Start-up Adhesys Medical wird von Grünenthal übernommen

Von: Rolf Hohl
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Grünenthal (Bild) hat im April das Start-up Adhesys Medical übernommen. Foto: Grünenthal

Aachen. Am Prinzip von Start-ups gibt es eigentlich nicht mehr viel herumzudeuteln: Man gründet eine Firma, wächst – und hat vielleicht Erfolg damit. Aber es geht auch anders, wie das Beispiel der Firma Adhesys Medical zeigt, das im April dieses Jahres vom Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal übernommen wurde.

Hervorgegangen war diese aus dem Kauf eines Patents für Wundkleber für die Chirurgie von der Bayer AG. Solche und ähnliche Weiterführungen bereits vorhandener Entwicklungsansätze könnten ein Modell für die Zukunft sein, so die Überzeugung der Beteiligten.

Einer davon ist Marius Rosenberg, der Geschäftsführer von Adhesys Medical. „Wir mussten nach der Gründung nicht nur darauf achten, dass wir die notwendigen Patente bekommen, sondern auch die technische Basis und das Wissen.“

Beides sei jedoch durch die Nähe zur RWTH, aus deren Umfeld heraus das Start-up entstanden ist, reichlich vorhanden. Den Nachteil der fehlenden Erfahrung bei der Weiterentwicklung des Wundklebers habe man so mit der Zeit wettmachen können. Der Kleber ist eine Alternative zu den üblichen Methoden des Wundverschlusses wie Nähen oder Tackern.

„Direkt am ersten Tag nach der Gründung haben wir für die medizinischen Versuche einen Entwicklungsvertrag mit der Uniklinik abgeschlossen“, erinnert sich Rosenberg. Und zugleich macht das deutlich, wie Gründer und Hochschule voneinander profitieren: Die RWTH steigert ihr Renommee und bekommt Forschungsaufträge, während dem Unternehmen der Ruf der Hochschule auf der Suche nach Partnern und Investoren hilft.

Das Potenzial ist dabei enorm, bei zugleich wesentlich geringerem Risiko, wie Harald Heidemann, Vorstand der Sparkassen Unternehmensbeteiligungsgesellschaft S-UBG, sagt. „Es kommen in den großen Unternehmen oft Ergebnisse aus den Forschungsabteilungen, die nicht ins Portfolio passen und dann einfach in der Schublade landen.“

Hier liege auch das Problem, nämlich dass solche Werdegänge heute noch viel zu selten und meist ein Zufallsprodukt seien, sagt der Leiter des RWTH-Gründerzentrums, Malte Brettel. Die Unternehmen müssten daher verstärkt auf die Gründerzentren der Hochschulen zugehen und sich bemerkbar machen. Gerade wenn es darum gehe, ein neues Produkt zu entwickeln und aufzubauen, seien Start-ups meist viel beweglicher.

„Dazu gehört auch eine gewisse Blauäugigkeit. Wenn man schon 30 Jahre bei Bayer gearbeitet hat, weiß man, was bei einer Neuentwicklung alles schief gehen kann – und lässt es dann bleiben“, sagt Brettel. Was auch immer letztlich entscheidend war, Adhesys Medical ist ein Beweis dafür, dass gute Ideen nicht in Schubladen verstauben sollten.

Der Hautkleber ist in Europa mittlerweile im Zulassungsverfahren, ein weiterer für den Einsatz im Körperinneren in Arbeit. Bei allem Erfolg sei der „Gründerspirit“ in dem Unternehmen immer noch erhalten geblieben, sagt Rosenberg. Das sorge dafür, dass für die Mitarbeiter der Eigenanteil daran viel stärker spürbar sei als bei einem großen Konzern. Und das Beispiel macht deutlich: Man muss bei Gründungen nicht immer bei null anfangen.

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