Schnelles Internet am Handy: Warten auf den Super-Standard aus der Region

Von: Rolf Hohl
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Mobilfunkforschung aus der Region: Jan-Peter Meyer-Kahlen präsentierte beim IHK-Forum einen im Ericsson-Eurolab entwickelten Prototypen, mit dessen Hilfe in Zukunft einfach kommuniziert werden soll. Foto: Andreas Herrmann
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Anschließend stellte er sich den Fragen unseres Redakteurs Amien Idries. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn man die Digitalisierung auch als gesellschaftlichen Wandel versteht, dann ist der künftige Mobilfunkstandard 5G der technische Unterbau dafür. Und der wird gerade nicht in weit entfernten Gefilden entwickelt, sondern ganz in der Nähe: bei Ericsson in Kohlscheid.

Bei dem Ableger des schwedischen Mutterkonzerns arbeiten rund 500 Experten an dieser Zukunftstechnologie, geführt von Standortleiter Jan-Peter Meyer-Kahlen. Dieser war am Montagabend zu Gast beim IHK-Forum und sprach dort über die Möglichkeiten und die Bedenken gegenüber dieser neuen Entwicklung.

5G, das steht für die 5. Generation des Mobilfunkstandards und ist der vorläufige Höhepunkt einer globalen Vereinheitlichung, die in den 1980er-Jahren begonnen hat. „Aber erst mit der 4. Generation hat sich weltweit ein einheitlicher Standard etabliert, und es wurde zur Selbstverständlichkeit, dass man überall aus dem Flugzeug steigen und mit dem Handy telefonieren konnte“, erklärte Meyer-Kahlen. In der Zwischenzeit wurden Mobiltelefone, wie sie einst auch Ericsson produzierte, längst von Smartphones abgelöst – und diese werden eben nicht mehr nur für Ferngespräche verwendet.

Etwa drei Viertel des Datentransfers zwischen den mobilen Endgeräten werden schon heute durch Video-Streaming verursacht, so Meyer-Kahlen. Bis 2022 sei sogar mit einem mehr als dreimal so hohen Datenvolumen pro Verbraucher zu rechnen als heute, was mit den alten Übertragungsstandards schlicht nicht zu bewältigen wäre.

Ein Beispiel: autonomes Fahren

Die Ursache für diese enorme Steigerung der Datenmengen liege jedoch nicht alleine beim Medienkonsum der Benutzer, sondern werde durch korrespondierende Entwicklungen verstärkt. Dazu gehöre etwa das autonome Fahren, bei dem Fahrzeuge in Echtzeit untereinander kommunizieren können müssen, oder auch die zunehmend dezentrale Produktion und Verteilung von Energie aufgrund der Energiewende.

Gleichzeitig gewinne für jede größere Stadt die „Smart City“ an Bedeutung, also die Vernetzung und Steuerung von Verkehr und Energie zur besseren Reduzierung von CO2. Und dann sei da noch die Industrie 4.0, die für die Verknüpfung von Entwicklung und Produktion ebenfalls riesige Datenmengen in kurzer Zeit transportieren müsse.

5G als neuer Standard, zeigte sich Meyer-Kahlen überzeugt, könne das alles stemmen. „Wir reden hier von Übertragungsraten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde und Latenzzeiten unterhalb einer Millisekunde“, sagte er. Das ist etwa 100-mal schneller, als dies mit der heutigen 4G-Technologie möglich ist.

Nach Plänen der EU soll der neue 5G-Netzstandard schon 2020 marktreif sein. Ob das klappt, werde sich unter anderem bei der Winterolympiade in Südkorea 2018 zeigen, so Meyer-Kahlen. „Seit Jahren arbeiten wir auf diesen Termin hin, um 5G bei einer Massenveranstaltung unter Realbedingungen zu testen.“

Beim IHK-Forum, das regelmäßig von der IHK Aachen und der Aachener Zeitung veranstaltet wird, regten sich bei aller Euphorie angesichts der technischen Daten auch Zweifel. Steigt etwa der Stromverbrauch in gleichem Maße wie das Datenvolumen? Im Gegenteil, sagte Meyer-Kahlen. Aufgrund der veränderten Modulation der 5G-Netze sei mit einem Bruchteil des heutigen Energieverbrauchs zu rechnen.

Wer braucht noch Glasfaser?

Zurückhaltender war er hingegen bei der Frage eines Architekten, der wissen wollte, ob er überhaupt noch Glasfaserkabel verbauen solle, wenn dereinst solche Übertragungsraten möglich seien. Hier gelte es, die kommenden zwei bis drei Jahre abzuwarten, zumal auch die Endgeräte der Verbraucher 5G unterstützen müssten, sagte er.

In diesen Zukunftsaussichten gibt es also noch eine Menge offener Variablen. Einige davon werden in den kommenden Jahren sicherlich noch in Kohlscheid gelöst – und so folgerte IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting an diesem Abend: „Wenn dereinst 5G als neuer Netzstandard etabliert wird, dann stammt die dafür notwendige Technologie zu einem nicht unwesentlichen Teil aus unserer Region.“

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