Spendenplattform stellt Hilfsprojekte weltweit vor

Von: Bernd Büttgens
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Bringt sein Knowhow als Softwareentwickler bei der gemeinnützigen Spendenplattform „betterplace.org” ein: der Aachener Oliver Grün. Foto: Jaspers

Aachen. Wer Oliver Grün aufmerksam zuhört, erfährt interessante Neuigkeiten und aufschlussreiche Zahlen. Dass die Deutschen beispielsweise drei Milliarden Euro pro Jahr spenden. Und dass 50 Prozent davon von Spendern über 60 Jahren kommen. Und - das ist dann die verblüffendste Zahl - dass die Spenden, die online abgewickelt werden, nur bei ein bis zwei Prozent liegen.

Der deutsche Spender vertraut bis auf weiteres den guten alten Überweisungsformularen.

„Aber das wird sich ändern”

„Aber das wird sich alles ändern”, sagt Grün, der Gründer des gleichnamigen Aachener Softwarehauses (60 Mitarbeiter), das sich auf die Verwaltung von Spendengeldern bei großen Hilfsorganisationen spezialisiert hat. „Der Markt bewegt sich extrem.”

Was wird sich ändern? Oliver Grün glaubt, dass vor allem der Weg, auf dem die Spende zu den Hilfsbedürftigen gelangt, immer öfter über den Onlineweg erfolgen wird. „Wenn wir überlegen, dass die ,Silver Surfer, also die Ü60-Generation, mit Macht ins Internet stürmt, und wenn wir wissen, dass inzwischen 70 Prozent der Bundesbürger online sind, dann liegt dieser Schluss nahe.”

Dann liegt aber auch nahe, dass sich die Suche nach einem geeigneten Spendenziel verändern wird. Der Klassiker heute: Die Spender vertrauen den bekannten und geprüften Hilfsorganisationen, sie spenden in deren großen Topf und setzen darauf, dass aus diesem Globalbudget einzelne Projekte versorgt werden.

Grün glaubt an den Wandel. Und so ist es denn auch kein Zufall, dass er gerade aus Hamburg kommt, wo er als Mitinitiator der rund um die Spendenplattform „betterplace.org” neu zu gründenden gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Schlagzeilen sorgte.

Neben Grün, der sein Knowhow und den technischen Verstand seines Unternehmens in das Projekt einfließen lässt, kämpft Ex-Gruner+Jahr-Vorstandschef Bernd Kundrun als Medienprofi für den neuen Internet-Marktplatz der sozialen Projekte.

Die Plattform, die vor 18 Monaten langsam gestartet ist und die bereits 650 dort vermerkten Projekten mit durchschnittlich 1000 Euro geholfen hat, nimmt nun volle Fahrt auf: Zum Jahreswechsel steht die Überführung in eine der ersten gemeinnützigen AGs des Landes an. Grüns Website „spenden.de”, seit ihrer Gründung eine dem klassischen Spendenprinzip folgende, informative, gut geordnete Kontaktbörse zu deutschen Hilfsorganisationen, wird ebenfalls bei „betterplace.org” integriert.

„Wir wollen Medienkooperationen eingehen, um Bekanntheit zu erlangen”, sagte Kundrun bei der Hamburger Präsentation. Und Grün ergänzt beim Gespräch in seinem Aachener Büro: „Ein Marketingbudget gibt es nicht, wir Betterplace-Aktionäre haben keine Ausschüttung zu erwarten. Bei uns lautet das Motto: Sinn statt Geld!”

Wenn Spender auch für Betterplace selbst Geld abzweigen wollen, so ist das als positiver Nebeneffekt gewünscht, doch in der Startphase wird die Plattform von der Gruppe der Förderer und Aktionäre getragen. Dass in dieser Kategorie noch Plätze frei sind, verstehe sich, sagt Grün.

Das Besondere ist der zielgerichtete Zuschnitt auf das Internet-Publikum, auf sich wandelnde Spendergenerationen. „Bei betterplace.org stehen einzelne Projekte im Vordergrund, spenden.de erlaubt die Zuwendung in das Globalbudget einer Hilfsorganisation. Alleine der Internet-Nutzer entscheidet”, erklärt Grün.

Der Blick auf betterplace.org zeigt: Jedes Projekt - und sei es noch so klein - hat hier die Chance, gleichberechtigt aufgenommen zu werden. Die weltweiten Aktionen sind gut verschlagwortet, sie werden von den Projektinitiatoren selbst eingestellt, zur Präsentation gehören eine kurze, aber klare Projektbeschreibung sowie eine präzise Summe, die gesammelt wird.

RWTH-Studenten bauen Schule

Das reicht von einem Paar Schuhe (13 Euro) für Schulkinder in Mombasa, initiiert vom Heilbronner Harambee Deutschland e.V., bis zum Projekt von 26 RWTH-Architekturstudenten, die für 20.000 Euro in einer Region südlich von Johannesburg eine Schule bauen wollen. Die Betterplace-Community funktioniert, wie das heute im Internet üblich ist: zutiefst demokratisch.

Projekte werden bewertet und somit gelistet. Der Informationswert ist hoch, „es ist die Idee von einer großen vernetzten Allianz, von einer Bürgergesellschaft 2.0, in der dank der vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten des Internets soziales Engagement stärker ausgelebt werden kann”, so Grün weiter.

Die Initiatoren setzen darauf, dass künftige Spendergenerationen Interesse an speziellen Projekten haben, dass sie sich damit auseinandersetzen und auf die Bewertungskraft anderer Spender zählen. Darin liege auch die Kontrollinstanz, sagen die Betterplace-Macher. „Das Geld kommt zu 100 Prozent an”, verspricht Grün zudem einen unbürokratischen und doch sauberen Weg.

Neben Grün und Kundrun ist beispielsweise auch Arno Mahlert dabei, Ex-Vorstandschef der Tchibo- und Beiersdorf-Holding maxingvest. Kundrun selbst hat aus seinem Privatvermögen eine Million Euro für Betterplace abgezweigt, er sagt: „Ich lebe hier, und ich möchte, dass es hier lebenswert bleibt.”

Sein Engagement beschränkt sich übrigens nicht nur auf die finanzielle Unterstützung, der 51-jährige Ex-Topmanager investiert heute nach eigenen Angaben 80 Prozent seiner Arbeitszeit in das Projekt.
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