieb einen Arbeitgeber findet, zu dem er passt, seien es tatsächlich wohl sogar doppelt so viele. Tendenz steigend.

„Es müssen also Potenziale erschlossen werden, die bislang vernachlässigt wurden”, benennt Begaß die notwendige Konsequenz - wie das der Studienabbrecher. Von denen gibt es viele: Exakt 1325 der Erstsemester, die sich zum Wintersemester 2008 in einem der sogenannten Mint-Fächer an der RWTH eingeschrieben haben, haben sich bis vergangenes Jahr vorzeitig exmatrikuliert. Das entspricht einer Quote von 37 Prozent.

Zwischen Bits und Bytes

Begaß weiß: Diese Abbrecher sind nicht auf Gedeih und Verderb auf eine Initiative wie Switch angewiesen. Fraglich aber sei, ob ein Fall wie Benjamin seinen beruflichen Werdegang sonst zwischen Bits und Bytes fortgeführt hätte - also dort, wo Fachkräfte Mangelware sind.

Bei Innoventure - einem von 22 teilnehmenden Unternehmen aus der Region - ist dies gewährleistet. Bis es im September losgeht, lebt Benjamin Schlechter sich als Praktikant ein. Und auch als Azubi wird er die Praxiserfahrung bekommen, die er als Student vermisst hat: Nur einen Tag und einen Abend wird er in der Berufsschule verbringen. Ansonsten spielt die Woche sich im Betrieb ab.

Wichtig ist den Stadt und IHK, dass Switch als Chance, nicht als Scheitern gesehen wird. Und dass es allemal besser ist, frühzeitig die Reißleine zu ziehen, anstatt ewig und drei Tage auf dem falschen Pferd zu sitzen, steht außer Frage. Das Studium abzubrechen kann so eine ganz konsequente Entscheidung sein.
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