Schumag AG: Optimismus nach „Achterbahnfahrt der Emotionen”

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Sie hatten zwölf Stunden draußen in der Kälte ausgeharrt: die Mitarbeiter des Aachener Maschinenbauers Schumag AG. Allein mit ihrer lautstarken Präsenz, wobei aus Protest auch Eier und Tomate flogen, heizten sie der turbulenten Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch kräftig ein.

Unterm Strich wurde ein Etappensieg erreicht, der optimistisch stimmt, aber noch nicht der endgültige Durchbruch ist.

Nach einer „Achterbahnfahrt der Emotionen”, so Franz-Peter Beckers, 1. Bevollmächtigter der Aachener IG Metall, in einer Betriebsversammlung am Tag danach, sei es gelungen, den „Durchmarsch der Hedgefonds” und das drohende „Ausplündern” zu verhindern. Der Aufsichtsrat sei jetzt „heuschreckenfrei”, sekundierte Professor Holger Linderhaus, Rechtsbeistand des Betriebsrats und von der Arbeitnehmerseite berufener Kontrolleur.

Zurückgekehrt in den Aufsichtsrat ist übrigens dessen früherer Chef Johannes Ohlinger. Bis auf eine Person, „mit der wir leben können”, sei das Gremium auf der Kapitalseite komplett von den Arbeitnehmern besetzt worden, fügte Betriebsratsvorsitzender Ralf Marbaise an. „Wir waren cleverer, schneller und besser vorbereitet”, sagte er zufrieden. „600 Arbeitsplätze macht hier nun so schnell keiner zunichte.”

Weil sich die Beschäftigten und ihre Vertreter indes nicht durchsetzen konnten mit ihrem Plan, über eine Kapitalerhöhung neue, ernsthafte Investoren - von denen es bereits Interessenten gebe - gewinnen zu können, die bei der Überwindung der „Schlammschlacht” der vergangenen Jahre helfen, reagierten Mitarbeitervertretung und Gewerkschaft sofort: Der im Sommer verabredete Sanierungstarifvertrag wurde fristlos gekündigt. Damit, so Beckers, solle „Druck im Kessel” gehalten werden, um die Unternehmensführung zu einer Neuausrichtung von Schumag und somit in ruhigerem Fahrwasser zu bewegen. Laut Beckers entspricht dieser Vertrag einem Finanzvolumen von 1,3 Millionen Euro jährlich. Damit verbunden war bislang eine wöchentliche Mehrarbeit von 2,5 Stunden, die nicht bezahlt wurde. Überdies geben die Kollegen nun allerdings auch den bis Ende 2013 vereinbarten Kündigungsschutz auf.

Welche Auswirkungen dieser Schritt auf die Liquidität von Schumag hat, bleibt abzuwarten. Geschäftsführer Steffen Walpert, der an der gestrigen Betriebsversammlung nicht teilnahm, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Unklar bleiben zudem die konkreten Eigentumsverhältnisse. Weil dies so ist, erläuterte Gewerkschafter Beckers, würden die Banken im Augenblick „äußerst zurückhaltend” bei der Kreditvergabe sein. „Wir wollen klare Verhältnisse.” Dazu sei man auch zu Gesprächen mit dem Unternehmen bereit. „Eine Belegschaft, die geschlossen für ihre Zukunft kämpft, ist das Produktivste, das sich ein Unternehmen wünschen kann”, so Beckers. Und Betriebsratschef Marbaise ergänzte, man werde den Vorstand „Tag und Nacht unter Druck setzen, um Investoren zu finden, die es ehrlich mit uns meinen”. Die Belegschaft sei nun „in einer so starken Position, dass uns so schnell niemand ins Handwerk pfuschen kann”.

„Sie kriegen uns nicht kaputt!”, stimmten die Schumag-Kollegen denn auch zum Schluss ein gemeinsames Lied an.
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