Sanierungsfall Kronenbrot: Betriebsrat formuliert Forderungskatalog

Von: hjd
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Die Sanierung kann gelingen: Kronenbrot-Betriebsratschef Bodo Wagner (links) und Peter Mogga, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Foto: Michael Jaspers
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Die Sanierung kann gelingen: Kronenbrot-Betriebsratschef Bodo Wagner (links) und Peter Mogga, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Foto: Michael Jaspers

Würselen. Dass es bei der Kronenbrot KG Probleme gegeben hat und immer noch gibt, das ist für die Belegschaft wahrlich nicht neu. Dass sich die Probleme aber derart zugespitzt haben und die Würselener Großbäckerei die Sanierung nun in einem Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung stemmen will, hat Bodo Wagner dann doch überrascht.

Trotzdem sieht der Betriebsratsvorsitzende dem Verfahren und den kommenden Monaten mit Optimismus entgegen. „Die aktuellen Zahlen des Jahres 2016 zeigen, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg ist“, sagte er am Montag nach einer Mitarbeiterversammlung, bei der der Generalbevollmächtigte Tillmann Peeters und Sachwalter Mark Boddenberg die Beschäftigten über die nächsten Schritte informierten.

Wichtig für die Mitarbeiter: Die Löhne und Gehälter werden drei Monate lang von der Arbeitsagentur übernommen. Das Unternehmen spart so Personalkosten und kann Liquidität aufbauen – Voraussetzung dafür, notwendige neue Kredite an Land ziehen zu können. Die braucht Kronenbrot für die Bewältigung der laufenden Produktion und der anstehenden Aufträge sowie für Investitionen.

Betriebsrat Wagner formulierte trotz demonstrativer Zuversicht gemeinsam mit Peter Mogga, dem Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region, einen Katalog mit klaren Forderungen: „Das Ziel muss sein, sich auf profitable Kunden und Produktionszweige zu konzentrieren. Wir brauchen mittel- und langfristig mehr Investitionen, denn die Produktionstechnik ist in Teilen nicht mehr auf dem neuesten Stand. Und es muss weitere Veränderungen beim leitenden Personal geben, denn dort sind Fehler gemacht worden.“

Wagner und Mogga hoben die große Treue der Belegschaft und deren Bereitschaft, sich an Veränderungen zu beteiligen, hervor – obwohl schon seit 2004 latent Unruhe im Unternehmen herrsche und es schon Sanierungsversuche gegeben habe, die „nicht ideal“ verlaufen seien. Dass nun ein nicht geringes Maß an Misstrauen bestehe, sei vor diesem Hintergrund verständlich. Neben dem Preis- und Margendruck auf dem Markt der Discounter und großen Einzelhändler, die Kronenbrot beliefert, gebe es auch hausgemachte Probleme. „Wie kann es sein, dass das Unternehmen auch in Zeiten guter Umsätze und guter Auftragslage keine Gewinne gemacht hat? Da ist wohl bei der Kostenkalkulation einiges falsch gelaufen.“ Wagner nannte auch die Entscheidung, am Kronenbrot-Standort Witten in Produktionslinien für Aufbackbrötchen zu investieren, falsch. „Das können andere Anbieter mit Sicherheit besser.“

Dass die Sanierung des Würselener Familienunternehmens mit langer Tradition gelingen kann, steht für den Betriebsrat trotzdem außer Frage. Immerhin habe es schon Verbesserungen in der Organisation der Logistik und der Produktion gegeben, nicht zuletzt durch personelle Veränderungen. Gewerkschafter Mogga formuliert zum Schluss dann noch klipp und klar eine Erwartung an die Geschäftsführung: „Wenn der Sanierungsprozess Erfolge bringt, wovon wir ausgehen, dann nur, weil auch die Belegschaft ihren großen Beitrag geliefert hat und liefert. Dies muss ihr dann aber auch in Form von Wertschätzung zurückgegeben werden.“

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