Rundumversorgung aus der Steckdose

Von: Felix Lennertz
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Innovation und Wachstum: Devol
Innovation und Wachstum: Devolo-Vorstandschef Heiko Harbers. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Stromnetze, daheim oder draußen - das waren eigentlich immer Leitungen, auf denen Spannung liegt. Mit dem zuverlässig und punktgenau ausgelieferten Strom läuft der Rechner, die Waschmaschine, die Produktionsstraße. Ende der Geschichte. Oder etwa nicht?

Mit der bevorstehenden Energiewende ändert sich das. Die Energieerzeugung wird dezentraler, die Versorgung eine diffizilere Angelegenheit. Statt einiger dicker Stromlieferanten werden in Zukunft viele kleine Einheiten Strom produzieren. Damit es nicht zum Blackout kommt und die verbleibenden großen Kraftwerke punktgenau produzieren können, müssen die Netze intelligent werden - also zum Beispiel wissen, wieviel Strom zu jedem beliebigen Zeitpunkt beispielsweise von Solarpaneelen oder Windkraftanlagen eingespeist wird, aber auch, wieviel genau in diesem Moment verbraucht wird.

130 Mitarbeiter

Die Aachener Devolo AG, 2002 von Heiko Harbers gegründet, ist optimistisch, passende Lösungen anbieten zu können. Denn das Kerngeschäft der rapide wachsenden Firma ist es, Stromleitungen die Informationsübertragung „beizubringen”. Die Technologie nennt Devolo „Powerline” - damit seien seit 2002 kontinuierlich jährliche Wachstumsraten zwischen 20 und 30 Prozent erzielt worden, sagt Harbers, Vorstandschef des heute 130 Mitarbeiter zählenden Technologieunternehmens.

Endverbrauchern ist die Technologie mittlerweile als Internet aus der Steckdose geläufig - sie wird zunehmend nachgefragt, weil Netznutzer zuhause oder im Büro den leidigen Kabelsalat unter dem Schreibtisch oder hinter dem Router satt haben. Dabei ist die Anwendung denkbar einfach: Am Router, also da, wo das Internet ins Haus kommt, wird ein Adapter angeschlossen und in die Steckdose gesteckt. An beliebigen anderen Stellen im Haus können ebenfalls Adapter in die Steckdose gesteckt werden und liefern dort dann das Internetsignal aus, entweder über einen Netzwerkkabel-Anschluss oder über einen lokalen drahtlosen Anschluss.

Das funktioniert übrigens nicht nur für die reine Internetnutzung beispielsweise zum Surfen, sondern ebenso für Fernsehen aus dem Netz und Internettelefonie - Märkte, die einen rasanten Zuwachs verzeichnen. Mit der Lösung sollen Netzwerke auch im Haus dezentralisiert werden, um nicht zuletzt der wachsenden Zahl mobiler Endgeräte wie iPhone und E-Book-Readern Rechnung zu tragen, die geringere Empfangsleistungen haben, um die Akkus zu schonen.

Bislang hat Devolo über zehn Millionen Endgeräte ausgeliefert und steckt bis über beide Ohren in der Entwicklung, weil die Technologie ebenso viele neue Möglichkeiten erschließt. Für den Heimbereich steht die Erschließung des gesamten heimischen Stromnetzes ganz weit oben. So gibt es mittlerweile ein Produkt, das direkt im Sicherungskasten ins Netz gesetzt wird und mit dem Internet verbunden wird.

Resultat: Alle Steckdosen im Haus funktionieren auch als Endpunkte des Internetanschlusses - und ermöglichen so neben kabelarmem Surfen und Fernsehen auch die Erfassung und Übermittlung von Verbrauchsdaten ins Netz, zum Beispiel zu den jeweiligen Anbietern. Ein zukünftiges, „Powerline Access” genanntes Produkt, sagt Harbers, sei die logische Fortsetzung des intelligenten Stromzählers, der im Erneuerbare-Energien-Gesetz 2010 für Neubauten zwingend vorgeschrieben ist und ein erster Schritt in Richtung des intelligenten Stromnetzes von morgen ist.

Abnehmer sind daher bei Weitem nicht nur Privatkunden, sondern vor allem auch Energieanbieter, wie zum Beispiel EnBW, die für das sogenannte Smart Metering die Kooperation suchen. In anderen europäischen Ländern ist die Technologie aus Aachen schon seit 2005 Marktstandard, so zum Beispiel in Frankreich und den Niederlanden.

Dort kommt das Fernsehsignal, oder zumindest Teile davon, aus dem Internet und wird mit der Powerline-Technologie störungsfrei im Haus übertragen. Das gehe sogar mit einfachen Klingeldrahtleitungen, sagt Harbers. „Wir arbeiten mit einem speziellen Protokoll, dass die Daten je nach Art priorisiert.” Videodaten haben immer Vorrang vor Audiodaten, die wiederum Vorrang vor normalen Daten haben. Damit werde sichergestellt, dass insbesondere komplexe Signale wie bewegte Bilder stabil und zuverlässig transportiert werden.

Fachkräfte gesucht

Von Problemen also keine Spur? Doch: Devolo sucht händeringend qualifizierte Mitarbeiter. Zurzeit fehlen etwa 20 Ingenieure, um die vorhandenen 50 zu entlasten und den Weg für weiteres Wachstum freizumachen. Die Suche gestalte sich bisweilen schwierig: „Die Ausbildung an TH und FH in Aachen ist erstklassig, aber der Bedarf ist eben auch riesig”, sagt Harbers.

Wobei Devolo für seine Mitarbeiter so einiges tut. Etwa eine E-Bike-Ladestelle auf dem Parkplatz der brandneuen Unternehmenszen- trale im Gewerbegebiet Hüls zu installieren, weil das eben der Wunsch einiger Mitarbeiter war. Oder Diplomarbeiten anzubieten. Harbers legt übrigens Wert auf die Feststellung, dass ein Abschluss nicht das A und O sei. „Erfahrene Leute nehmen wir immer, gute Elektroniker auch.”
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