Reiner Calmund: Gemeinsames von Fußballern und Unternehmen

Von: Berthold Strauch
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Immer am Ball: Reiner Calmund mit (v.l.) Manfred Schröder (EWV), Chefredakteur Bernd Mathieu, Dirk Harten (Schwermetall), Axel Kahl (EWV) und Hans Mayer-Uellner (VUV). Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Er hat echte Entertainer-Qualitäten. Von sich selber sagt er, er sei eine „alte Rampensau” - besonders bei seinen vielfältigen, häufigen Auftritten auf diversen Fernsehbühnen: Reiner Calmund, die viele einfach nur „Calli” nennen.

Dabei hebt der 62-jährige Ex-Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen nie ab, bleibt bodenständig und authentisch, verhehlt nicht, dass er selbst „aus einfachsten Verhältnissen” komme. Und auch vor drastischen Formulierungen scheut er nicht zurück.

Von den Talenten des selbsternannten „Quatschkopps” ließen sich am Donnerstagabend auch zahlreiche Wirtschaftsvertreter und Politiker aus der Region bei der siebten Auflage des Unternehmerforums des Energie- und Wasserversorgers EWV begeistern. Es wurde zum „Heimspiel” für Calli, der stets den richtigen Ton traf.

Dazu trug auch Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, bei, der die gut besuchte Veranstaltung in der Stolberger EWV-Zentrale moderierte. Darin eingebunden war anschließend eine knappe Podiumsdiskussion mit Hans Mayer-Uellner, dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigten Unternehmerverbände (VUV) Aachen, und Dirk Harten, dem Geschäftsführer des Stolberger Halbzeugwerks Schwermetall.

Wenn Calmund loslegt, ist der „Bauchmensch”, als der er sich selbst bezeichnet, fast kaum zu bremsen. Dass der Wohlbeleibte dabei auch so manche Pointe gegen sich selbst abfeuert, versteht sich für den begeisterten Rheinländer, der die Lebensfreude schätzt und mit Herzblut bei der Sache ist, fast von selbst. Der Fußballexperte und Manager hatte seinen kurzweiligen Vortrag unter die Überschrift „Mit Kompetenz und Leidenschaft zum Erfolg - Parallelen zwischen Fußball und Wirtschaft” gestellt. Da brauchte Calmund nicht allzu tief zu schürfen, um überzeugend ein breites Bündel von Analogien auszugraben und aufzubereiten.

Auf „weit über 90 Prozent” bezifferte der gelernte Außenhandelskaufmann und Betriebswirt die Gemeinsamkeiten zwischen dem Kickergewerbe und der Unternehmenswelt. „Bäckerei, Bank, Fußball - es geht ums Verkaufen, um Umsatz, das ist das A und O”, weiß Calmund beredt zu beschreiben. „Wenn die Leute an der Front nicht richtig zünden, bewegt sich nix!” Sie müssten „da hingehen, wo kein Gras wächst - so wie die Fußballer im Strafraum”, fordert er unbedingten Einsatzwillen.

Und um die Bedeutung dieses Metiers zu unterstreichen: „Formel1, Boxen, ,Wetten, dass...? vor dem Unfall” und andere Publikumsrenner seien „Mickymaus-Veranstaltungen gegenüber dem Fußball”, hob er insbesondere auf dessen enorme weltweite Medienpräsenz ab. Und: Von der „Bratwurst bis zum Taxi” profitiere auch der Staat „gigantisch” von den Steuereinnahmen.

Und wenn der Umsatz nicht stimme, wenn zu wenige Punkte eingefahren würden, „gibt´s Kasalla” - über die Kickerbranche werde täglich in der Öffentlichkeit teils heftig Bilanz gezogen. Eine „Marktausdehnung” sei allerdings - im Gegensatz zur Wirtschaft - Fußballern nicht möglich: „Maximal 27 Punkte” seien pro Spieltag in der Ersten Liga einzufahren.

Parallelen auch bei der Nachwuchsförderung - die sei unabdingbar, spiele eine „ganz große Rolle”. An die Unternehmen gerichtet mahnte er, dass angesichts der demographischen Entwicklung „gute, kompetente Mitarbeiter die knappste Ressource in Zukunft” seien, die zum Erfolg führten. Ständige Fortbildung sei vonnöten. Denn wenn´s Defizite bei Innovationen, aber auch bei Qualität, Strategie und Marketing gäbe, sei man „schnell weg vom Fenster”.

Denn, griff er wieder den Ball auf, „Tradition erzielt keine Tore - und sicher keinen Umsatz”. Überhaupt nicht leiden kann der Zampano „Chefbedenkenträger” und „Meckerfritze”. Denen will er am liebsten „eine Briefmarke auf den Hintern kleben” - und sie schleunigst fortjagen. Wenn die Geschäfte ganz schwierig werden, empfiehlt er: „Stahlhelm auf und Dreck fressen!”

Calmunds markige Worte waren elegante Vorlagen für die folgende Gesprächsrunde - etwa mit Blick auf die Nachwuchsbindung. Hier sieht Hans Mayer-Uellner noch nicht alle Unternehmen gut genug aufgestellt. Manchen fehle der Blick für den angemessenen Stellenwert dieses Problems, wundere er sich: Da gebe es teils noch „enormen Nachholbedarf”, so der Verbandschef.

Und: Firmen, die „interessante Arbeitsplätze” böten, seien für manche Mitarbeiter „wichtiger als Geld”. Hier brach er insbesondere für Mittelständler, für inhabergeführte Betriebe eine Lanze. Und wie wichtig es ist, insbesondere auch älteren, erfahrenen Beschäftigten eine verlässliche berufliche Perspektive im Unternehmen zu geben, unterstrich engagiert der Schwermetall-Geschäftsführer Dirk Harten.
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