Aachen - Schumag: 700 Menschen sind die Spielbälle

Schumag: 700 Menschen sind die Spielbälle

Von: Stephan Mohne
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Aachen. 700 Menschen sind zu Spielbällen in undurchsichtigen Finanzgeschäften geworden und geraten nun auch noch in die Mühlsteine einer heftigen jurististischen Auseinandersetzung. Es geht um die Belegschaft des Aachener Präzisionsteileherstellers Schumag.

Dieser hat laut „Handelsblatt” einmal mehr einen neuen Besitzer. Demnach sei ein Aktienpaket von 79 Prozent verkauft worden. Und zwar von einem Hedgefonds an einen gewissen Peter Koschel, der wiederum namens einer Firma im englischen Birmingham handele.

Anteile waren seitens der bisherigen Eigner, seit Mitte 2007 die Familie Kazinakis, an den Fonds verpfändet worden und sollten am Montag zwangsversteigert werden. Dagegen hatte das Landgericht Frankfurt auf Kazinakis´ Antrag eine einstweilige Verfügung erlassen.

Diese aber war offenbar noch nicht zugestellt, als die neuerliche Transaktion über die Bühne ging. Damit wäre die Verfügung nicht rechtswirksam.

Dennoch bezeichnete Konstantinos Kazinakis am Montag den Verkauf als rechtswidrig: „Man kann nicht verkaufen, was einem nicht gehört.” Die Pfandbedingungen seien Wucher gewesen.

Dagegen habe man mit „dem Hauptfinanzierer” der Schumag-Übernahme - einem anderen Fonds - neue Konditionen ausgehandelt und damit „eine langfristige, stabile Basis zur erfolgreichen Weiterentwicklung” geschaffen.

Vom Partner zum Gegner

Peter Koschel indes war bisher ein Partner von Kazinakis und saß im Schumag-Aufsichtsrat. Der Betriebsrat, der am Montag von den Informationen überrascht wurde, nahm Kontakt mit Koschel auf.

Dieser hat offenbar die Kaufsumme nicht selbst aufgebracht, weigere sich aber bisher, die Hintermänner zu nennen.

Wem also gehört nun das Traditionsunternehmen? Das fragen sich besagte 700 Mitarbeiter. Jüngst war erst ein Sanierungstarifvertrag verhandelt worden.

Der Präzisionssparte geht es nicht gut, während der lukrative Maschinenbau verkauft wurde. Die IG Metall befürchtet nun ein langes juristisches Tauziehen - und das Wegbrechen von Aufträgen.

Derzeit wird in dem Werk schon Kurzarbeit gefahren. Den Sanierungstarifvertrag will die Gewerkschaft nicht ratifizieren, „solange die Verhältnisse nicht geklärt sind”.

Die Belegschaft komme derweil nicht aus ihren Ängsten heraus. Der Vorstand wollte am Montag die Vorgänge nicht kommentieren.
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