Aachen/Wien - Reit-EM: Küche kommt mit dem Sattelschlepper

Reit-EM: Küche kommt mit dem Sattelschlepper

Von: Thorsten Karbach
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Es ist angerichtet: Die Bewirtung von Ehrengästen und Sportlern liegt bei der Reit-EM in Aachen in den Händen des Wiener Unternehmens DO &CO. Das ist sonst unter anderem in der Formel 1, bei Fußball-Europameisterschaften und für Fluglinien im Einsatz. Foto: Andreas Steindl
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Es ist angerichtet: Die Bewirtung von Ehrengästen und Sportlern liegt bei der Reit-EM in Aachen in den Händen des Wiener Unternehmens DO &CO. Das ist sonst unter anderem in der Formel 1, bei Fußball-Europameisterschaften und für Fluglinien im Einsatz. Foto: Andreas Steindl
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Sie stehen hinter dem DO & CO-Engagement bei der Reit-EM in Aachen: Sarah Steinhögl (von links), Simon Groiss, Sarah Müller, Ronni Rilling und Projektleiterin Stefanie Hackl am kaiserlichen Demel-Tisch für die VIPs. Foto: Andreas Steindl

Aachen/Wien. Bob musste umziehen. Bob Chisolm, der im „Champions Circle“, dem zweistöckigen VIP-Zelt beim CHIO Aachen und nun auch bei der Reit-EM, für Barmusik sorgt, ist mit seinem Flügel vom Rande der Bar in die Mitte des Entrees gerückt.

Der unübersehbare US-Amerikaner, geboren in Brooklyn, wohnhaft in San Francisco, sorgt seit 20 Jahren für den guten Ton im Hintergrund. Dass er nun buchstäblich im Mittelpunkt des VIP-Zeltes steht, es ist eine der vielen kleinen Veränderungen, die es Jahr für Jahr gibt. Chisolm ist eine Konstante, eine andere ist das Wiener Unternehmen DO & CO: Seit 1997 kümmert es sich um die exklusive Bewirtung der wichtigen Gäste.

1981 eröffnete der türkischstämmige Attila Dogudan in Wien sein erstes Restaurant. Es war der Grundstein für DO & CO. 1983 begann er mit Catering, 1987 erstmals auch für eine Fluglinie – für Niki Laudas Lauda Air. Von da an war DO & CO sozusagen auf der Überholspur.

1992 begann das Unternehmen, das Catering bei der Formel 1 zu verantworten, seit 1998 ist es börsennotiert, 2004 bekamen die Österreicher den Zuschlag für die Fußball-Europameisterschaft in Portugal und die Olympischen Spiele in Athen, zwei Jahre später auch für die Winterspiele in Turin. Über die Jahre wurden lukrative Cateringaufträge für weitere Fluglinien wie Emirates, Etihad, British Airways und Austrian gewonnen, mit Turkish Airlines wird zusammengearbeitet, in sämtlichen Zügen der österreichischen Bahn ÖBB serviert.

Demel ist Teil des Universums

Seit 2002 gehört das berühmte Wiener Kaffeehaus Demel am Kohlmarkt zum DO & CO-Universum, es gibt eigene Luxushotels in Wien und Istanbul, Engagement im VIP-Bereich samt Logen bei Heimspielen des FC Bayern München ebenso wie in der Wiener Hofburg und der Albertina. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Ebenso beeindruckend sind aber auch die letzten Zahlen: Im Geschäftsjahr 2014 wurde ein Umsatz von 795,65 Millionen Euro verbucht. Das entspricht einem Wachstum von 25,1 Prozent. Der Umsatz im ersten Quartal des laufenden Jahres betrug 228,05 Millionen Euro. Das entspricht einem erneuten Wachstum von 20,4 Prozent. Und für die nächsten Monate wird ein „stabiles Wachstum“ seitens des Unternehmens, das sich für 106,6 Millionen Euro das berühmte gläserne Haas-Haus vis-a-vis des Stephansdoms in Wien gesichert hat, prognostiziert.

Es gibt gute Gründe, weiter derart optimistisch zu sein: Die Wiener mit ihren aktuell 9000 Mitarbeitern werden 2016 bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich servieren, verantworten das Champions-League- wie auch das Europa-League-Finale. Sie sind weiterhin Partner der Formel 1 und bei der ATP-Tour im Tennis unterwegs. Bei der Reit-EM in Aachen sind 18 Sattelschlepper – alles 40 Tonner – vorgefahren. Transportiert wurde unter anderem die komplette Küche, in der – verborgen vor neugierigen Blicken – 80 Köche und Patissiers auf 950 Quadratmetern ihre Arbeit tun. Die Küche wird um sechs Uhr in der Früh aufgeschlossen, und der 5950 Quadratmeter große „Champions Circle“ hat bis 23.30 Uhr geöffnet. Stefanie Hackl, die DO & CO-Projektleiterin in Aachen, nennt die Woche in Aachen so schön „eine Melange aus Galadinner, Buffet und Party“.

260 Mitarbeiter sind für DO & CO bei der EM im Einsatz. Neben der Stammcrew um die Projektleiterin sind es viele junge Leute aus der jeweiligen Umgebung, die von DO & CO für Ereignisse angefragt werden.

Hackl war 2004 erstmals in Aachen, sie arbeitete im Service. Seit 2009 ist Aachen ihr Projekt – neben dem Fußball. Jedes Jahr ist es etwas anders im „Champions Circle“, das Design der Restaurants mit ihren Buffets, die Loungen, auch im Reiterclub, in dem Reiter, CHIO-Mitarbeiter und auch Journalisten speisen. Dass sich Sportler, Mitarbeiter, VIPs und Medienleute derart mischen, gibt es weder bei der Formel 1 noch bei der ATP-Tour.

Schnitzel zum Abschluss

Das Publikum ist bei der Reit-EM eine Spur internationaler als bei einem „normalen“ CHIO. Und die Küche ist es auch. Jedes Jahr werden Speisen aus einem anderen europäischen Land aufgetischt. Am Sonntag, zum Abschluss der Titelkämpfe, wird dann der deutsch-österreichische Klassiker serviert: Wiener Schnitzel.

Die Zutaten kommen dabei größtenteils aus der Region: Brot, Fleisch, Obst und Gemüse werden in Aachen und Würselen eingekauft. In Zahlen: Es geht um 3800 Kilogramm Fisch, 4500 Kilogramm Gemüse, 6500 Kilogramm Fleisch und 8500 Kilogramm Obst. 35.000 Kilogramm Eiswürfel werden in den beiden EM-Wochen zum Kühlen bereitgehalten. Die Ansprüche sind hoch, anders als bei einem Champions-League-Finale, bei dem sich der Einsatz auf einen Tag beschränkt, dauert ein CHIO eine Woche und die EM sogar zwei Wochen. Und da gibt es viele Stammgäste, denen eine schlechte Speise schnell übel aufstößt. „Es ist hier wie mit einem Restaurant mit vielen Stammgästen“, beschreibt Hackl.

Bewirtet werden binnen der zwei Wochen rund 15 000 Gäste im „Champions Circle“, in der „Hermes“-Bar für die Ehrengäste der Haupttribüne und auf der Tischtribüne. Nicht gezählt werden die Besucher, die in den öffentlichen Restaurantzelten speisen, in denen DO & CO auch präsent ist – allerdings ohne Flügel und ohne Pianist. Die richtige Musik spielt anderswo.

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