Sechs Frauen, sechs Ideen und ein Ziel

Von: André Schaefer
Letzte Aktualisierung:
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Diese Unternehmerinnen haben es geschafft und stehen im Finale des Visionplus-Preises: v.l. Roonak Emami, Maria Scheufens, Kerstin Khadri (Schirmherrin), Sabrina Tammer, Julia Stoll, Carmen Palmen und Petra Nipps. Foto: Harald Krömer

Aachen. Natürlich sind sie nervös, es ist ja auch ein ziemlich aufregender Tag, der da am 29. September auf die sechs Frauen wartet. Insgesamt 5250 Euro gilt es zu vergeben, drei Plätze werden prämiert, und am Ende gibt es eine Siegerin.

Eine Jury, bestehend aus Vertretern der regionalen Wirtschaft, entscheidet, wer von diesen sechs Frauen am Ende im Foyer der Industrie- und Handelskammer ganz oben stehen wird, ganz oben auf dem Treppchen beim Visionplus-Unternehmerinnenpreis (Beginn 18 Uhr, Eintritt ist frei).

Zum neunten Mal sucht die Gründerregion Aachen nicht nur diejenige Unternehmerin, die sich getraut hat zu gründen, sondern eine Frau, die sich auf dem Markt behauptete; die an ihrer Idee festhielt, sie umsetzte und – das ist besonders wichtig – eine klare Vision hat. Insgesamt 44 Bewerbungen aus der Region sind in den vergangenen Wochen eingegangen. Und Monika Hennes von der Gründerregion verrät: „Von Handel über Handwerk, Produktion und Dienstleistung war aus so ziemlich allen Bereichen etwas dabei.“

Frauen sind strukturierter

Gut 30 Prozent aller Gründungen in der Region gehen auf das Konto von Frauen – eine Zahl, die aus Sicht der Organisatoren des Preises gerne steigen könnte. Auch aus diesem Grund wurde die Auszeichnung ins Leben gerufen. Sie soll Frauen, die ihre Ideen auf den Markt gebracht haben, in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

„Gleichzeitig soll der Preis anderen Frauen Mut machen, ihre eigene unternehmerische Idee erfolgreich zu verwirklichen“, sagt Heike Krier, Geschäftsführerin der Gründerregion Aachen. Mut – das ist beim Gründen in der Tat so ein Thema. Andrea Hilger vom Arbeitskreis des Unternehmerinnenpreises sagt: „Wir stellen schon fest, dass Männer oft mutiger sind.“ Doch Beate Amrehn, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises, fügt an: „Im Vergleich zu Männern gehen Frauen so ein Thema strukturierter an.“

Ein gutes Beispiel dafür ist Kerstin Khadri. Die 34-Jährige ist Geschäftsführerin von K-Design, einem Unternehmen aus Geilenkirchen, das Großschirme für die Gastronomie und Hotelbranche anfertigt. Vor vier Jahren nahm Khadri selbst am Unternehmerinnenpreis teil, am Ende wurde sie Zweite.

Dieses Jahr sitzt sie nicht nur in der Jury, sie ist auch Schirmherrin. „So ein Preis zeigt einer Gründerin, dass es gut ist, was sie leistet“, sagt sie. „Und ich möchte dieses Gefühl den Gründerinnen gerne weitergeben.“ Wir stellen die sechs Finalistinnen heute vor.

 

Carmen Palmen, Obst Palmen, Aachen: Wie kommen küchenfertige Salatblätter eigentlich in die Bäckerei? Carmen Palmen weiß es. Palmen ist Inhaberin des gleichnamigen Obst- und Gemüsegroßhandels. Vor sechs Jahren hat sie den familiengeführten Betrieb von ihrem jetzigen Mann übernommen. „Den Gedanken, sich selbstständig zu machen, hatte ich schon immer.

Irgendwann habe ich mich dann getraut.“ Mit zwei fest angestellten Mitarbeitern ging es einst los, heute sind es 15. Und mit ihnen zusammen beliefert Palmen sowohl Bäckereien als auch Kantinen mit küchenfertigen Salaten und Gemüse. Allein bis zu 400 Schalen mit jeweils 500 Gramm geschnittenen Tomaten werden täglich produziert. Palmens Vision: Es sollen mehr werden – die Gründerin plant einen Ausbau der Salatverarbeitung.

 

Petra Nipps, BestForm, Merzenich: Fitness und Sport, das ist für Petra Nipps nicht bloß ein Beruf, das ist ihre Berufung. Nipps ist Fitnesstrainerin, 2012 übernahm sie eine Fabrikhalle und funktionierte sie zu einem Gesundheitszentrum um. Wenn sie eins nicht mag, dann ist das der Vergleich mit üblichen Fitnessstudios. Denn: Laufband und Hantelbank sucht man bei Nipps vergeblich.

„Funktionsgeräte gibt es bei uns nicht, wir trainieren rein mit dem Körpergewicht“, betont sie. Dieser Aspekt und eine enge Kooperation mit der Leistungsdiagnostik der Kölner Sporthochschule machen Nipps’ Sportzentrum zu einer Art Novum. Acht Angestellte beschäftigt sie inzwischen. Nipps möchte unter Einbindung von Profisportlern mehr Menschen von der Gesundheitsvorsorge überzeugen. Zudem plant sie eine Außenanlage mit Kunstrasen, auf dem ihre Angebote erweitert werden können.

 

Roonak Emami, Cyrus Technology GmbH, Aachen: Wenn Roonak Emami von ihrem Geschäftsmodell spricht, dann gibt sie gerne zu, dass sie sich da einen Nischen-Markt ausgesucht hat. Nach langjähriger Tätigkeit in der IT-Branche entschied sich Emami 2013 dazu, eine eigene Manufaktur für hochwertige Outdoor-Smartphones zu eröffnen. Outdoor-Smartphones, das sind modernste Handys, die im Gegensatz zu den gängigen Geräten robuster und schmutzresistent sind.

„Unsere Kunden kommen besonders aus dem Bereich des Handwerks“, sagt sie. Die Smartphones, die abhängig von den individuellen Bedürfnissen der Kunden programmiert werden können, lässt die Unternehmerin in China herstellen. Zu ihren namhaftesten Kunden zählt die Deutsche Bahn. Durch Sponsoring und Outdoor-Events will sie ihre Marke weiter auf dem Markt etablieren.

 

Maria Scheufens, Bäckerei Maria von Heel, Maria Scheufens & Magret von Heel GbR, Gangelt: Die Selbstständigkeit war für Maria Scheufens nie ein Thema. Doch dann kam der Tag, an dem sie ihr Chef fragte, ob sie seine Bäckerei übernehmen wolle, 2013 war das. Die Bäckermeisterin „musste lange überlegen“, wie sie sagt. Am Ende wagte sie den Schritt.

Von Beginn an war es ihr Ziel, ausschließlich natürliche Rohstoffe zu verwenden. Und so bietet sie heute mit ihren 17 Angestellten ihren Kunden Brot, Brötchen und Kuchen an, die mit Zutaten aus eigenem Anbau zubereitet werden. „Zum Glück habe ich einen Landwirt kennengelernt“, sagt sie. Dieser Landwirt, das ist ihr Mann. Und ihre Vision, das ist ein Ausbau der familieneigenen Produktion von Rohstoffen, Getreide und Obstsorten, die ihr Produktangebot erweitern sollen.

 

Sabrina Tammer, Bio Hofladen Tammer Selfkant GmbH, Selfkant: Jahrelang stand Sabrina Tammer als Verkäuferin in einer Bäckerei. Durch ihren Vater, der noch heute als Landwirt tätig ist, entdeckte sie irgendwann ihre Leidenschaft für den Anbau von Obst und Gemüse. Was sie aus ihrer Bäcker-Ausbildung mitgenommen hat, ist ihr „schweres Interesse für gute Lebensmittel“, wie sie sagt.

Genau damit beschäftigt sie sich heute. Seit 2011 betreibt sie einen Bio-Hofladen mit rund 3000 Artikeln – mitten auf dem Bauernhof ihres Vaters. Ihr Ziel: „Ich möchte, dass mein Bio-Laden noch enger mit dem Bauernhof zusammenwächst“, sagt sie. Ihr Interesse an Bio-Lebensmitteln will sie an ihre Kunden weitergeben. Dafür plant sie Kräuterwanderungen und Seminare zu Obstsortenbestimmung und Ökolandbau. Der Aufbau eines Streichelzoos steht ebenfalls auf dem Plan.

 

Julia Stoll, Die Hutmacherin, Aachen: Julia Stoll trägt beim Redaktionsbesuch natürlich eine Kopfbedeckung. Schließlich dreht sich bei der Unternehmerin seit 2011 alles um modische Accessoires für den Kopf. Stoll ist Modistin, doch weil diese Berufsbezeichnung nur den wenigsten geläufig ist, nennt sie sich Hutmacherin. In ihrem Aachener Geschäft verkauft sie zusammen mit zwei Teilzeitangestellten sowohl eingekaufte Kopfbedeckungen als auch selbst hergestellte Maßanfertigungen – und zwar für Frauen, Männer und Kinder.

Einmal im Jahr hat Stoll selbstverständlich beim CHIO einen Verkaufsstand. „Aber nur vom CHIO kann man als Hutmacherin nicht leben“, sagt sie. Was Stoll plant, ist die Eröffnung eines größeren Ladenlokals, in dem die Herstellung und der Verkauf von Mode mit Fotografie und Modenschauen kombiniert werden.

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