RWE drosselt die Windkraft

Von: Christian Rein und Patrick Nowicki
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Eines der größten Offshore-Wind-Projekte im Portfolio von RWE: der Windpark Gwynt y MÔr vor der walisischen Küste mit einer Leistung von 576 Megawatt. Foto: dpa
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Weniger Investitionen, weniger Personal: Hans Bünting, Vorstandschef von RWE Innogy, muss den Rotstift ansetzen.

Essen. Der Energiekonzern RWE setzt angesichts der hohen Verschuldung bei seiner Sparte für erneuerbare Energien (Innogy) den Rotstift an. Nach Angaben von RWE-Innogy-Chef Hans Bünting soll der Personalstand von 1500 Mitarbeitern, die noch Ende 2013 bei der Konzerntochter beschäftigt waren, auf 700 bis 800 im Jahr 2015 sinken.

Zusätzlich sollen die für 2014 angepeilten Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro noch einmal „nach unten angepasst“ werden, wie Bünting weiter erläuterte. „Investitionen in einer Höhe von rund einer Milliarde Euro wie im Jahr 2013 werden wir sicher zum letzten Mal gesehen haben“, sagte er. Einzelheiten zu den Investitionskürzungen will RWE bei der Vorlage der Jahresbilanz 2013 Anfang März verkünden. Zudem will RWE für die Finanzierung von Projekten künftig stärker auf Partner setzen.

Warum steht RWE unter Druck?

„Unser traditionelles Geschäftsmodell bricht uns unter den Füßen weg“, hat Konzernchef Peter Terium im November bei der Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal gesagt. Nach wie vor bestreitet das Unternehmen laut Jahresbericht 2012 über 90 Prozent seiner Stromerzeugung mit Braun- und Steinkohle, Gas, und Kernenergie. Aber es gibt einen Preisverfall für Strom an der Börse. Allein von Januar bis Juli 2012 fiel der Großhandelspreis von 55 Euro pro Megawattstunde auf 36 Euro. Nach Angaben von RWE bedeutet ein Euro weniger im Schnitt Erlöseinbußen von 70 Millionen Euro bei der Braunkohle und 24 Millionen Euro bei der Kernkraft.

Was ist der Grund für den Preisverfall?

Es wird deutlich mehr Strom produziert, als benötigt wird. Der Ausbau bei den erneuerbaren Energien hat sich dank der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und der darin garantierten Vergütung besonders bei der Photovoltaik in den vergangenen fünf Jahren, aber auch bei der Windkraft in den vergangenen zehn Jahren massiv beschleunigt – viel stärker als von vielen Beobachtern erwartet. Mitte April des vorigen Jahres wurde in Deutschland beispielsweise so viel Wind- und Solarstrom erzeugt wie noch nie. Am 18. April wurde zeitweise sogar die Leistung von rund 30 Atomkraftwerken erreicht.

Wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien so erfolgreich ist, warum kürzt RWE dann in diesem Bereich?

Auch die RWE-Sparte für erneuerbare Energien erwirtschaftet bis dato nicht die sprudelnden Gewinne, die sich der Konzern bei der Gründung von Innogy im Jahr 2008 versprochen hatte. Vor allem im Bereich der Windenergie auf See (Offshore) stocken Projekte wie etwa der Windpark Nordsee-Ost. Dort fehlt noch die Netzanbindung; mit der Inbetriebnahme rechnet RWE im Jahr 2015. Das Kraftwerk hat eine Kapazität von knapp 300 Megawatt und soll die Erlössituation der Sparte deutlich verbessern.

Der nächste Schritt ist dann das Kraftwerk Nordsee 1 vor Juist mit gut 330 Megawatt, für das RWE die Investitionsentscheidung noch in diesem Jahr erhofft. RWE ist daran zu einem Viertel beteiligt. Bünting betonte: „Wir haben die feste Überzeugung, dass Offshore-Windenergie seinen festen Platz im deutschen Energiemix hat.“

Wie will RWE künftig mit Finanzpartnern zusammenarbeiten?

Bünting kündigte an, dass RWE vor allem bei den teureren Offshore-Wind-Projekten im Sinne einer „bilanzschonenden Finanzierung“ vielfach nur noch Minderheitsanteile übernehmen werde. So würden Partner beispielsweise mit 75 Prozent an dem 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro teuren Windpark Nordsee 1 beteiligt. Als Partner kämen hierbei etwa Förderbanken oder einschlägige Investmentfonds infrage.

Bei den deutlich kleineren Projekten an Land wolle RWE hingegen weiterhin bei Mehrheitsbeteiligungen bleiben. Partner könnten hier regionale Stadtwerke oder Genossenschaften sein. Bei der Windenergie auf dem Festland maß Bünting dem Rheinischen Revier eine besondere Bedeutung zu. So soll der Bau für den geplanten Windpark Königshovener Höhe in Bedburg mit 67 Megawatt und einer Investitionssumme von 100 Millionen Euro im kommenden Jahr starten. Hier gebe es sogar eine „echte“ Partnerschaft mit der Stadt; RWE ist Shareholder mit 51 Prozent.

Müssen die Mitarbeiter von RWE Innogy angesichts des geplanten Personalabbaus betriebsbedingte Kündigungen fürchten?

Von betriebsbedingten Kündigungen wollte Bünting nicht sprechen. Er verwies auf eine Bestandsgarantie bis zum Ende dieses Jahres. Zum Jahreswechsel sind bereits rund 250 Mitarbeiter konzernintern zur Deutschland AG gewechselt. Außerdem soll die Finanzbuchhaltung konzernweit gebündelt werden. Die Beschäftigtenzahl bei RWE Innogy soll aber bis 2015 trotzdem noch um weitere 450 bis 550 Mitarbeiter schrumpfen.

„Wir haben in der Vergangenheit Funktionen teilweise doppelt besetzt“, sagte Bünting. „Das ist in einem schnell wachsenden, international agierenden Unternehmen aber auch normal. Und es ist normal, dass wir diese Dinge auf den Prüfstand stellen. Wir müssen effizienter werden.“

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