Saint-Gobain: Es bleibt nicht bei Kurzarbeit

Von: Berthold Strauch
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Heiße Verhältnisse: Auch bei Saint Gobain Glass in Herzogenrath wird jetzt über Kurzarbeit nachgedacht. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt der Glasschmelzwanne. Foto: Beatrix Oprée

Aachen. „Saint Gobain Sekurit - Nummer eins bei innovativen Automobil-Verglasungen”: So wirbt die Tochter des französischen Konzerns, der in der Region mit mehreren Standorten vertreten ist, auf Aachens altehrwürdigem Tivoli. Der hohe Qualitätsanspruch des Unternehmens, den die Zweitliga-Kicker der Alemannia im Augenblick nicht unbedingt für sich in Anspruch nehmen können, wird in der Glasbranche nicht bestritten.

Doch trotz des exzellenten Rufs der Saint-Gobain-Gruppe, die seit mehr als 150 Jahren präsent ist, laufen die Geschäfte nicht gut. Denn auch die Glasmacher können sich der weltweiten Wirtschaftskrise natürlich nicht entziehen. Kein Wunder, wenn sie so unmittelbar vom Wohlergehen der Fahrzeughersteller abhängig sind. Unausweichliche Folge: In den Werken in Herzogenrath wird Kurzarbeit gefahren.

Regina Decker, im „Glaspalast” der Aachener Firmenzentrale an der Viktoriaallee für Presseauskünfte zuständig, spricht von „punktuellen Maßnahmen”, um die gesunkene Nachfrage auffangen zu können. Derzeit liefen Gespräche von Geschäftsleitung und Betriebsrat der Sparte „Glass” über weitere Einschränkungen. Es werde angestrebt, die wöchentliche Arbeitszeit um zwei Stunden zu reduzieren. Dies bedeute für die Beschäftigen eine analoge Kürzung beim Lohn, fügt Decker an.

Saint Gobain Sekurit habe mit „sehr großen Mengeneinbußen” zu kämpfen, sie nennt ein Minus von rund 40 Prozent. Eine der unliebsamen Folgen: Im letzten Jahr wurde von der Sieben- auf die Fünf-Tage-Woche umgestellt.

Seit 1. April gibt es auch bei der Konzerntochter Vetrotex Deutschland in Herzogenrath Kurzarbeit. 15 bis 20 Prozent werde weniger gearbeitet. Da bei Vetrotex „eine Glaswanne im Spiel” sei, könne nicht einfach die Produktion gestoppt werden, so die Sprecherin. Das Feuer darf nicht ausgehen! Vetrotex bedient „Nischenmärkte”. Die leichten und stabilen Spezialfasern, Glasfilament-Garne genannt, werden zur Verstärkung der Flügel von Windrädern eingesetzt. Auch die Luftfahrtindustrie griff bislang gern zu diesen Produkten, die eigentlich Wachstumsmärkte versprechen.

Bei Sekurit in Stolberg gebe es eine andere Situation, so Decker: Hier soll - aus Altersgründen - eine Produktionslinie für Ersatzscheiben von Autoherstellern aus ganz Europa geschlossen werden. 80 Mitarbeiter - etwa ein Viertel der Belegschaft - seien davon betroffen. Derzeit liefen Verhandlungen über einen Sozialplan.

Kaum hatte die Stolberger Belegschaft Ende Februar von dem drohenden Aus erfahren, organisierten Betriebsrat und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie eine Protestdemonstration. Manfred Maresch, Vize-Chef des IGBCE-Bezirks Alsdorf und Mitglied des Saint-Gobain-Aufsichtsrats, hält der Geschäftsleitung vor, nicht erst auf Kurzarbeit zu setzen, „um die Mannschaft an Bord zu halten” und dem künftigen Facharbeitermangel vorzubeugen, statt sofort zu kündigen.

Von der Kurzarbeit nicht betroffen ist das Modulartechnik-Werk von Saint Gobain in Würselen.
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