Saint-Gobain: Reiche Geschichte, gute Perspektive

Von: Thorsten Karbach
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Die Unternehmensgeschichte im Spiegel der Geschichte: Der Generaldelegierte für Mitteleuropa, Hartmut Fischer, blickt auf 350 Jahre Unternehmensgruppe Saint-Gobain. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mehr als 700, teilweise noch nicht veröffentlichte Bilder, Dokumente, Videos und Tonbeiträge wurden gesammelt und lassen die Firmengeschichte lebendig werden – virtuell, denn die Ausstellung ist jedermann jederzeit zugänglich.

1665 wurde Saint-Gobain in Frankreich gegründet, 1857 pachtet sie in Stolberg die Aachener Spiegelmanufaktur als zweite Auslandsniederlassung überhaupt. Aktuell zählt die internationale Unternehmensgruppe weltweit 180.000 Mitarbeiter (1800 in der Region Aachen), ist in 64 Ländern vertreten und erzielte 2014 einen Jahresumsatz von 41 Milliarden Euro. Den Weg dorthin zeigt die virtuelle Ausstellung. Was die Zukunft bringt, erläutert Hartmut Fischer, Generaldelegierter von Saint-Gobain für Mitteleuropa, im Interview.

Saint-Gobain begeht seinen 350. Geburtstag ungewöhnlich – mit einer virtuellen Ausstellung. Welche Intention wird damit verfolgt?

Fischer: Die Versuchung ist bei einem solchen Jubiläum immer groß, in der Vergangenheit zu schwelgen. Wir wollten dem Fest dagegen ganz modern begegnen. Wir haben eine reiche Geschichte, aber wir wissen eben auch, dass wir ohne Innovation nicht 350 Jahre alt geworden wären. Und die nächsten 350 Jahre haben wir vor Augen, die meistern wir nur mit Innovation. Das wollen wir mit der virtuellen Ausstellung ausdrücken.

Sie öffnen Ihr Unternehmen damit aller Welt...

Fischer: Saint-Gobain ist als Unternehmen nicht so bekannt, wie es angesichts von weltweit 180.000 Mitarbeitern eigentlich sein müsste. Wir wollen aller Welt deutlich machen, dass hinter den bekannten Marken wie Rigips, Sekurit Autoglas, Isover oder Raab Karcher ein großer multinationaler Konzern steht, der auf Jahre Leistung garantiert. Saint-Gobain wird diese Marken nicht ersetzen, wir stehen hinter ihnen. Wenn sie im Baugeschäft, in dem sehr viel über Vertrauen läuft, einen Markennamen ändern, sorgen sie nur für Verunsicherung. Aber es soll auch deutlich werden, wer hinter den bekannten Markennamen steht!

Wie war Ihr erster Eindruck von der fertigen Webseite?

Fischer: Ich war überwältigt und habe mich sofort einige Stunden in ihr verloren. Ich habe nicht nur meine eigene Firma noch einmal anders kennengelernt, sondern auch die gesamte Industriegeschichte. Und wenn ich dann die Bilder von den Industriellen mit den großen Brillen und den langen Koteletten aus den 1960ern sehe... (lacht) Da wird Vergangenheit lebendig.

Wo steht Saint-Gobain nach 350 Jahren?

Fischer: Wir sind sehr breit und damit sehr zukunftssicher aufgestellt. Sie werden fragen, was breit bedeutet. Ich meine das geografisch, denn wir sind in Asien, Europa, Nord- und Südamerika vertreten. Schwächelt ein Markt, kann dies ein anderer auffangen. Ich meine das aber auch in Bezug auf unsere Produkte, die wir ebenso für die Bauindustrie, wie auch die Automobilindustrie, die Medizintechnik und andere fertigen.

Wenn zum Beispiel der Automarkt schwächelt, dann kann das der eine oder andere Sektor ausgleichen. Und dann sind wir auch vertikal breit aufgestellt. Das heißt: Wir verantworten gleichermaßen die Produktionsentwicklung, Fabrikdesign und die Produktion bis hin zur Distribution an die Installateure selbst. In Herzogenrath haben wir beispielsweise eines unserer weltweit größten Entwicklungszentren. Das macht uns unabhängig.

Wie sind die weiteren Aussichten für das Unternehmen?

Fischer: Die Perspektive ist gut, das Ziel ist Wachstum durch Innovation, aber auch durch optimierten Service und Dienstleistungen. Dabei bietet uns das Internet neue Möglichkeiten, Industrie 4.0 ist ein großes Thema. Viele unserer Werke mögen ein gewisses Alter haben, was für ihre Langlebigkeit spricht. Aber wir sehen dennoch Anknüpfungspunkte, ebenso in der Logistik.

Und mit welchen Innovationen wollen Sie punkten?

Fischer: Lassen Sie mich zwei ungewöhnliche Beispiele nennen. Wir produzieren auch Gussrohr. Der erste Gedanke ist doch: Rohre? Wie soll es bei Rohren Innovation geben? Ganz einfach: Wir haben Rohre entwickelt, die von sich aus melden, wenn es ein Leck gibt und wo dieses ist. Das ist besonders spannend, wenn sie in Trinkwasserschutzgebieten verlegt werden.

Das andere Beispiel: ist Putz. Wieder steht die Frage im Raum: Was soll da innoviert werden? Wir haben algenfreien Putz entwickelt, der ohne Biozide auskommt – nicht schlecht, wenn vor der Wand die Tomaten wachsen. Das sind spannende Themen für uns. Hinzu kommen die Innovationen aus Aachen in Sachen Automobiltechnik.

Haben Sie auch da ein Beispiel?

Fischer: Windschutzscheiben sind nicht mehr bloß Scheiben. Es sind vereinfacht gesagt zwei High-Tech-Scheiben, zusammenlaminiert durch eine Folie und beschichtet mit unsichtbaren Schichten, die zum Beispiel die Wärmedämmung übernehmen. Sie haben eine Heizung, müssen Platz für Sensoren und Kameras lassen und dienen als Head-up-Display – das alles entwickeln wir in Herzogenrath.

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