Softwarefirma Inform: Immer auf der Jagd nach dem Optimum

Von: Amien Idries
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Ausgebucht: Das 42. Unternehmerforum von IHK und „Aachener Zeitung“ fand wieder viele interessierte Besucher. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ganz zum Schluss gerät der eine oder andere Zuschauer in ein regelrechtes Prozessoptimierungsfieber. Könne man nicht etwa die Abläufe auf Großbaustellen wie der Hamburger Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen derart optimieren, dass die Kosten nicht so explodieren, wollte einer wissen.

Ein anderer fragte, ob die Bahn angesichts der horrenden Verspätungen nicht mal dringend optimiert werden müsse. Schmunzeln im Saal.

Dass bei der Bahn Optimierungsbedarf besteht, bezweifelt wohl kaum jemand. Dass die Aachener Inform GmbH ein guter Ansprechpartner dafür wäre, davon konnte Geschäftsführer Adrian Weiler am Montag die Besucher des ausgebuchten 42. Unternehmerforums von IHK und „Aachener Zeitung“ überzeugen, die von IHK-Präsident Bert Wirtz begrüßt wurden.

Das im Aachener Ortsteil Oberforstbach ansässige Software-Unternehmen kümmert sich nämlich ständig darum, Abläufe zu planen. Klingt erst mal ganz simpel, ist aber höchst anspruchsvoll, weil Dienstleistungen und die Herstellung von Produkten immer komplexer und deshalb höchst störanfällig werden. „Management des Unplanbaren“, nennt Weiler deshalb die Aufgabe des Unternehmens, das bereits 1969 mit relativ kleinem Team von Hans-Jürgen Zimmermann in Aachen gegründet wurde.

Egal, ob die Baustofflogistik mit einer Flotte von mehr als 1000 Lkw, die Belieferung von Discounterfilialen mit 3,5 Millionen Obst- und Gemüsekisten oder die Neuwagen-Distribution. Je komplexer ein Vorgang, desto störanfälliger ist er. Und von Störungen lebt Inform, oder besser gesagt von der Erkennung und Vermeidung potenzieller Störungen. Übrigens lebt Inform ganz gut davon. Mehr als 550 Mitarbeiter hat die Firma nach eigenen Angaben, die mehr als 1000 Kunden in der ganzen Welt betreuen, von denen rund 60 Prozent dem Mittelstand angehören. Seit 1985 wachse man stets mit Gewinn. Und das ohne externen Investor im Rücken.

Wie aber optimiert Inform? „Unsere intelligente Software reagiert ständig auf Veränderungen im Prozess und macht daraufhin einen neuen Plan“, erklärt Weiler. Die Prozesse seien also nicht wirklich unplanbar, es gelinge Inform im Prinzip nur, immer wieder neue Pläne zu machen, die auf die Veränderungen reagieren. Rapid Response („schnelle Antwort“), nennt Weiler das.

Als Beispiel führte der 59-Jährige einen Hersteller für Baumaschinen an, der 2000 Komponenten in etwa 50 000 Arbeitsschritten produziert. Wenn im Werk aufgrund einer Verzögerung bei einem Zulieferer ein Bauteil nicht fertiggestellt werden könne, sei das natürlich erst mal schlecht, sagt Weiler. Es werde aber auch anders nutzbare Kapazität frei. Nicht nur an der Maschine, an der das Bauteil ursprünglich gefertigt werden sollte, sondern auch an anderen Maschinen.

„Die Produktion ist so aufeinander abgestimmt, dass eine Verzögerung meist mehrere Bauteile betrifft“, sagt Weiler. Die Software erstelle nun einen neuen Plan, der die freien Kapazitäten sinnvoll nutzt. Die endgültige Entscheidung treffe dann aber immer der Mensch, betont Weiler. Man strebe eine hohe Benutzerfreundlichkeit an, um das Zusammenspiel zwischen Mensch und Computer zu verbessern.

Die Bahn als Kunde?

Den Effekt einer solchen Optimierung spürt der Informkunde nach Angaben Weilers unmittelbar. Die Produktivität steige, die Durchlaufzeiten reduzierten sich und vor allem die Termintreue steige enorm. „Vor allem Termintreue ist für deutsche Maschinenbauer ein Plus, mit dem sie auf dem Weltmarkt punkten können“, sagt Weiler. All das führe dazu, dass sich eine Investition für Kunden relativ schnell amortisiere.

Das Geheimnis des Erfolges der etwa 20 von Inform angebotenen Standardanwendungen, die für die Kunden angepasst werden, sei Schnelligkeit. Die sei erst durch die heutigen Rechnerkapazitäten möglich, weil riesige Datenmengen verarbeitet werden müssten. „Wir nutzen die Firmen-Software, die vor Ort läuft“, sagt Weiler. Man verstehe sich nicht als Konkurrenz zur bewährten Firmen-Software, sondern als Ergänzung.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist laut Weiler die im Unternehmen herrschende Vertrauenskultur. „Um unserer Produkte entwickeln zu können, brauchen wir motivierte und kreative Mitarbeiter“, sagt der gebürtige Saarländer. Man kontrolliere die Mitarbeiter nicht, sondern setze auf möglichst wenig Chef-Einmischung, sagt der Chef. Dass das funktioniere, zeige die Unternehmensbilanz: „Bei uns passieren natürlich auch Fehler. Die sind aber ausdrücklich erlaubt, weil Kreativität und Innovation gar nicht möglich sind, ohne sich auch mal zu vergaloppieren.“

Apropos Fehler. Wie sieht es mit der Bahn aus? „Nicht unser Kunde“, sagt Weiler abwehrend. Dass er einen entsprechenden Auftrag nicht ablehnen würde, lässt er durchblicken. Als Referenz könnte er mit der US-Fluglinie Delta Airlines aufwarten. Die managt mit Inform-Software ihre 15.000 Bodenpersonal-Mitarbeiter am Flughafen Atlanta. Einer der Effekte: Die Abflugverspätungen konnten deutlich reduziert werden.

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