Aachen - Stärkere Unterstützung für die Betriebe und ihre Azubis

Stärkere Unterstützung für die Betriebe und ihre Azubis

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
Arbeistmarkt
Jugendliche und Betriebe finden immer seltener zusammen, und die Zahl der unversorgten Bewerber wächst stetig – genauso wie die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Foto: dpa

Aachen. Eigentlich könnte alles so einfach sein: 394 Ausbildungsplätze sind im vergangenen Jahr im Raum Aachen-Düren unbesetzt geblieben. Dem gegenüber standen 467 Bewerber, die am Jahresende keinen Ausbildungsvertrag hatten.

Zusammengefunden haben Azubis und Betriebe dennoch nicht. Mal entsprach der freie Ausbildungsplatz nicht den Berufswünschen, mal war die Distanz zum Ausbildungsort zu groß. Das ist in einem gewissen Maße völlig normal. Fest steht jedoch: Jugendliche und Betriebe finden immer seltener zusammen, und die Zahl der unversorgten Bewerber wächst stetig – genauso wie die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze.

„Ausbildung hat Vorfahrt“ heißt die Initiative, mit der die Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit dieses Missverhältnis auf dem Ausbildungsmarkt angehen will. Das Programm basiert auf zwei Säulen, erklärt Doris Schillings, Geschäftsführerin operativ der Bundesagentur für Arbeit Aachen-Düren. Zum einen will die Bundesagentur gezielt Betriebe dazu bringen, mehr Ausbildungsplätze auch für benachteiligte Jugendliche anzubieten. Dazu werden für die Region Aachen-Düren vier neue Mitarbeiter angestellt, die ab Mai als sogenannte Akquisiteure neue Ausbildungsbetriebe anwerben sollen.

Zeitgleich weitet die Arbeitsagentur ihre ausbildungsbegleitenden Hilfen aus. Bislang haben nur Jugendliche aus sozial schwachen Familien und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten während der Ausbildung Unterstützung erhalten. Diese Hilfe soll nun auf alle Azubis ausgedehnt werden, die Hilfe benötigen. „Mit der ‚assistierten Ausbildung‘ bieten wir eine noch komplexere Begleitung an, die schon sechs Monate vor der Ausbildung beginnt und sich über die gesamte Ausbildungszeit hinzieht“, sagt Schillings.

Jeder vierte Azubi bricht ab

Das Motto der Arbeitsagenturen: „Kein Jugendlicher soll verloren gehen!“ Angesichts der Tatsache, dass jede vierte Ausbildung mittlerweile abgebrochen wird, ein wichtiges Ziel. Denn Azubis, die ihre Ausbildung abbrechen, kosten die Betriebe nicht nur viel Geld, sondern sorgen oft auch dafür, dass sich viele Unternehmen nach schlechten Erfahrungen aus der Ausbildung zurückziehen, sagt Schillings. Bei der „assistierten Ausbildung“ bereiten Sozialpädagogen die Jugendlichen auf die Ausbildung vor und organisieren etwa – wenn nötig – Sprachförderungsprogramme. Zeitgleich erhalten auch die Betriebe Unterstützung bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher.

Die Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) und die Handwerkskammer Aachen (HWK) sind bei der Initiative mit im Boot. „Uns fällt es zunehmend schwer, unsere Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagt der Geschäftsführer der IHK Aachen, Heinz Gehlen. Die Handwerkskammer musste im Jahr 2014 gar ein Minus von acht Prozent an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen hinnehmen, sagt HWK-Geschäftsführer Georg Stoffels. „Das ist seit vielen Jahren der größte Rückgang, den wir zu verzeichnen hatten.“

Die Gründe sind bekannt und schon vielfach diskutiert worden. Aufgrund des demografischen Wandels gibt es immer weniger Schüler. Hinzu kommt die stetig steigende Zahl an jungen Leuten, die ein Studium einer Ausbildung vorziehen. In Ostdeutschland und auch in vielen ländlichen Gebieten Deutschlands versuchen Betriebe, neue Azubis regelrecht zu ködern: mit Reisen nach New York oder Geld für den Führerschein – das es zum abgeschlossenen Ausbildungsvertrag obendrauf gibt. So dramatisch sei die Situation in der Region noch nicht, sind sich Stoffels und Gehlen einig. Mit dem neuen Programm will die Arbeitsagentur dafür sorgen, dass sie so dramatisch auch nicht werden wird.

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